Wissenschaftliches Arbeiten lehren

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Ein Blog für Lehrende

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Blogartikel

Erfahrungen, Einblicke und ein bisschen Ernüchterung nach einigen Jahren Lehre "Wissenschaftliches Arbeiten"

Materialien

Probieren geht über studieren: Ideen für Übungen, die die Studierenden selbst lösen müssen.

Literatur

Bücher, Links und Apps zum Wissenschaftlichen Arbeiten gibt es viele - für Studierende. Aber welche eigenen sich für die Lehre?

Ein Gastbeitrag ist kein Fisch

Besuch, sagt man, ist wie ein Fisch – nach drei Tagen fängt er an, zu stinken. Ein Gastbeitrag auf einem fremden Blog fängt nach drei Tagen überhaupt erst an, seine Wirkung zu entfalten.

Ich schreibe sehr gern. Ich liebe es, mir Ideen für Blogartikel zu überlegen, sie reifen zu lassen und zu gegebener Zeit meine Gedanken zu verschriftlichen.

Manchmal allerdings mag ich das gar nicht so sehr. Da fallen mir immer nur wieder die gleichen Dinge ein, zu denen ich Sätze formuliere, von denen ich gar nicht mehr sicher sagen kann, ob ich sie nicht schon einmal (zweimal? dreimal?) geschrieben habe.

Aus diesem Grund weiß ich Gastbeiträge sehr zu schätzen. Sie bringen eine neue Perspektive in den Blog. Sie verschaffen Ihnen eine schöne Abwechslung und entlasten gleichzeitig mich. Daher freue ich mich, wenn mir jemand einen Gastbeitrag anbietet oder auf meinen Vorschlag, man könne doch…, direkt einsteigt.

In diesem Artikel erfahren Sie

  • ob es für Sie sinnvoll ist, einen Gastbeitrag auf meinem Blog zu veröffentlichen
  • welche Vorteile Ihnen das bietet und
  • wie das eigentlich geht.

Ein kleiner Haken existiert allerdings auch, und den möchte ich Ihnen natürlich nicht verschweigen.

Das „Who is who“ hinter den Gastbeiträgen

Bei der genaueren Betrachtung, wer hier schon einen Gastbeitrag geschrieben hat, fiel mir auf, dass es im Wesentlichen zwei Gruppen sind.

  • Menschen, die mit (Schreib-)Trainings und Beratung ihr Geld verdienen

und

  • Dozierende, deren Lehre innerhalb eines Curriculums stattfindet und die eine Veranstaltung zum Wissenschaftlichen Arbeiten zusätzlich zur Fachlehre übernommen haben

Übrigens: Wenn Sie am Ende des Artikels bei den Schlagworten auf „Gastbeitrag“ klicken, werden Ihnen die bisherigen Gastbeiträge angezeigt.

Neu dazukommen dürfen gern

  • Studierende oder Ehemalige, die ihre Gedanken beisteuern,
  • Fachlehrende, die gerade nicht Wissenschaftliches Arbeiten lehren, und die gern ein paar Wünsche formulieren möchten
  • Menschen, die an Hochschulen über das didaktische Weiterbildungsangebot entscheiden

und auch

  • Menschen mit thematisch passenden Forschungsvorhaben oder -ergebnissen, die diese gern einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen möchten

Wegbleiben dürfen hingegen bestimmte Angebote aus verwandten Gebieten. Über themenfremde Gebiete müssen wir gar nicht erst sprechen. Denn ich setze sowieso voraus, dass Sie sich nur an mich wenden, wenn Sie etwas zu den Themen des Blogs – Wissenschaftliches Arbeiten lehren sowie Betreuung und Begutachtung studentischer Arbeiten – beitragen können. Immer wieder kommt es jedoch vor, dass mir Beiträge zu generell sinnvollen Themen (z. B. Zeitplanung) angetragen werden, die jedoch keinerlei Bezug zum Alltag an Hochschulen aufweisen und auch nicht auf die Lehre abzielen. Was hier auf dem Blog erscheint, soll entweder unmittelbar den Lehrenden helfen oder eben mittelbar den Studierenden, indem die Lehrenden etwas kennenlernen, das ihren Studierenden hilft. Ein allgemeiner Artikel über Zeitplanungsmethoden, die für alle Büroberufe gelten können, ist mir zu unspezifisch und damit leider durchgefallen.

Ok, gehen wir für alles Weitere davon aus, Sie hätten bereits eine passende Idee, die nicht durch das Raster fällt. Sie denken sich „Das könnte gehen.“ Aber noch haben Sie nicht Kontakt mit mir aufgenommen, denn irgendetwas hemmt sie.

Warum also überhaupt einen Gastbeitrag schreiben?

  • Das Verfassen eines Gastbeitrags bietet eine hervorragende Möglichkeit, das Medium Blog kennenzulernen: Wie schreibe ich einen Blog? Worauf muss ich achten?
  • Mit einem Gastbeitrag können Sie testen, ob Ihnen Bloggen überhaupt Freude bereiten würde. Vielleicht spielen Sie ja mit dem Gedanken, einen eigenen Blog aufzuziehen? Bevor Sie sich die Mühe machen und dieser dann nach fünf Artikel nur herumdümpelt, nutzen Sie doch lieber einen fremden Blog für den Testlauf.
  • Sie bekommen Aufmerksamkeit. Ihren Gastbeitrag lesen Menschen, die sonst nichts von Ihnen lesen. Sollten Sie bereits einen eigenen Blog betreiben, können Sie durch den Gastbeitrag auf dem fremden Blog vielleicht ein paar neue Interessierte gewinnen. Wenn Sie keinen eigenen Blog führen, ist der Gastbeitrag eine wunderbare Möglichkeit zum Netzwerken und Erweitern der Kontakte. Eben weil der Gastbeitrag veröffentlicht und verlinkt wird und außerdem auf Social Media geteilt werden kann. Da bleibt es nicht aus, dass die eine oder andere Kontaktanfrage kommt.

Also wenn Sie das nicht überzeugt, weiß ich auch nicht! 😉 Dann lassen Sie uns einmal die Ärmel hochkrempeln und (gedanklich) zur Tat schreiten.

Wie geht das nun eigentlich konkret mit dem Gastbeitrag?

  • Auswahl des geeigneten Blogs: Normalerweise würden Sie nun erst einmal einen passenden Blog auswählen. Dieser Schritt kann entfallen, wenn Ihre Wahl schon auf meinen Blog gefallen ist. (Ich habe übrigens im Jahr 2017 einen Artikel mit dem Titel „Mein Blog langweilt sie – hier sind die Alternativen“ veröffentlicht. Leider ist auf den meisten der genannten Blogs kaum noch etwas los.)
  • Die Kontaktaufnahme: Wie kommen wir zusammen? Sie können mich selbstverständlich mit einer ausgereiften Idee kontaktieren. Sie haben ein Leib- und Magenthema und möchten darüber schreiben? Immer her mit der Idee! Vorzugsweise schicken Sie mir eine Nachricht an andrea.klein@wissenschaftliches-arbeiten-lehren.de. Im anschließenden E-Mail- oder Telefonkontakt finden wir heraus, ob ich finde, dass die Idee zu meinem Blog passt oder ob wir sie noch ein wenig anpassen. Sie „dürfen“ aber auch den Kontakt suchen, wenn sich eine erste Idee noch entwickeln soll. Manchmal hat man ja so eine Ahnung, wohin die Reise mit dem Text gehen könnte, aber ein kleiner Dreh, ein letzter Schliff fehlen noch, um das Ganze tatsächlich anzugehen. In diesem Fall stehe ich Ihnen gern als Denkhilfe zur Verfügung.
  • Der zeitliche Aspekt: Wann Ihr Gastbeitrag erscheinen soll, ist eine Frage der Absprache. Sie sagen mir, wann Sie mir den Text zusenden, woraufhin ich die Veröffentlichung grob einplane. Sollte etwas dazwischenkommen, lässt sich sicher ein neuer Plan arrangieren. Mittlerweile bin ich deutlich flexibler als früher.
  • Der Aufbau und Stil Ihres Beitrags: Für diese Aspekte gebe ich Ihnen ein paar Hinweise in einem übersichtlichen Dokument mit auf den Weg, sobald es konkret wird. Dem entnehmen Sie, wie lang der Beitrag sein sollte, wie sie ihm Struktur geben können und was hinsichtlich der Sprache zu beachten ist.
  • Die Veröffentlichung: Mit der Technik im Hintergrund haben Sie nichts weiter zu tun. Sie lehnen sich entspannt zurück und dürfen auf meine Nachricht mit dem Link zum fertigen Gastbeitrag warten.

Was hält Sie zurück?

Moment, was ist denn mit den Nachteilen? Die sollten doch auch zur Sprache kommen. Fest steht, dass das Verfassen eines Gastbeitrags Ressourcen bindet. Kosten entstehen für Sie natürlich nicht. Aber einige Zeit wird es schon dauern, bis der Text fertiggestellt ist. Ganz fremd wird Ihnen ja das Schreiben höchstwahrscheinlich nicht sein, daher konnten Sie sich diesen Punkt schon denken.

Was vielen nicht bewusst ist: Einer der eingangs ausgeführten Vorteile kann in einen Nachteil umschlagen. Durch die Veröffentlichung eines Gastbeitrags erhalten Sie Aufmerksamkeit. Sie zeigen sich. Sie treten heraus aus der schweigenden Masse und äußern sich. Bei kontroversen Inhalten kann das durchaus dafür sorgen, dass Sie missverstanden und in (schlimmstenfalls fruchtlose) Diskussionen verwickelt werden. Vielleicht fühlt sich aber auch jemand auf den Schlips getreten und sagt es Ihnen nicht einmal. Dann merken Sie lange nichts, bis Sie anfangen, sich zu wundern. All das kann passieren, und ich möchte, dass Sie sich dieses Risikos bewusst sind und es eingehen (oder eben nicht).

Tja, wie gelingt mir jetzt die Kurve? Ich könnte schreiben „Seien Sie mutig und wagen Sie es! Sie werden sehen, was das Gutes bewirkt.“ Letztlich wissen nur Sie selbst, ob dieser Schritt in diesem Moment für Sie passend ist. Ich persönlich bin immer gut gefahren bei meinen Entscheidungen für größere und kleinere Wagnisse, die mir im Vorfeld ein gewisses Kribbeln beschert haben.

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Weber: Viel mehr als Emergency Remote Teaching

Weber, Daniela (2020): E-Learning für Dummies. Weinheim: Wiley-VCH.

17,00 Euro

Inhaltsübersicht:

Teil I Was ist überhaupt dieses „E-Learning“?

  • Das neue Umfeld: Wissenskultur
  • Der lernende Mensch: Kleine Begriffskunde
  • Bewährte und innovative E-Learning-Ansätze
  • Anwendungsbeispiele und ein Blick in die Zukunft

Teil II Strategisches und didaktisches Vorwissen

  • Welche Ziele können verfolgt werden?
  • Welche Wege für welche Ziele?
  • Rahmen und Rollen von E-Learning

Teil III Das operative Geschäft: Von virtuellen Orten und Tools

  • Wo findet E-Learning statt?
  • Welche Instrumente kommen zum Einsatz?
  • Woher kommt Ihr Material?

Teil IV E-Learning-Angebote konzeptionieren

  • Rahmenbedingungen und Grenzen kennen
  • Phasen der E-Learning-Planung
  • Das E-Learning-Projekt starten und evaluieren

Teil V Der Top-Ten-Teil

  • Zehn Messen und Kongresse, zu denen Sie gehen können
  • In zehn Schritten mit Camtasia zu Lehrvideos
  • Zehn Quiz-Formate, die Sie nutzen können

Das ausführliche Inhaltsverzeichnis sowie Auszüge aus dem Text finden Sie in der Schnellhilfe.

Weber: Viel mehr als Emergency Remote Teaching

Sind Sie in den vergangenen Wochen und Monaten hinsichtlich der Online-Lehre auf den Geschmack gekommen? Jetzt möchten Sie sich noch weiter mit dem Thema befassen und sich dabei nicht mehr nur von einer Linksammlung zur nächsten klicken? Daniela Webers Buch „E-Learning“ aus der „Für-Dummies“-Reihe bietet für diesen Zweck eine hervorragende Mischung aus Überblick und Ansatzpunkten für den tieferen Einstieg.

Die Autorin ist als Gründungsberaterin und Wissenschaftscoach tätig. Sie hilft Hochschulen und Unternehmen bei der Entwicklung und Einführung von E-Learning-Projekten. Ihr Buch „Die erfolgreiche Abschlussarbeit für Dummies“ ist bereits in der 3. Auflage erschienen.

Wie ist das Buch aufgebaut?

Die Inhalte zu Beginn des Buches sind eher allgemeiner Natur und werden dann immer spezifischer. Im ersten Teil wird der Boden bereitet für alles, was danach kommt. Er ist eine Annäherung an das Phänomen „E-Learning“ und eine erste Darstellung, wie Menschen derzeit lernen und in Zukunft vermutlich lernen werden.

Der zweite Teil ist dem strategischen und didaktischen Vorwissen gewidmet. Hier umreißt die Autorin, welche unterschiedlichen Lernszenarien es geben könnte (beispielsweise offen oder prüfungsbezogen; individuell oder in Massenkursen) und wie jeweils die Ziele erreicht werden könnten.

Ganz praktisch ausgerichtet ist Teil 3, in dem es um die virtuellen Orte und Tools geht, derer man sich bedienen kann.

Im vierten Teil erfahren Sie, wie Sie in einem Konzept für ein E-Learning-Angebot die einzelnen Bausteine zusammenfügen.

Der abschließende fünfte Teil, der so genannte Top-Ten-Teil, bietet in drei Kapiteln kurze und übersichtliche Informationen zu einschlägigen Messen und Kongresse, zur Erstellung von Lehrvideos mit Camtasia und zu Quiz-Formaten.

Das Buch enthält einige Abbildungen (vor allem Screenshots) und Tabellen, die wesentliche Informationen übersichtlich aufbereiten. Zudem sind die Eckpunkte auf der sogenannten „Schummelseite“ in sehr verdichteter Form nochmals zusammengefasst – der Inhalt des Buches in Listenform auf einer Doppelseite. Am Ende des Buches findet sich das bei diesem Thema sehr wichtige Abkürzungsverzeichnis (nun weiß dann auch ich, dass es sich bei „Moodle“ und „Ilias“ um Abkürzungen handelt…). Mit dem Stichwortverzeichnis lässt es sich schnell durch das Buch navigieren.

Systematisch und kenntnisreich

Auf eine gute verständliche, bisweilen recht humorvolle Art wurde hier Wissen über E-Learning aufbereitet. Ein schöner Zufall aus meiner Sicht ist es natürlich, dass sich einzelne Beispiele auf das wissenschaftliche Arbeiten beziehen.

Daniela Weber schreibt aus der Außensicht – also mit der Perspektive einer Person, die nicht angestellt an einer Hochschule arbeitet oder (wie so viele derzeit) mal eben für einen einzelnen Lehrauftrag ihre Präsenzlehre auf Online-Lehre umstellt. Das Erscheinen des Buches in Zeiten von „Emergency Remote Teaching“ weckt vielleicht falsche Erwartungen, aber wer will das vorhersehen?

Ein gewisses Interesse an einem nachhaltigen und umfassenden Aufbau von Online-Lehre schadet also nicht, wenn Sie von „E-Learning für Dummies“ profitieren möchten. Sie werden erfahren, welche Infrastruktur nötig ist und welche wirtschaftlichen Überlegungen angestellt werden sollten. Viele werden beim Lesen merken, was sie alles nicht wissen oder von allein nicht bedacht hätten (Hallo ZFU!).

Als sehr angenehm habe ich empfunden, dass das Buch sich nicht nur um Tools und Technik dreht, sondern auch um die wirklich wichtigen Aspekte des Lehrens, nämlich die Didaktik.

Welchen Studierenden kann man das Buch empfehlen?

Das Buch richtet sich nicht an Studierende.

Was bringt das Buch für den Einsatz in der Lehre?

Direkt in der Lehre werden Sie das Buch wohl eher nicht einsetzen. Es ist eine Begleitung auf dem Weg zur (erweiterten, professionellen) Online-Lehre.

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Quantitative Forschung – Was müssen Einsteiger wissen?

Ein Gastbeitrag von Daniela Keller

Das Feld der quantitativen Forschung ist sehr weit und schreckt vielleicht aufgrund der Nähe zur Mathematik und Informatik viele Studierende ab.

Wie kann man Einsteigern trotzdem einen möglichst einfachen Zugang zu diesem Gebiet geben?

Was muss eine Anfängerin oder ein Anfänger wissen, um mit einem ersten quantitativen Projekt beginnen zu können?

Diese Fragen beantworte ich hier anhand von sechs Punkten:

1. Klare Fragestellung und präzise Hypothesen

Die Forschungsfrage und damit die Fragestellung der Arbeit muss klar formuliert sein. Aus dieser Fragestellung heraus werden anschließend präzise Hypothesen formuliert. Diese Hypothesen dürfen jeweils nur eine Idee enthalten und müssen messbar sein. Messbar heißt: alle für die Beantwortung der Hypothesen benötigten Informationen müssen als Daten vorliegen oder müssen erhoben werden können.

Nur mit einer so klaren Fragestellung und den daraus sich ergebenden präzisen Hypothesen können die Studierenden die nächsten Schritte gehen und verlieren sich nicht in unnötigen oder unmöglichen Datenanalysen.

2. Grundlegendes Verständnis eines Signifikanztests

Die Studierenden müssen verstehen, wie ein Signifikanztest funktioniert. Es muss ihnen klar sein, was eine Nullhypothese und was eine Alternativhypothese ist und wie das Ergebnis des Signifikanztests sich auf diese Hypothesen auswirkt. Sie müssen die Bedeutung der statistischen Signifikanz verstehen und wissen, was das Signifikanzniveau und was die Teststärke sind und wie diese Elemente gemeinsam mit der Fallzahl und der Stärke des Effekts in Wechselwirkung stehen:

  • Um einen kleinen Effekt als signifikant nachzuweisen, benötigt man eine große Fallzahl.
  • Einen großen Effekt kann man auch mit kleiner Fallzahl als signifikant nachweisen.

Dadurch wird es ihnen möglich, das Ergebnis eines Signifikanztests richtig zu interpretieren und richtig in ihr Forschungsergebnis einzuordnen.

3. Bedeutung der Datenerhebung für die Datenqualität

Außerdem sollten die Anwender wissen, woher die Daten kommen und wie sie erhoben wurden. Zudem brauchen sie ein Bewusstsein dafür, wie die Art der Datenerhebung die Datenqualität und damit das Ergebnis der Forschung beeinflusst.

Hier sollten Themen angesprochen werden wie:

  • Grundgesamtheit und Stichprobe,
  • Art der Stichprobenziehung (zufällig, geschichtet, Cluster…),
  • Validität und Reliabilität des Erhebungsinstruments und
  • Erstellung eigener Erhebungsinstrumente (z.B. Fragebogen).

Mit dem Bewusstsein für die Wichtigkeit dieser Themen werden die Forschenden mehr Sorgfalt bei der Wahl sowohl der Stichprobe als auch der Erhebungsinstrumente walten lassen. Und selbst wenn keine optimalen Bedingungen (keine Repräsentativität, keine validierten Fragebögen) bestehen, werden sie ihre Ergebnisse vor diesem Hintergrund richtig einordnen und diskutieren können.

4. Variablentypen kennen und Unabhängigkeit verstehen

Ganz einfach und greifbar lässt sich vermitteln, dass es verschiedene Variablentypen gibt und dass die Kenntnis des Variablentyps wichtig für die Auswahl der passenden statistischen Verfahren ist. Meist reicht es, wenn man zwischen den Messniveaus metrisch, ordinal und nominal unterscheidet. Es sollte zudem noch angesprochen werden, dass es Grenzfälle gibt wie Likert-Items oder Besonderheiten wie Überlebenszeiten.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der häufig unter den Tisch fällt, ist die von den meisten statistischen Methoden vorausgesetzte Unabhängigkeit der Messungen. Es wird in den meisten Analysemethoden davon ausgegangen, dass die einzelnen untersuchten Fälle (z.B. Probanden) voneinander unabhängig sind. Diese Annahme kann nicht bestehen, wenn es sich um hierarchische Daten handelt, z.B. Messungen an Schülern sowohl aus der gleichen Klasse als auch aus unterschiedlichen Klassen. Dann sind sich die Schüler aus der gleichen Klasse ähnlicher als die aus verschiedenen Klassen und dies führt zu teilweise verbundenen Daten. Solche Daten benötigen besondere Analysemethoden wie z.B. lineare gemischte Modelle.

Komplett verbundene Datensätze, wie z.B. eine Messwiederholung über die Zeit, ist auch mit klassischen Analysemethoden gut umsetzbar und stellt kein Problem dar. Hier muss nur darauf geachtet werden, dass die passende Methode für verbundene Daten ausgewählt wird.

5. Auf Voraussetzungen achten

Natürlich braucht kein Anwender alle statistischen Methoden mit allen zugehörigen Voraussetzungen komplett zu kennen. Ein Einsteiger sollte aber wissen, dass die meisten Signifikanztests und statistischen Modelle bestimmte Voraussetzungen an die Daten stellen und dass diese vom Anwender geprüft werden müssen.

Zum Einstieg kann man dafür zum Beispiel auf die Normalverteilung und deren Überprüfung eingehen, da diese bei zahlreichen statistischen Methoden zu untersuchen ist.

Ziel ist, dass die Anwender dafür sensibilisiert werden bei der Durchführung der Statistik auf die Prüfung und Einhaltung der jeweiligen Voraussetzungen zu achten.

6. Statistiksoftware kennen

Um die Analyse selbst rechnen zu können, müssen die Studierenden eine Statistiksoftware benutzen. Es gibt verschiedene Software mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen hinsichtlich Benutzerfreundlichkeit, Kosten, Zugänglichkeit und Funktionen.

Wichtig ist, dass den Studierenden klar ist, dass sie eine Statistiksoftware benötigen. Um Zeit während der eigentlichen Auswertung zu sparen und Fehler zu vermeiden, lohnt es sich, sich schon vorab mit der Software in den Grundzügen vertraut zu machen.

Fazit

Wenn Sie es schaffen, Ihren Studierenden diese sechs Punkte zu vermitteln, bereiten Sie sie gut auf den Einstieg in das quantitative Forschen vor. Das erste quantitative Projekt Ihrer Studierenden wird ihnen leichtfallen und sie werden dieses Wissen für alle weiteren Projekte nutzen, dort erweitern und vertiefen.

Wenn Sie selbst oder Ihre Studierenden Ihr Statistikwissen vertiefen wollen und sich eine große Portion Motivation und Fokus für Ihr Projekt holen möchten, dann machen Sie mit bei der gratis, online Statistik-Challenge von 11. bis 13. Mai 2020. Anmeldung hier möglich: https://statistik-und-beratung.de/statistik-challenge/

Daniela Keller, Statistikexpertin

Einen früheren Gastbeitrag von Daniela Keller finden Sie hier: Statistische Irrtümer vermeiden

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Reinicke: Kurz und knack

Reinicke, Katja (2019): Wissenschaftlich schreiben und denken. Tübingen: narr STARTER.

10,90 Euro

Inhaltsübersicht

1. Schreiben kannst du

2. Denken in Fragen

3. Frei schreiben

4. Den Fokus finden

5. Bleib pragmatisch

6. Wissenschaft bedeutet Teamgeist

7. Ohne Formalia ist alles nichts

Reinicke: Kurz und knack

Ein Wagnis, auf nur 92 Seiten den Einstieg ins wissenschaftliche Schreiben vermitteln zu wollen, oder? Daher machten sich bei mir schon ein paar Bedenken breit, als ich das Buch in die Hand nahm. Positive Vorurteile hatte ich allerdings auch:

  • Das Buch stammt von einer Autorin, deren Buch „Fürchte Dich nicht – schreibe!“ ich sehr schätze (zur Rezension).
  • Der Titel lässt durch den Zusatz „Wissenschaftliches schreiben und denken“ bereits erahnen, dass der Schwerpunkt auf dem Prozess des Anfertigens einer wissenschaftlichen Arbeit liegt und nicht auf Formalia.
  • Die Reihenfolge der Kapitel sowie deren Überschriften bestätigen diesen Eindruck.

Ermutigend

Katja Reinicke ist Autorin, Dozentin und Schreibberaterin, für die das wissenschaftliche Schreiben ein „lebendiges Sich-Entfalten von Gedanken und Ideen“ ist (Klappentext). In diesem Geist und mit einer ermutigenden Haltung behandelt sie die wichtigsten Methoden für Studierende, damit diese ihre Schreibkompetenzen aufbauen und weiterentwickeln können.

Das Ziel: selbstbewusst und effizient ins wissenschaftliche Schreiben starten. Wie bei „Fürchte Dich nicht – schreibe!“ hat mir die bildhafte Sprache sehr gut gefallen, durch die die Inhalte nicht sachlich-trocken daherkommen, sondern emotional ansprechend sind. Da wird glaubhaft Zuversicht versprüht!

Und außerdem…

Hervorragend finde ich die Ausführlichkeit der Hinweise auf Hilfsangebote beim Schreiben wie beispielsweise Sprechstunden der Dozierenden oder Kurse und Beratung im Schreibzentrum. Durch die relativ lange Beschreibung werden diese den Studierenden regelrecht schmackhaft gemacht.

Am schwächsten kommt für mich Kapitel 7 daher. Es macht den Eindruck eines Sammelbeckens. Die Unterkapitel passen teilweise nicht recht unter die Überschrift „Formalia“ – denn was haben Exzerpieren oder Software da zu suchen? Das Kapitel (und damit das Buch) endet abrupt, was angesichts des Beziehungsaufbaus zu Beginn schade ist. Daher nur verdient das Buch die Überschrift „kurz und knack“: Die letzte Silbe ist unterwegs abhandengekommen, der Teil davor ist mehr als gelungen.

Welchen Studierenden kann man das Buch empfehlen?

Vor allem Studierende in den ersten Semestern werden von diesem Buch profitieren. Wer noch gar keine Ahnung vom wissenschaftlichen Schreiben hat, findet hier einen gut zugänglichen und verständlichen Ratgeber. Viele werden wahrscheinlich davon überrascht sein, dass das Gelingen als möglich und wahrscheinlich dargestellt und nicht durch Aussagen der Art „Sie müssen unbedingt…“ und „Ohne… geht es auf keinen Fall!“ demotivierend in die Ferne gerückt wird.

Was bringt das Buch für den Einsatz in der Lehre?

Sie können das Buch Ihren Studierenden empfehlen – insbesondere wenn diese den Einstieg einfach nicht schaffen. Im Anschluss lassen sich immer noch mit weiteren Literaturtipps nachlegen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Studierenden nach der Lektüre von innen heraus motiviert sind, sich selbst kundig zu machen und einen weiteren Ratgeber zu Rate ziehen, um das wissenschaftliche Schreiben für sich zu entdecken und um z. B. mit der Heldenmethode von Katja Reinicke weiterzuarbeiten.

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Wissenschaftliches Arbeiten mit Herz

Auf meiner Visitenkarte steht geschrieben: „Wissenschaftliches Arbeiten mit Herz“. Wenn ich die Karte überreiche, sehe ich mein Gegenüber meist lesen und dann – lächeln. Die häufigste Reaktion lautet: „Oh, wie schön!“ Und das Lächeln bleibt noch eine Weile im Gesicht.

Seltsamerweise fragt mich niemand, was das eigentlich bedeuten soll, dieses wissenschaftliche Arbeiten mit Herz. Unausgesprochen scheint klar zu sein, dass das etwas sehr Sinnvolles und auch Wünschenswertes sein muss. Etwas, das es nicht so oft gibt in der aktuellen Hochschullandschaft.

Was soll das nun also heißen?

Eins steht zunächst einmal fest: Wissenschaftliches Arbeiten ist mehr als nur korrektes Zitieren. Das hat sich mittlerweile erfreulich weit herumgesprochen. Viele Lehrende unterschreiben diesen Satz, während andere zwar zustimmen, jedoch nur um unmittelbar danach zu ergänzen, dass ja wohl auch die Seitenränder und der korrekte Zeilenabstand dazugehören.

So meine ich das offensichtlich nicht. Tatsächlich meine ich zunächst einmal, dass neben der Form des zu verfassenden Texts auch die Sprache und natürlich inhaltliche Aspekte Gegenstand der Lehrveranstaltung zum wissenschaftlichen Arbeiten sein sollten. (Lehrpersonen, die wissenschaftliches Arbeiten nicht in ihrem Fach lehren, können inhaltlich selbstverständlich nicht in die Tiefe gehen. Dennoch wissen sie, wie argumentiert wird, und können das vermitteln.) Das alles ist gewissermaßen das Produkt des Schreibens.

Gehen wir einen Schritt weiter: vom Produkt zum Prozess.

Meine Überzeugung ist: Um dem Schreiben dieses Produkts gerecht zu werden, sollte auch der Prozess gebührend betrachtet und vor allem von den Studierenden im Rahmen der Lehrveranstaltung auch erlebt werden. Sie sollen handelnd erleben, was wissenschaftliches Arbeiten ist und wie sie den Prozess individuell gestalten können, und ja, auch gestalten dürfen.

Weit und breit noch kein Herz zu sehen, meinen Sie?

Dann lassen Sie uns doch einmal einen Blick auf die Dozierenden werfen.

Eine Lehrperson, die nicht nur die korrekte Form einer wissenschaftlichen Arbeit lehrt, sondern auch Sprache und inhaltliche Aspekte und darüber hinaus noch den Schreibprozess in die Lehrveranstaltung integriert, kann das auf die eine oder andere Weise tun:

  • „Ohne Herz“ ist nach meinem Dafürhalten gleichzusetzen mit „streng, direktiv, festgefahren und unreflektiert“.
  • „Mit Herz“ ist gleichbedeutend mit „verständnisvoll, nicht direktiv, offen für Individualität, reflektiert“.

Sind die Adjektive hier als Gegensatzpaare zu verstehen? Ich denke nicht. Auch Lehren mit Herz kann streng und direktiv sein – allerdings braucht es dafür ein Gespür für die Situation. Dazu wiederum muss die Lehrperson zuhören und die richtigen Fragen stellen können. Manchen Lehrenden geht das komplett ab. Sie ziehen „ihren“ Stoff durch und übersehen dabei, dass sich doch die Studierenden etwas Neues zu eigen machen sollen (also die dargebotenen Inhalte zu ihrem eigenen Stoff machen sollen).

Ein Herz für Studierende

Der Wechsel zur psychologischen Ebene ist hier fließend, denn Themen wie Motivation und Prokrastination spielen beim wissenschaftlichen Arbeiten eine große Rolle. Wer als Lehrperson zuhört und gute Fragen stellt, landet über kurz oder lang bei diesen Themen. Es braucht „Herz“ im Sinne von Empathie, um diese Themen mehr als nur oberflächlich zu behandeln und adäquat auf die Fragen und Bedürfnisse der Studierenden zu reagieren.

Fragen Sie sich in diesem Zusammenhang doch einmal:

Kann ich nicht nur verstehen, sondern sogar akzeptieren,

  • dass der Studierende ein Problem beim wissenschaftlichen Arbeiten hat, das ich selbst noch nie hatte?
  • dass er es anders lösen will bzw. gelöst hat, als ich es lösen würde?

Oder aber:

  • Kann ich nachvollziehen, dass ein Studierender sein Problem noch nicht erkennt und dieses demnach auch nicht lösen möchte?

Und, wie oft haben Sie mit Ja geantwortet?

Was heißt „Wissenschaftliches Arbeiten mit Herz“ nicht?

Auf der Ebene der klassischen Lehrinhalte (Form, Sprache, inhaltliche Aspekte) soll „Wissenschaftliches Arbeiten mit Herz“ nicht bedeutend, dass die Lehrperson so verständnisvoll und offen ist, dass alles möglich ist. Es ist kein softes, orientierungsloses, planloses Herumreden. Es negiert nicht den Erfahrungsvorsprung der Lehrperson (andere würden sagen: die Hierarchie zwischen Lehrenden und Studierenden).

Auf der Ebene der prozessualen und psychologischen Lehrinhalte heißt es nicht „Wissenschaftliches Arbeiten mit Haut und Haaren“. Niemand muss sich komplett offenbaren und all seine Sorgen und Nöte preisgeben, die ihn vom wissenschaftlichen Arbeiten abhalten. Es gibt eine Grenze, die genau dort verläuft, wo die Themen nicht mehr angemessen in der Gruppe besprochen werden können. Das sind dann manchmal Fälle für Einzelgespräche und oft Fälle für den Hinweis auf die psychologische Beratung der Hochschule.

„Wissenschaftliches Arbeiten mit Herz“ heißt auch nicht „Einlullen und lobhudeln“. Es hilft niemandem weiter, wenn ich vor lauter Empathie nicht mehr Klartext über die Unzulänglichkeiten des Texts oder des Arbeitsprozesses reden kann. Auch mit Herz kann ich als Lehrperson einmal unbequem sein, die Samthandschuhe ausziehen und harte Fragen stellen. Ich muss es sogar, es ist mein Job.

Weiterführende Artikel

Ich weiß, was Sie nächsten November tun (2019) – das Eisbergmodell mit den verschiedenen Schichten beim Lehren des wissenschaftlichen Arbeitens

Lehrphilosophie (2017)

Manifest (2016)

Nicht Sie sind das Problem (2016)

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Alles normal beim Zitieren?

Wer an mehreren Lehrstühlen, Fakultäten oder Hochschulen wissenschaftliches Arbeiten lehrt, kennt das: Es gibt unterschiedliche Vorgaben für die wissenschaftlichen Arbeiten und damit in den meisten Fällen auch unterschiedliche zu verwendende Zitierstile. Kein großes Problem, denn als Lehrperson kann man sich ja gut darauf einstellen. Ein wenig stört mich nur, dass es durch diesen Umstand manchmal aussieht, als ob ich auf einfache Fragen keine Antworte wüsste. Denn um den Studierenden nichts Falsches zu sagen, schlage ich im Zweifelsfall schnell im jeweiligen Leitfaden nach. Nebenbei erkläre ich, warum ich das tue. Dennoch komme ich mir in dem Moment ein wenig inkompetent vor – aber eben nur, weil ich vermute, dass die Studierenden denken, dass das doch eigentlich eine einfache Frage für jemanden wie mich sein sollte.

Von den Studierenden kommt mitunter an genau so einem Punkt eine ganz bestimmte Frage. Manchmal entsteht sie auch, wenn ich erwähne, dass Tausende von Zitierstilen existieren. Zur Einordnung: Citavi, einer der führenden Anbieter von Literaturverwaltungssoftware hält derzeit 11.000 Stile zur Verfügung (Stand Februar 2020).

Die Frage, die ich meine, haben Sie bestimmt auch schon gehört:

Warum nutzen nicht eigentlich alle einen einheitlichen Standard? Wieso kann man das nicht vereinheitlichen?

Speziell in Deutschland stellt sich noch eine weitere Frage:

Wieso orientieren wir uns nicht an einer DIN-Norm wie der deutschsprachigen Norm ISO 690?

Die Kurzantwort lautet: 1) aufgrund der Unverbindlichkeit der Norm und 2) aufgrund handwerklicher Fehler.

In diesem lesenswerten Artikel, der wiederum weiterführende Links enthält, ist die Antwort ausführlich recherchiert: https://www.citavi.com/de/nuetzliche-irrtuemer/artikel/normgerecht-zitieren

In all den Jahren, in denen ich wissenschaftliches Arbeiten lehre, ist mir übrigens nur einmal die konkrete Frage nach der DIN-Norm gestellt worden. Die DIN-Norm ist meines Erachtens weitgehend unbekannt, und das nicht nur bei Studierenden, sondern auch bei Lehrenden.

Welche Rolle spielt die DIN-Norm beim Zitieren dort, wo Sie tätig sind?

 

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From bad to better

Meinfelder, Florian und Rebekka Kluge (Hrsg.) (2019): Bad Science: Die dunkle Seite der Statistik. München: Vahlen.

29,80 Euro

Inhaltsübersicht

I Methodische Grundlagen (3 Beiträge)

II (K)eine Anleitung zum Mogeln (3 Beiträge)

III Wie man unter Zuhilfenahme statistischer Methoden Nonsens-Forschung einen wissenschaftlichen Anstrich verpasst (2 Beiträge)

IV Handfeste Konsequenzen in der wirklichen Welt (3 Beiträge)

 

From bad to better

Was ist Wissenschaft? Was ist Pseudo-Wissenschaft? Und was ist einfach nur schlechte Wissenschaft? Unter „Bad Science“ verstehen die Herausgeber des Sammelbandes laut Vorwort „schlampiges Vorgehen beim wissenschaftlichen Arbeiten“, aber auch einseitige Untersuchungen und gefälschte Ergebnisse. Der Fokus des Buches liegt klar auf Letzterem, wie schon der Untertitel „Die dunkle Seite der Statistik“ zeigt. Dahinter steckt der Gedanke, dass Menschen, die versiert mit Statistik umgehen können, diese nicht missbrauchen, sondern sie für gute Wissenschaft nutzen.

Als Herausgeber fungieren Dr. Florian Meinfelder von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und Rebekka Kluge, die am GESis Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften Mannheim promoviert. Bei den Autoren der Beiträge handelt es sich um ehemalige Master-Studierende der Universitäten Bamberg, Berlin und Trier, die im Sommersemester 2016 am Seminar „Survey Methodik“ teilgenommen hatten.

Wie ist das Buch aufgebaut?

Auf den ersten Blick findet man den klassischen Aufbau eines Sammelbands vor: Auf das Vorwort und die Einleitung der Herausgeber folgen nacheinander mehr oder minder aufeinander abgestimmte Beiträge, er schließt mit einem Nachwort der Herausgeber. Im vorliegenden Sammelband ergänzen sich jedoch die vier Teile – „Methodische Grundlagen“, „(K)eine Anleitung zum Mogeln“, „Wie man unter Zuhilfenahme statistischer Methoden Nonsens-Forschung einen wissenschaftlichen Anstrich verpasst“ und „Handfeste Konsequenzen in der wirklichen Welt“ – sehr gut. Zudem sind sie jeweils mit einem einführenden Zwischentext der Herausgeber verbunden. Das Buch wird zu einem angenehmen Mix aus Grundlagen und Anwendung, aus theoretischem Hintergrundwissen zur Statistik und der Beschreibung praktischer Auswirkungen in der echten Welt.

Was lernt man in dem Buch?

Im ersten Teil zu den methodischen Grundlagen geht es zunächst einmal um die Unzulänglichkeiten des p-Werts. Dieser Signifikanzwert ist als Standard derzeit noch nicht aus der Statistik wegzudenken; die als Alternative geltende Bayes-Statistik wird vergleichsweise selten eingesetzt bzw. ist in der einschlägigen Software noch nicht implementiert.

Das sogenannte p-Hacking (die Suche nach einer möglichst spektakulären und somit gut veröffentlichbaren signifikanten Aussage) und das HARKing (Hypothesizing after Results are known) werden anschaulich und an mehreren Beispielen in den folgenden Teilen dargestellt.

Und, leider, leider, lernt man in dem Buch auch, dass Schokolade doch nicht schlank macht (waaas?). Sie erinnern sich: Vor fast fünf Jahren, im März 2015, entstand ein ziemlicher Rummel um eine Studie, die angeblich zeigte, dass Schokolade beim Abnehmen hilft. Nach zwei Monaten erst klärten die Autoren auf, dass es sich um eine Fake-Studie gehandelt hatte, und mahnten so zu einer kritischeren Auseinandersetzung mit Studienergebnissen.

Welchen Studierenden kann man das Buch empfehlen?

Wer im Studium viel mit Statistik zu tun hat oder sich gar darauf spezialisiert hat, findet in dem vorliegenden Buch eine Zusammenstellung modernerer Ansätze, die so noch nicht in allen Lehrbüchern und noch viel weniger in Lehrunterlagen zu finden sind. Es wäre gut möglich, dass man nach der Lektüre auf einem aktuelleren Wissensstand angelangt ist als eine Lehrperson, die sich seit geraumer Zeit nicht mehr weitergebildet hat, „weil sich bei der Statistik eh nichts ändert“. Das ungläubige Staunen, dass sich da doch etwas tut, sollte man dann aushalten oder verargumentieren können.

Was bringt das Buch für den Einsatz in der Lehre?

Für Lehrende, die bisher nicht gerade tief in die Statistik eingetaucht sind, ist der Sammelband sicher keine gute Einstiegslektüre in das Gebiet. Ein wenig Vorbildung auf diesem Gebiet sollte man schon mitbringen, so etwa das Wissen darüber, was statistische Analysen im Gegensatz zu einer qualitativen Herangehensweise eigentlich leisten sollen und vor allem, was es mit dem Hypothesentesten und dem berühmten p-Wert auf sich hat. Dann macht die Lektüre Laune und es ist möglich, ausgewählte Beispiele zur Diskussion ins Seminar mitzunehmen – auf dass „Bad Science“ erkannt und in Zukunft immer mehr durch „Good Science“ ersetzt werde.

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

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Studentische Texte, die man gern liest

Wie gern würden Sie einmal Texte von Studierenden in den Händen halten, die Sie so richtig gut finden? Bei denen die Lektüre ein Genuss ist?

Das tun Sie andauernd? Prima, herzlichen Glückwunsch! Dann brauchen Sie hier eigentlich gar nicht mehr weiterlesen.

Oder handelt es sich dabei um seltene Glücksmomente, die nur auftreten, wenn Sie Ausnahmestudierende in Ihrem Kurs haben?

(Spoiler: Wahrscheinlich liegt es an Ihnen, wenn Sie „immer“ nur schlechte Texte erhalten. Dann lesen Sie jetzt bitte weiter, auch wenn Sie gerade vielleicht sauer auf mich sind.)

Nicht-Lernerfahrungen

Viel zu viele Studierende machen im Lauf ihres Studiums leider Lernerfahrungen, die ihnen beim Schreiben-Lernen nicht helfen oder aber die sie sogar regelrecht ausbremsen. Eigentlich sollte man diese Erfahrungen besser „Nicht-Lernerfahrungen“ oder „Lernverhinderungs-Erfahrungen“ nennen.

  • Oft erklärt ihnen niemand das Ziel ihres Schreibens („Warum soll ich das überhaupt schreiben? Und wie soll das aussehen?“)
  • Die Schreibaufgabe ist ungeeignet, weil sie suggeriert, man müsse ein Thema abschließend behandeln, anstatt eine wissenschaftliche Frage zu bearbeiten.
  • Feedback ist kein Teil des Lernprozesses.

Da wundert es mich wirklich nicht, wenn Studierende in solchen Settings gar nicht mehr daran glauben, dass sie das Schreiben lernen können.

Ausführlicher habe ich diese Situation, die dahinterliegenden psychologischen Prozesse und vor allem Lösungsmöglichkeiten in einem Gastartikel im Blog von Dr. Eva-Maria Lerche beschrieben.

Ideal wäre es selbstverständlich, wenn an den Hochschulen passende Rahmenbedingungen für studentisches Schreiben geschaffen würden. Das wäre einmal wirklich eine sinnvolle Unterstützung beim Aufbau von Schreibkompetenz. Diese Anpassung der Rahmenbedingungen dauert allerdings ihre Zeit – wenn sie überhaupt Realität wird, wie die zähe Diskussion über die Verstetigung der QPL-Stellen zeigt.

Richten wir also lieber den Blick zunächst auf direkt anwendbare Ansätze für Sie – für Fachlehrende und Lehrende im wissenschaftlichen Arbeiten.

Als Lehrende können Sie darauf hinwirken, dass Studierende ihre Schreibschwierigkeiten bzw. den Umstand, dass es beim Schreiben nicht so geklappt hat, wie es sollte, als ein temporäres Problem, das auch nicht ihre Person in Gänze betrifft, empfinden. Was meine ich damit? Vermitteln Sie Erfolg bzw. Misserfolg als etwas, das zu weiten Teilen von der eigenen Anstrengung abhängt und nicht von festen Eigenschaften.

Zum Weiterlesen: „Nein, der ist nicht faul“ und „Nein, die ist nicht klug“

Das erfordert auf jeden Fall ein Umdenken, und das geht selten von heute auf morgen.

Ok, Sie wollen wissen, was Sie jetzt konkret tun können?

Et voilà! Hier kommen meine Vorschläge für Ihre ersten Schritte.

Erste Schritte für Lehrende in curricularen Veranstaltungen „Wissenschaftliches Arbeiten“

  • Integrieren Sie die Prozesse des Schreibens, Überarbeitens und Feedbackgebens bzw. -nehmens in die Lehre. Lassen Sie die Studierenden den Nutzen von sinnvoller Schreibsteuerung erleben, so dass sie für ihre individuellen Schreibsessions davon profitieren.
  • Kooperieren Sie mit den Fachlehrenden, tauschen Sie sich (am besten regelmäßig) mit ihnen aus.
  • Holen Sie sich Anregungen in einschlägigen Blogs ?

Erste Schritte zu schreibförderlicher Lehre für Fachlehrende

  • Informieren Sie sich über das sogenannte „Schreiben in der Lehre“, um eine Vorstellung davon zu entwickeln, wie Sie kleinere Schreibaufgaben in Ihre Veranstaltung integrieren. (Literaturtipp)
  • Vergeben Sie vor allem anfangs konkrete Schreibaufträge. Lassen Sie (ruhig auch kürzere) Texte schreiben, die auf konkreten Fragen Ihres Fachs beruhen.
  • Wenn Sie mit einer klassischen Themenvergabe arbeiten (müssen), leiten Sie die Studierenden dabei an, wie sie sich das Thema zu eigen machen, es eingrenzen und ihre Fragestellung bzw. Forschungsfragen entwickeln. Studierende brauchen vor allem bei ihrer ersten Arbeit erfahrungsgemäß Unterstützung bei diesem Prozess. Im Studienverlauf können Sie diese Hilfe immer mehr reduzieren.
  • Integrieren Sie kleine Feedback-Übungen zu studentischen Texten in Ihre Veranstaltungen.
  • Machen Sie Ihre Anforderungen an studentische Arbeiten transparent: Wie begutachten Sie? Worauf kommt es Ihnen an?
  • Weitere Anregungen für schreibförderliche Lehre finden Sie im Positionspapier der Gesellschaft für Schreibdidaktik und Schreibforschung (gefsus).

 

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Beautiful questions

Brauchen Sie eine alternative Lehrmethode für „die Basics“ der Lehrveranstaltung Wissenschaftliches Arbeiten? Für die Dinge, die Sie den Studierenden einfach immer erst einmal erklären müssen, bevor Sie tiefer einsteigen wollen?

In diesem Artikel möchte ich Ihnen eine Methode an die Hand geben, mit der Sie solche grundlegenden Inhalte auf eine gewinnbringendere Art behandeln können. Denn mal ehrlich: Oft nehmen die Studierenden diese doch gar nicht richtig auf, wenn Sie Ihre Folien durchgehen. Später im Semester, wenn Sie darauf zurückgreifen wollen, ist nichts da. Vielleicht war es nie da. Vielleicht haben die Studierenden die Inhalte auch einfach an sich vorüberziehen lassen.

Ich halte es in den meisten Fällen für zielführender, wenn die Studierenden sich auch (oder gerade) solche Inhalte aktiv erarbeiten. Das bringt mehrere Vorteile mit sich, die ich am Ende des Artikels resümiere.

Ok, Ärmel hochkrempeln und los geht’s.

Die Methode der „Beautiful questions“

Nehmen wir einmal die Kriterien von Wissenschaftlichkeit als Beispiel. Diese werden typischerweise eher zu Beginn der Lehrveranstaltung thematisiert. Ich meine so etwas wie akademische Redlichkeit, Nachvollziehbarkeit usw. Der entsprechende Lehrvortrag ließe sich unterschiedlich lang ausgestalten. Wenn Sie kurz und knackig einfach nur einen ersten Überblick geben wollen, sind Sie nach wenigen Minuten fertig. Sie könnten auch eine komplette Einheit zu diesem Thema monologisieren. Aber, das Problem: siehe oben. Wer erinnert sich dann Wochen später noch daran?

Den Ausdruck „Beautiful questions“ habe ich übrigens in Swantje Lahms „Schreiben für die Lehre“ (2016 bei UTB) kennengelernt. Dort wird er nach Ken Bain (2004) ebenfalls für Fragen verwendet, die zum Denken anregen. Allerdings stellen dort die Lehrenden die Fragen.

Wie Sie vorgehen

Pro Kriterium von Wissenschaftlichkeit benötigen Sie ein Kärtchen, auf dem auf der Vorderseite das Kriterium nur genannt („Akademische Redlichkeit“) und auf der Rückseite in ein bis zwei Sätzen erläutert wird. Es bietet sich an, die Kärtchen zu laminieren, wenn Sie sie mehrfach einsetzen möchten.

Die Studierenden bilden Gruppen von nicht mehr als 5 Personen. Bei sehr großen Kursen vergeben Sie einfach jede Karte doppelt.

Als Arbeitsauftrag erhalten die Studierenden zum Beispiel das:

Die Erarbeitungsphase dauert etwa 15 Minuten.

Für die anschließende Plenumsphase sollten Sie mindestens 60 Minuten einplanen. Danach ist sicher eine Pause nötig, denn die Aktivität ist doch anstrengend bzw. für einige auch ermüdend. Schließlich muss sehr viel neuer Inhalt aufgenommen und mental einsortiert werden. Das Hin und Her in der Diskussion benötigt ein gewisses Maß an geistiger Flexibilität.

Kärtchen für Kärtchen (die Reihenfolge ist dabei egal) stellen die Gruppen ihr Kriterium vor und richten ihre „most beautiful question“ an das Plenum. Die Gruppe selbst moderiert die Diskussion. Sie als Lehrperson tragen Ihre reiche Erfahrung zur Diskussion bei.

Wie Sie die Ergebnisse sichern können

Ermuntern Sie die Studierenden zum Mitschreiben.

Sammeln Sie nach Ende der Diskussion die „Beautiful questions“ aller Gruppen ein bzw. lassen Sie sie sich zusenden und geben Sie an den Kurs zurück (über die Campus-Plattform oder per E-Mail).

Stellen Sie den Studierenden eine Übersicht aller Kriterien von Wissenschaftlichkeit zur Verfügung, also eine Zusammenfassung aller Kärtchen entweder als eine Folie in Ihrem Foliensatz oder als nachträgliches Handout.

Was bringt‘s?

Die Vorteile der „Beautiful questions“ in der Lehrveranstaltung Wissenschaftliches Arbeiten:

  • Die Studierenden sind aktiver und erinnern sich besser an die Inhalte.
  • Die Studierenden erleben das Fragen als wichtiges Element des wissenschaftlichen Arbeitens.
  • Die Studierenden erleben, dass sie wortwörtlich in Frage stellen dürfen, was eine Lehrperson sagt oder schreibt. Widerspruch ist erlaubt und sogar ausdrücklich erwünscht.
  • Sie als Lehrperson erfahren viel über den Wissenstand und die Denkweise der einzelnen Studierenden.
  • Sie verfügen nach der Einheit über eine ordentliche Anzahl an Fragen, die Sie im Verlauf des Kurses einsetzen können, wenn Sie zu verwandten Themen kommen.
  • In nachfolgenden Kursen können Sie gezielt die eine oder andere Frage für ein Freewriting, eine Diskussion, ein Seminarpaper verwenden.

Der große Nachteil:

  • Es dauert sehr viel länger, die Kriterien von Wissenschaftlichkeit so zu erarbeiten, als sie einfach nur vorzutragen und zu erläutern.

Die gute Nachricht: Die Zeit holen Sie später wieder rein. Sie haben einen reichen Fundus an Diskussionsansätzen und -äußerungen, auf die Sie im Verlauf der Veranstaltung zurückgreifen können – sei es als Einstieg in ein Unterthema oder als Verweis auf bereits Besprochenes.

Probieren Sie es einfach aus!

 

 

Was mich wirklich wütend macht

Wissen Sie, was mich wirklich wütend macht?

Wenn Leute ihren Job nicht erledigen.

Wenn die Müllabfuhr die Hälfte der Tonnen nicht leert.

Wenn im Krankenhaus nur bei jedem dritten Fall ordentlich diagnostiziert wird.

Wenn, ja wenn, Studierende ihre Arbeiten unbetreut schreiben müssen, obwohl sie eine Betreuungsperson ausgewählt oder zugeteilt bekommen haben. Wenn Studierende ihre Arbeiten unbetreut schreiben müssen, obwohl der Prozess ausdrücklich bestimmte Betreuungsschritte vorsieht.

Dass Teile der Professorenschaft die Lehre kaum als Element ihrer Tätigkeitsbeschreibung akzeptieren kann – geschenkt. Ein Fehler im System.

Dass die Betreuung von Studierenden bei deren Abschlussarbeiten dann an das WiMi-Team ausgelagert wird – geschenkt. (Wahrscheinlich ist das sogar ein guter Weg. So können die Professoren in dieser Zeit forschen, und der Nachwuchs lernt bei der Betreuung des Nachwuchs-Nachwuchses viel über Betreuung und über die eigene Arbeit.)

Dass aber Lehrende an jenen Hochschulen, die nicht intensiv forschen und mehr Zeit für Lehre vorsehen, „trotzdem“ schlecht betreuen – das macht mich wütend.

Sprachlosigkeit: E-Mails ohne Antwort, persönliche Treffen Fehlanzeige

Immer wieder bekomme ich berichtet, dass viele Studierenden erst nach langer Zeit eine Antwort auf eine E-Mail an ihre Betreuungsperson bekommen. Solche Antworten sind leider oft kurz und knapp, ziemlich nichtssagend und irgendwie auch gleichgültig. Und doch sind es immerhin Antworten. Viele Studierenden erhalten überhaupt keine. Sie schreiben eine E-Mail und warten, und haken nach und warten, und fragen noch einmal und – resignieren.

Woher ich das alles weiß?

Ich bekomme es mit, wenn wir beispielsweise in Workshops kurz vor der Abschlussarbeit über die Betreuung der bisherigen Arbeiten sprechen. Oder wenn ich im Feedbackgespräch von „meinen“ Studierenden erfahre, wie dankbar sie mir sind. Denn sie haben mitbekommen, dass ihre Mitstudierenden keine Ansprechperson hatten, die den Namen verdient. Denn sie ließ sich nicht wirklich ansprechen. An mögliche persönliche Treffen zum Gedankenaustausch wage ich da gar nicht mehr zu denken.

Zum Glück spreche ich auch immer wieder mit Menschen, denen eine gute Betreuung studentischer Arbeiten wichtig ist. Sonst hätte ich schon längst den Glauben an unsere Zunft verloren.

Nicht einmal Mindestlohn

Aus Sicht von angestellten Lehrenden kann man einwenden, dass die Betreuung „on top“ zu allen anderen Aufgaben hinzukommt. Aber diesen Gedanken halte ich schon für falsch, denn die Betreuung IST de facto eine Aufgabe wie Lehre (im Sinn von Vorlesung halten), Forschung oder Verwaltung. Sie ist Teil der Lehre.

Aus Sicht von Lehrbeauftragten kann man einwenden, dass die Betreuung von Abschlussarbeiten wirklich miserabel vergütet wird. Wenn Sie all die Stunden zusammenrechnen, die für Betreuungsgespräche und Begutachtung und – bloß das nicht auch noch! – Feedback nach Abschluss des Prüfungsverfahrens anfallen, dann kommen Sie nicht einmal beim Mindestlohn heraus.

Wieso übernehme ich die Betreuung?

Eigentlich darf ich mir das nicht erlauben. Es ist zu zeitintensiv.

Ich rationalisiere das folgendermaßen:

Es ist eine Zeitspende.

Ich mache es gern, weil ich gern bei der Entwicklung von Menschen und Ideen helfe.

Ich lerne selbst dazu, wenn ich mich auf immer neue Menschen und Ideen einlasse.

Eine Frage: Wieso übernehmen Sie die Betreuung?

Wieso übernimmt jemand eine Aufgabe, von der er von vorneherein weiß, dass er sie nicht ausfüllen möchte? Nimmt er die Deputatsreduktion bzw. das Geld einfach mit? (Spoiler: So viel ist es auch wieder nicht, dass das lohnt.) Ist es das Prestige? – „Ich habe dieses Semester wieder x Abschlussarbeiten betreut!“

Ganz ehrlich: Lasst es doch einfach bleiben.

Sagt den Hochschulen ab. Lasst sie wissen, dass ihr für die paar Kröten keinen Finger krumm macht.

 

Ich habe keine Lust mehr, eine solche Arbeitsweise von Kollegen zu verteidigen.

Anfangs habe ich es noch versucht mit Aussagen wie „Sie hat sicher viel um die Ohren und meldet sich bestimmt bald“ oder Fragen wie „Wie wäre es, wenn Sie zunächst einmal probieren, das Problem eigenständig zu lösen?“. Daraufhin geht es meist erst richtig los und ich erfahre, was die Studierenden bis zu diesem Zeitpunkt schon alles versucht haben.

Mir reicht es. Ich werde das gegenüber den Studierenden als das benennen, was es ist: Arbeitsverweigerung.

Wenn Sie sich getroffen fühlen, melden Sie sich am besten von meinen Newsletter ab und hören auf, den Blog zu lesen.

Wenn Sie hinter allen „Ja, abers“, die Sie vielleicht gerade noch im Kopf haben, einen Hauch einer Andeutung von „Vielleicht gibt es ja doch einen Weg“ verspüren, dann bleiben Sie bitte hier. Schauen Sie sich um und machen sich damit vertraut, wie eine Betreuung ablaufen kann, die ihren Namen verdient hat.