Weber: Viel mehr als Emergency Remote Teaching

Weber, Daniela (2020): E-Learning für Dummies. Weinheim: Wiley-VCH.

17,00 Euro

Inhaltsübersicht:

Teil I Was ist überhaupt dieses „E-Learning“?

  • Das neue Umfeld: Wissenskultur
  • Der lernende Mensch: Kleine Begriffskunde
  • Bewährte und innovative E-Learning-Ansätze
  • Anwendungsbeispiele und ein Blick in die Zukunft

Teil II Strategisches und didaktisches Vorwissen

  • Welche Ziele können verfolgt werden?
  • Welche Wege für welche Ziele?
  • Rahmen und Rollen von E-Learning

Teil III Das operative Geschäft: Von virtuellen Orten und Tools

  • Wo findet E-Learning statt?
  • Welche Instrumente kommen zum Einsatz?
  • Woher kommt Ihr Material?

Teil IV E-Learning-Angebote konzeptionieren

  • Rahmenbedingungen und Grenzen kennen
  • Phasen der E-Learning-Planung
  • Das E-Learning-Projekt starten und evaluieren

Teil V Der Top-Ten-Teil

  • Zehn Messen und Kongresse, zu denen Sie gehen können
  • In zehn Schritten mit Camtasia zu Lehrvideos
  • Zehn Quiz-Formate, die Sie nutzen können

Das ausführliche Inhaltsverzeichnis sowie Auszüge aus dem Text finden Sie in der Schnellhilfe.

Weber: Viel mehr als Emergency Remote Teaching

Sind Sie in den vergangenen Wochen und Monaten hinsichtlich der Online-Lehre auf den Geschmack gekommen? Jetzt möchten Sie sich noch weiter mit dem Thema befassen und sich dabei nicht mehr nur von einer Linksammlung zur nächsten klicken? Daniela Webers Buch „E-Learning“ aus der „Für-Dummies“-Reihe bietet für diesen Zweck eine hervorragende Mischung aus Überblick und Ansatzpunkten für den tieferen Einstieg.

Die Autorin ist als Gründungsberaterin und Wissenschaftscoach tätig. Sie hilft Hochschulen und Unternehmen bei der Entwicklung und Einführung von E-Learning-Projekten. Ihr Buch „Die erfolgreiche Abschlussarbeit für Dummies“ ist bereits in der 3. Auflage erschienen.

Wie ist das Buch aufgebaut?

Die Inhalte zu Beginn des Buches sind eher allgemeiner Natur und werden dann immer spezifischer. Im ersten Teil wird der Boden bereitet für alles, was danach kommt. Er ist eine Annäherung an das Phänomen „E-Learning“ und eine erste Darstellung, wie Menschen derzeit lernen und in Zukunft vermutlich lernen werden.

Der zweite Teil ist dem strategischen und didaktischen Vorwissen gewidmet. Hier umreißt die Autorin, welche unterschiedlichen Lernszenarien es geben könnte (beispielsweise offen oder prüfungsbezogen; individuell oder in Massenkursen) und wie jeweils die Ziele erreicht werden könnten.

Ganz praktisch ausgerichtet ist Teil 3, in dem es um die virtuellen Orte und Tools geht, derer man sich bedienen kann.

Im vierten Teil erfahren Sie, wie Sie in einem Konzept für ein E-Learning-Angebot die einzelnen Bausteine zusammenfügen.

Der abschließende fünfte Teil, der so genannte Top-Ten-Teil, bietet in drei Kapiteln kurze und übersichtliche Informationen zu einschlägigen Messen und Kongresse, zur Erstellung von Lehrvideos mit Camtasia und zu Quiz-Formaten.

Das Buch enthält einige Abbildungen (vor allem Screenshots) und Tabellen, die wesentliche Informationen übersichtlich aufbereiten. Zudem sind die Eckpunkte auf der sogenannten „Schummelseite“ in sehr verdichteter Form nochmals zusammengefasst – der Inhalt des Buches in Listenform auf einer Doppelseite. Am Ende des Buches findet sich das bei diesem Thema sehr wichtige Abkürzungsverzeichnis (nun weiß dann auch ich, dass es sich bei „Moodle“ und „Ilias“ um Abkürzungen handelt…). Mit dem Stichwortverzeichnis lässt es sich schnell durch das Buch navigieren.

Systematisch und kenntnisreich

Auf eine gute verständliche, bisweilen recht humorvolle Art wurde hier Wissen über E-Learning aufbereitet. Ein schöner Zufall aus meiner Sicht ist es natürlich, dass sich einzelne Beispiele auf das wissenschaftliche Arbeiten beziehen.

Daniela Weber schreibt aus der Außensicht – also mit der Perspektive einer Person, die nicht angestellt an einer Hochschule arbeitet oder (wie so viele derzeit) mal eben für einen einzelnen Lehrauftrag ihre Präsenzlehre auf Online-Lehre umstellt. Das Erscheinen des Buches in Zeiten von „Emergency Remote Teaching“ weckt vielleicht falsche Erwartungen, aber wer will das vorhersehen?

Ein gewisses Interesse an einem nachhaltigen und umfassenden Aufbau von Online-Lehre schadet also nicht, wenn Sie von „E-Learning für Dummies“ profitieren möchten. Sie werden erfahren, welche Infrastruktur nötig ist und welche wirtschaftlichen Überlegungen angestellt werden sollten. Viele werden beim Lesen merken, was sie alles nicht wissen oder von allein nicht bedacht hätten (Hallo ZFU!).

Als sehr angenehm habe ich empfunden, dass das Buch sich nicht nur um Tools und Technik dreht, sondern auch um die wirklich wichtigen Aspekte des Lehrens, nämlich die Didaktik.

Welchen Studierenden kann man das Buch empfehlen?

Das Buch richtet sich nicht an Studierende.

Was bringt das Buch für den Einsatz in der Lehre?

Direkt in der Lehre werden Sie das Buch wohl eher nicht einsetzen. Es ist eine Begleitung auf dem Weg zur (erweiterten, professionellen) Online-Lehre.

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Reinicke: Kurz und knack

Reinicke, Katja (2019): Wissenschaftlich schreiben und denken. Tübingen: narr STARTER.

10,90 Euro

Inhaltsübersicht

1. Schreiben kannst du

2. Denken in Fragen

3. Frei schreiben

4. Den Fokus finden

5. Bleib pragmatisch

6. Wissenschaft bedeutet Teamgeist

7. Ohne Formalia ist alles nichts

Reinicke: Kurz und knack

Ein Wagnis, auf nur 92 Seiten den Einstieg ins wissenschaftliche Schreiben vermitteln zu wollen, oder? Daher machten sich bei mir schon ein paar Bedenken breit, als ich das Buch in die Hand nahm. Positive Vorurteile hatte ich allerdings auch:

  • Das Buch stammt von einer Autorin, deren Buch „Fürchte Dich nicht – schreibe!“ ich sehr schätze (zur Rezension).
  • Der Titel lässt durch den Zusatz „Wissenschaftliches schreiben und denken“ bereits erahnen, dass der Schwerpunkt auf dem Prozess des Anfertigens einer wissenschaftlichen Arbeit liegt und nicht auf Formalia.
  • Die Reihenfolge der Kapitel sowie deren Überschriften bestätigen diesen Eindruck.

Ermutigend

Katja Reinicke ist Autorin, Dozentin und Schreibberaterin, für die das wissenschaftliche Schreiben ein „lebendiges Sich-Entfalten von Gedanken und Ideen“ ist (Klappentext). In diesem Geist und mit einer ermutigenden Haltung behandelt sie die wichtigsten Methoden für Studierende, damit diese ihre Schreibkompetenzen aufbauen und weiterentwickeln können.

Das Ziel: selbstbewusst und effizient ins wissenschaftliche Schreiben starten. Wie bei „Fürchte Dich nicht – schreibe!“ hat mir die bildhafte Sprache sehr gut gefallen, durch die die Inhalte nicht sachlich-trocken daherkommen, sondern emotional ansprechend sind. Da wird glaubhaft Zuversicht versprüht!

Und außerdem…

Hervorragend finde ich die Ausführlichkeit der Hinweise auf Hilfsangebote beim Schreiben wie beispielsweise Sprechstunden der Dozierenden oder Kurse und Beratung im Schreibzentrum. Durch die relativ lange Beschreibung werden diese den Studierenden regelrecht schmackhaft gemacht.

Am schwächsten kommt für mich Kapitel 7 daher. Es macht den Eindruck eines Sammelbeckens. Die Unterkapitel passen teilweise nicht recht unter die Überschrift „Formalia“ – denn was haben Exzerpieren oder Software da zu suchen? Das Kapitel (und damit das Buch) endet abrupt, was angesichts des Beziehungsaufbaus zu Beginn schade ist. Daher nur verdient das Buch die Überschrift „kurz und knack“: Die letzte Silbe ist unterwegs abhandengekommen, der Teil davor ist mehr als gelungen.

Welchen Studierenden kann man das Buch empfehlen?

Vor allem Studierende in den ersten Semestern werden von diesem Buch profitieren. Wer noch gar keine Ahnung vom wissenschaftlichen Schreiben hat, findet hier einen gut zugänglichen und verständlichen Ratgeber. Viele werden wahrscheinlich davon überrascht sein, dass das Gelingen als möglich und wahrscheinlich dargestellt und nicht durch Aussagen der Art „Sie müssen unbedingt…“ und „Ohne… geht es auf keinen Fall!“ demotivierend in die Ferne gerückt wird.

Was bringt das Buch für den Einsatz in der Lehre?

Sie können das Buch Ihren Studierenden empfehlen – insbesondere wenn diese den Einstieg einfach nicht schaffen. Im Anschluss lassen sich immer noch mit weiteren Literaturtipps nachlegen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Studierenden nach der Lektüre von innen heraus motiviert sind, sich selbst kundig zu machen und einen weiteren Ratgeber zu Rate ziehen, um das wissenschaftliche Schreiben für sich zu entdecken und um z. B. mit der Heldenmethode von Katja Reinicke weiterzuarbeiten.

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

From bad to better

Meinfelder, Florian und Rebekka Kluge (Hrsg.) (2019): Bad Science: Die dunkle Seite der Statistik. München: Vahlen.

29,80 Euro

Inhaltsübersicht

I Methodische Grundlagen (3 Beiträge)

II (K)eine Anleitung zum Mogeln (3 Beiträge)

III Wie man unter Zuhilfenahme statistischer Methoden Nonsens-Forschung einen wissenschaftlichen Anstrich verpasst (2 Beiträge)

IV Handfeste Konsequenzen in der wirklichen Welt (3 Beiträge)

 

From bad to better

Was ist Wissenschaft? Was ist Pseudo-Wissenschaft? Und was ist einfach nur schlechte Wissenschaft? Unter „Bad Science“ verstehen die Herausgeber des Sammelbandes laut Vorwort „schlampiges Vorgehen beim wissenschaftlichen Arbeiten“, aber auch einseitige Untersuchungen und gefälschte Ergebnisse. Der Fokus des Buches liegt klar auf Letzterem, wie schon der Untertitel „Die dunkle Seite der Statistik“ zeigt. Dahinter steckt der Gedanke, dass Menschen, die versiert mit Statistik umgehen können, diese nicht missbrauchen, sondern sie für gute Wissenschaft nutzen.

Als Herausgeber fungieren Dr. Florian Meinfelder von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und Rebekka Kluge, die am GESis Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften Mannheim promoviert. Bei den Autoren der Beiträge handelt es sich um ehemalige Master-Studierende der Universitäten Bamberg, Berlin und Trier, die im Sommersemester 2016 am Seminar „Survey Methodik“ teilgenommen hatten.

Wie ist das Buch aufgebaut?

Auf den ersten Blick findet man den klassischen Aufbau eines Sammelbands vor: Auf das Vorwort und die Einleitung der Herausgeber folgen nacheinander mehr oder minder aufeinander abgestimmte Beiträge, er schließt mit einem Nachwort der Herausgeber. Im vorliegenden Sammelband ergänzen sich jedoch die vier Teile – „Methodische Grundlagen“, „(K)eine Anleitung zum Mogeln“, „Wie man unter Zuhilfenahme statistischer Methoden Nonsens-Forschung einen wissenschaftlichen Anstrich verpasst“ und „Handfeste Konsequenzen in der wirklichen Welt“ – sehr gut. Zudem sind sie jeweils mit einem einführenden Zwischentext der Herausgeber verbunden. Das Buch wird zu einem angenehmen Mix aus Grundlagen und Anwendung, aus theoretischem Hintergrundwissen zur Statistik und der Beschreibung praktischer Auswirkungen in der echten Welt.

Was lernt man in dem Buch?

Im ersten Teil zu den methodischen Grundlagen geht es zunächst einmal um die Unzulänglichkeiten des p-Werts. Dieser Signifikanzwert ist als Standard derzeit noch nicht aus der Statistik wegzudenken; die als Alternative geltende Bayes-Statistik wird vergleichsweise selten eingesetzt bzw. ist in der einschlägigen Software noch nicht implementiert.

Das sogenannte p-Hacking (die Suche nach einer möglichst spektakulären und somit gut veröffentlichbaren signifikanten Aussage) und das HARKing (Hypothesizing after Results are known) werden anschaulich und an mehreren Beispielen in den folgenden Teilen dargestellt.

Und, leider, leider, lernt man in dem Buch auch, dass Schokolade doch nicht schlank macht (waaas?). Sie erinnern sich: Vor fast fünf Jahren, im März 2015, entstand ein ziemlicher Rummel um eine Studie, die angeblich zeigte, dass Schokolade beim Abnehmen hilft. Nach zwei Monaten erst klärten die Autoren auf, dass es sich um eine Fake-Studie gehandelt hatte, und mahnten so zu einer kritischeren Auseinandersetzung mit Studienergebnissen.

Welchen Studierenden kann man das Buch empfehlen?

Wer im Studium viel mit Statistik zu tun hat oder sich gar darauf spezialisiert hat, findet in dem vorliegenden Buch eine Zusammenstellung modernerer Ansätze, die so noch nicht in allen Lehrbüchern und noch viel weniger in Lehrunterlagen zu finden sind. Es wäre gut möglich, dass man nach der Lektüre auf einem aktuelleren Wissensstand angelangt ist als eine Lehrperson, die sich seit geraumer Zeit nicht mehr weitergebildet hat, „weil sich bei der Statistik eh nichts ändert“. Das ungläubige Staunen, dass sich da doch etwas tut, sollte man dann aushalten oder verargumentieren können.

Was bringt das Buch für den Einsatz in der Lehre?

Für Lehrende, die bisher nicht gerade tief in die Statistik eingetaucht sind, ist der Sammelband sicher keine gute Einstiegslektüre in das Gebiet. Ein wenig Vorbildung auf diesem Gebiet sollte man schon mitbringen, so etwa das Wissen darüber, was statistische Analysen im Gegensatz zu einer qualitativen Herangehensweise eigentlich leisten sollen und vor allem, was es mit dem Hypothesentesten und dem berühmten p-Wert auf sich hat. Dann macht die Lektüre Laune und es ist möglich, ausgewählte Beispiele zur Diskussion ins Seminar mitzunehmen – auf dass „Bad Science“ erkannt und in Zukunft immer mehr durch „Good Science“ ersetzt werde.

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

Beyerbach – Recht gut

Beyerbach, Hannes (2019): Die juristische Doktorarbeit. Ein Ratgeber für das gesamte Promotionsverfahren, 3. Aufl., München: Vahlen.

21,90 Euro

Inhaltsübersicht:

§ 1 Einleitendes zur Dissertation

§ 2 Die verschiedenen Phasen des „Projekts Dissertation“

§ 3 Von der Idee zur Gliederung

§ 4 Wissenschaftliches Schreiben

§ 5 Richtiges Zitieren

§ 6 Abschluss des Verfahrens: Endredaktion, mündliche Prüfung und Publikation der Arbeit

§ 7 Das Betreuungsverhältnis

 

Recht gut

Bereits in der 3. Auflage ist Beyerbachs „Die juristische Doktorarbeit“ in diesem Jahr erschienen. Das ist ja zunächst einmal ein gutes Zeichen, vor allem da es kein Massenthema behandelt. Der Autor scheint also einiges richtig gemacht zu haben. Bei der Lektüre wird schnell klar, wieso das Buch mehr als recht gut ankommt: Es ergründet den Erstellungsprozess einer rechtwissenschaftlichen Doktorarbeit mit großer Fach- und Sachkenntnis bis ins letzte Detail. Dabei gelingt dem Autor eine ansprechende Mischung aus allgemeingültigen Tipps und persönlichen Empfehlungen.

Wie ist das Buch aufgebaut?

Mit fast 300 Seiten handelt es sich um einen sehr ausführlichen „Ratgeber für das gesamte Promotionsverfahren“ (Untertitel). Es geht also nicht nur um das reine Verfassen der Arbeit, sondern auch um die vor- und nachgelagerten Schritte wie Themenfindung einerseits und die abschließenden Schritte wie Präsentation und Publikation der Arbeit andererseits.

Das Buch ist aus Sicht einer nicht juristisch vorgebildeten Person „anders“: Das Literaturverzeichnis steht vor dem Text, die Kapitel sind nicht nummeriert, sondern mit Paragraphen versehen und der Text als solcher trägt eine Referenznummer an jedem Abschnitt. Letzteres hat nicht nur einen gewissen Charme, sondern ist auch noch nützlich, wenn man sich bei Querverweisen schnell orientieren möchte. Auch die Sprache ist doch deutlich juristisch geprägt, was sich an einigen lateinischen Wendungen und Fremdwörtern wie zum Beispiel „konzedieren“ zeigt, das zumindest in meinem persönlichen Umfeld niemand im aktiven Gebrauch hat. Lesefreundliche Strukturierungselemente wie Abbildungen sucht man leider vergeblich, ab und an sind jedoch farblich abgehobene Übersichtskästen und Beispiele zu finden, die den Text auflockern.

Das Schlusskapitel (§ 7) über das Betreuungsverhältnis wirkt wie ein Fremdkörper, wie Beyerbach selbst feststellt, da es erst in der 2. Auflage hinzugefügt wurde. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, auch wenn es sich schlecht in die Gliederung einpassen lässt, deren Kapitel 1 bis 6 eben den Weg zur abgeschlossenen Promotion abbilden.

Der lange Schreibprozess beim Promovieren

Beyerbachs Arbeitsweise stellt seine eigene Arbeitsweise ausführlich dar und gewährt somit einen interessanten Blick „hinter die Kulissen“. Er arbeitet ziemlich traditionell: ein klassischer, streng linear vorgehender Planer, der die zu verarbeitende Literatur ausdruckt und in Ordnern abheftet. Eine Literaturverwaltungssoftware kommt nicht zum Einsatz. Ein solches Vorgehen ist natürlich umsetzbar, aber es stellt sich die Frage, ob es noch zeitgemäß ist. Doktoranden, die nicht so viel Disziplin an den Tag legen wie der Autor, könnten mit dieser Arbeitsweise in Schwierigkeiten geraten.

Ein ausführliches Kapitel zum Zitieren in juristischen Arbeiten ist Teil des Ratgebers, weil dieses Thema nach Beyerbachs Erfahrung immer wieder Fragen aufwirft und weil Vorwissen, insbesondere über die vielen Spezialfälle, nicht einfach vorausgesetzt werden kann.

Free your mind – or rather not?

Höchst erfreulich finde ich, dass Beyerbach sich mit „Schreibliteratur“ auseinandergesetzt hat, was wohl eher wenige Fachlehrend bisher getan haben. Hier tauchen im Literaturverzeichnis u.a. Werke von Peter Elbow, Otto Kruse und Lutz von Werder auf.

Mit dem Freewriting hadert der Autor ein wenig. Er empfiehlt es zwar als Fingerübung. Es scheint ihm jedoch suspekt zu sein, wenn sich jemand all zu frei seinem Thema oder seiner täglichen Schreibetappe annähert. Ebenso ist es ihm fremd, einen Text in mehreren Überarbeitungsgängen zu verbessern.

Mein Fazit

Beyerbachs „Die juristische Doktorarbeit“ habe ich vor allem aus zwei Gründen sehr gern gelesen. Erstens habe ich vieles über die Welt der Rechtswissenschaft erfahren. Zweitens scheint im geschriebenen Wort die Person des Autors immer wieder durch. Das unterscheidet das Buch von all den trockenen Abhandlungen zum wissenschaftlichen Arbeiten.

Der wenig enthusiastische Titel der Rezension, „Recht gut“, ist nur meiner Vorliebe für flache Wortspiele geschuldet.

Welchen Studierenden kann man das Buch empfehlen?

Das Buch richtet sich sowohl an Studierende der Rechtswissenschaft mit einem festen Promotionsvorhaben als auch an jene, die noch mit der Entscheidungsfindung befasst sind. Sollte den Doktoranden in spe jedoch das planende Schreiben wirklich nicht liegen, ist ihnen die parallele Lektüre eines Schreibratgebers anzuraten, in dem alternative Wege zum fertigen Text vorgestellt werden.

Was bringt das Buch für den Einsatz in der Lehre?

Für den Einsatz in der Lehre ist das Buch nicht gedacht. Ich könnte mir vorstellen, dass es vielmehr in der Beratung für all jene hilfreich ist, die mit einem anderen fachlichen Hintergrund Doktoranden der Rechtswissenschaft begleiten. Sie können nach der Lektüre besser nachvollziehen, was in juristischen Doktorarbeiten verlangt wird und auf welche Stolpersteine die Ratsuchenden stoßen könnten.


Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

Brendel, Hanke, Macke – Big Picture

Brendel, Sabine, Ulrike Hanke und Gerd Macke (2019): Kompetenzorientiert lehren an Hochschulen. Opladen und Toronto: Verlag Barbara Budrich.

14,99 Euro

 

Inhaltsübersicht:

  1. Einführung
  2. Kompetenzen
  3. Didaktisch kompetent handeln
  4. Voraussetzungen des Lehrens an Hochschulen
  5. Kompetenzorientiert lehren
  6. Ein Blick zurück – kritische Einordnung – ein Blick nach vorn

Big picture

Die Reihe „Kompetent lehren“ des Verlags Barbara Budrich versteht sich als Reihe für Lehrende an Hochschulen, in der zentrale Themen sowohl theoretisch fundiert als auch anwendungsorientiert behandelt werden. Anders als bei den bisherigen Bänden geht es bei „Kompetenzorientiert lehren an der Hochschule“ jedoch nicht um ein einzelnes Thema, sondern um die Gesamtschau. Die Autorinnen und der Autor sind ja auch keine Unbekannten in der Szene. Sabine Brendel, Ulrike Hanke und Gerd Macke sind seit langen Jahren in der Hochschuldidaktik tätig, nicht nur in der Lehre, sondern auch in Leitungsfunktionen. Demnach ist das Ziel das „big picture“.

Wie ist das Buch aufgebaut?

In dem Buch wird ein großer Bogen geschlagen: von der Nachzeichnung der Kompetenzdebatte geht es über die Handlungstheorie hin zur Lernpsychologie, um dann am Ende bei einem Modell zu landen, das alle Stränge zusammenführt.

So richtig spannend wird es für Lehrende ab Kapitel 5, wenn herausgearbeitet wird, welche Folgen die bisherigen Inhalte für gute Lehre nach sich ziehen. Oder in anderen Worten: Was kann und sollte ich als Lehrperson tun, um den Studierenden das Lernen zu ermöglichen? Hier wird es praktisch und handlungsleitend.

Über 16 Brücken(pfeiler) musst Du gehen

Die zentrale Metapher des Buches ist die Brücke. Die 16 Brückenpfeiler stehen für die Prinzipien guter (kompetenzorientierter) Lehre. Diese Pfeiler tragen die Brücke, über die Lehrende und Lernende gemeinsam gehen, wenn Lernen stattfinden soll. Aus den Annahmen über gute Lehre, die aus den Kapiteln 1 bis 4 resultieren, werden dann Handlungsempfehlungen für die Lehrenden abgeleitet.

Nach dem ersten Lesen war ich irritiert über das Verhältnis der einzelnen Kapitel zueinander. Mir kamen die theoretischen Ausführungen zunächst zu lang vor und der direkt verwertbare Teil zu kurz. Viele Ratgeber sparen sich den theoretischen Teil ja entweder gleich ganz oder nehmen ihn nur pro forma auf, so zumindest mein Eindruck. Bei diesem Buch musste ich umdenken und vor allem zurückblättern. Die Kapitel 1 bis 4 sind auf jeden Fall lesenswert, man sollte sie nicht überspringen, sondern sich selbst den Gefallen tun, die Herleitung des Modells nachzuvollziehen. (Nein, ich habe nichts gegen Theorie, im Gegenteil. Vielmehr dachte ich mir, es wäre mir entweder bereits bekannt oder schon nicht so wichtig für das Folgende. Ein Irrtum!)

Schreibend lehren

Aus Sicht der Schreibdidaktik ist erfreulich, dass zumindest kurz erwähnt wird, dass Schreiben hilfreich wirken kann und dass sich bei Scheuermann und Lahm (jeweils 2016) weiterführende Hinweise und Übungen finden. Ein solches Mitdenken von Schreiben ist leider noch keine Selbstverständlichkeit. Der Rollenkonflikt zwischen Betreuen und Bewerten von studentischen Texten wird ebenfalls angerissen.

Das Buch ist auf keine spezielle Disziplin ausgelegt, sondern fachübergreifend gedacht. Durch seinen Fokus auf die Lernpsychologie eignet es sich jedoch gerade für Lehrende von Veranstaltungen zum Wissenschaftlichen Arbeiten. Nach meinem Verständnis profitiert die Lehre speziell in diesem Fach besonders von der Berücksichtigung psychologischer Zusammenhänge. Ich habe ja an einigen Stellen des Blogs bereits ausgeführt, für wie wichtig ich Motivation, Selbstwirksamkeitserfahrungen und Attributionsmuster halte.

Welchen Studierenden kann man das Buch empfehlen?

Das Buch richtet sich nicht an Studierende.

Was bringt das Buch für den Einsatz in der Lehre?

Wer einen Ratgeber zu guter Hochschullehre sucht, wird hier nicht genau das finden, was er sucht – sondern mehr. Er muss es nur zu würdigen wissen. Die Hinführung zum Brückenpfeiler-Modell mag lang sein, aber sie ist nötig für das bessere Verständnis. Sonst würden die Ratschläge für die Gestaltung der Lehre beliebig bleiben.

Das Buch eignet sich hervorragend zur Reflexion bzw. zur Bestätigung: Was sind meine Grundannahmen über gute Lehre? Ist die Art, wie ich lehre, sinnvoll? Das Ergebnis dieser Überlegungen ist eine (weiterhin) kompetent handelnde, gestärkte Lehrperson.

 

Ergänzung Oktober 2019: Eine ausführliche Darstellung des Inhalts finden Sie in der verlinkten Rezension auf socialnet.

Warum Sie vielleicht doch eine Coaching-Ausbildung absolvieren wollen

Wenn ich von meiner – mittlerweile abgeschlossenen – Coaching-Ausbildung erzähle, lautet die Reaktion des Gegenübers häufig: „Das interessiert mich auch sehr. Ich kann mir gut vorstellen, selbst eine Coaching-Ausbildung zu beginnen.“ Coaching scheint also für viele Menschen in meinem Umfeld attraktiv zu sein. Vielleicht haben sie nur davon gehört, vielleicht haben sie sogar bei einem eigenen Anliegen erfahren, wie Coaching wirkt, und möchten anderen Menschen die gleichen Ergebnisse ermöglichen.

Unter dem Begriff „Coaching“ verstehe ich in Anlehnung an Migge die gleichberechtigte und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit einem gesunden Klienten, der mich als Prozessberaterin beauftragt. Dabei geht es um Standortbestimmung, das Schärfen von Zielen sowie das Entwickeln von Lösungs- und Umsetzungsstrategien oder den Ausbau von Kompetenzen (Migge, Björn (2014): Handbuch Coaching und Beratung. 3. Aufl. Weinheim und Basel: Beltz. S. 30.). Dies beschreibt den autonomen Coaching-Ansatz, denn der Fokus liegt auf dem gemeinsamen Erarbeiten von Zielen und Lösungen (anders als beim autoritären Ansatz, bei dem direktiv beraten wird). Coaching lässt sich mit Beratung und Training verbinden, wenn die Situation es erfordert.

Was bringt die Coaching-Ausbildung für den Umgang mit den Studierenden?

Schon während der Ausbildung habe ich bemerkt, wie sehr mir die behandelten Themen bei der Arbeit helfen. Durch das Reflektieren und Üben kam vieles in Bewegung. Daher vermute ich, dass auch bei Ihnen ähnliche Effekte eintreten würden. Bei mir verbesserten sich die Fähigkeiten,

  • gute Fragen zu stellen,
  • wirklich zuzuhören,
  • den nächsten nötigen Schritt zu erkennen und
  • zielgerichtet auf Veränderungen hinzuwirken.

Außerdem habe ich gelernt, mich vom Anliegen – bei aller Empathie – so zu distanzieren, dass es mir uneingeschränkt möglich ist, in Lösungen und Wirkungen zu denken.

Damit will ich nicht unterstellen, dass Sie das nicht alles sowieso schon können oder vielleicht auch wirklich gut darin sind. Bei mir war es jedoch so, dass ich erst in der Coaching-Ausbildung merkte, wie groß das Potenzial in all diesen Bereichen noch ist.

Eine Coaching-Ausbildung fordert Sie als ganze Person, die eigene Weiterentwicklung ist kaum zu vermeiden. Für mich war das eine sehr hilfreiche Erfahrung, weil ich ja tagtäglich mit Menschen befasst bin, die mitten in einem Entwicklungsprozess stecken. Ich bin der festen Überzeugung, dass fachliches Lernen und persönliches Wachsen miteinander einhergehen. Wenn, ja wenn, die Lehrperson fähig und willens ist, auch tatsächlich beides zu begleiten.

Coaching und Schreibberatung

Vor nunmehr über zwei Jahren habe ich Swantje Lahm interviewt, und eine der Fragen zielt auf die Ausbildung zum Coach ab. Damals hatte ich übrigens nicht mehr als eine leise Ahnung, dass ich mich kurze Zeit ebenfalls zum Coach ausbilden lassen würde…

Hier der entsprechende Auszug aus dem Interview. Jede einzelne Aussage unterschreibe ich sofort!

„Für die Schreibberatung und auch die Arbeit mit Lehrenden ist die Ausbildung als Coach aus folgenden Gründen für mich sehr wichtig:

  1. Ich kenne meine eigenen Schwächen und Vorannahmen, d.h. ich laufe weniger Gefahr, meine Themen auf mein Gegenüber zu projizieren.
  2. Ich weiß, wo Schreibberatung endet und psychosoziale Beratung anfängt. In der konkreten Situation ist das ja nicht immer sofort klar zu erkennen. Jemand, der mit seinem Schreibprojekt nicht weiterkommt, kann sehr verzweifelt sein und z.B. eine depressive Symptomatik entwickeln. Für mich ist entscheidend, darauf zu achten, ob sich die Symptome verändern, sobald wir in die Schreibberatung einsteigen und ob die Person in der Lage ist, die von mir angebotene Unterstützung produktiv zu nutzen. Wenn ich merke, dass die Schreibberatung nicht greift, würde ich an unsere Kolleg/innen in der Zentralen Studienberatung verweisen.
  3. Haltung ist wichtig. Im Kontakt mit Lehrenden versuche ich, ihre Situation und die Eigenlogiken ihres Handelns nachzuvollziehen. Das bewahrt mich davor, im Hinblick auf das Schreiben missionarisch zu werden. Ich gehe immer erstmal davon aus, dass ich keine Ahnung davon habe, was für jemand anderen richtig und hilfreich ist.
  4. Schließlich hat die Ausbildung mein Verständnis für Veränderungsprozesse geschärft und mich Methoden gelehrt, sie zu gestalten. Für mich ist das Arbeiten mit analogen Methoden, also allem was man haptisch im Raum nutzen kann (Figuren, Karten etc.), wichtig – gerade auch in der Schreibberatung, wo es hilfreich sein kann, Gedanken wirklich ‚greif-bar‘ zu machen.“

Das komplette Interview finden Sie hier.

Und jetzt?

Falls Sie nun tatsächlich überlegen, eine Coaching-Ausbildung zu absolvieren, lege ich Ihnen den Ratgeber meiner geschätzten Ausbilderin Dr. Brigitte Wolter ans Herz:

Wolter, Brigitte (2017): Ich will Coach werden. Verlag Barbara Budrich

Durch die Lektüre des Buches erhalten Sie Orientierung in einem sehr unübersichtlichen Markt.

 

Reinicke: Drama, baby!

Reinicke, Katja (2018): Fürchte Dich nicht – schreibe! Tübingen: A. Francke Verlag.

16,99 Euro

Inhaltsübersicht:

Akt 1 Die Welt ändert sich – Dein Thema wird zum Drama

Prolog: Entdecke den Helden in Dir

Schreib-Szene 1: Ruf zum Abenteuer

Schreib-Szene 2: Aufbruch

Schreib-Szene 3: Konfrontation mit dem Gegner

Schreib-Szene 4: Der Auftrag

Akt 2 Sein oder nicht sein – Die zentrale Frage stellt sich

Schreib-Szene 5: Point of no return

Schreib-Szene 6: Verbündete und Feinde

Schreib-Szene 7: Der Schlüssel zum Schatz

Schreib-Szene 8: Die Prüfung

Akt 3 Die (Er-)Lösung naht- Das große Plädoyer

Schreib-Szene 9: Die Hebung des Schatzes

Schreib-Szene 10: Navigation durchs Labyrinth

Schreib-Szene 11: Der Sieg

Schreib-Szene 12: Heimkehr

Epilog

 

Reinicke: Drama, baby!

Endlich! Auf dieses Buch habe ich so sehr gewartet. Es bietet einen Lösungsansatz für ein Grundproblem des wissenschaftlichen Schreibens, nämlich die emotionalen Härten, die viele Studierende mehr schlecht als recht ertragen und die leider auch viele zum Abbruch des Studiums bringen. Rein kognitive Ansätze helfen hier nicht weiter. Nur weil Studierende wissen, „wie man richtig zitiert“, können sie noch lange nicht mit Freude ihre Arbeiten verfassen.

Mit der Heldenreise bedient sich Katja Reinicke für ihren Schreibratgeber eines uralten Musters, das bereits aus der Mythologie bekannt ist und das wir in vielfältigen Abwandlungen in modernen Geschichten und Filmen wiederfinden: Eine Person folgt dem Ruf des Abenteuers, zieht hinaus in die weite (gefährliche!) Welt, löst verschiedenste Probleme und kehrt als „neuer Mensch“ in die alte Heimat zurück. Dies weist starke Parallelen zum Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten auf, wie die Autorin in ihrem Buch ausführlich darlegt. Da Sie schon wissenschaftliche Texte geschrieben haben, können Sie das sicherlich an dieser Stelle auch ohne weitere Erläuterungen nachvollziehen…

Bilder und Emotionen

Der Bezeichnung der Kapitel orientiert sich am klassischen Vorbild: Jeder der drei Akte umfasst vier Szenen, die wiederum die so genannten Bestandteile „Regieanweisung“, „Heldenaufgabe“ und „Hintergrund“ umfassen. Die Regieanweisung ist als eine Art Einführung zu den Heldenaufgaben zu verstehen, bei denen die Leser dann aufeinander aufbauende Schreibübungen durchführen. Die Abschnitte zum Hintergrund hingegen dienen zum Vertiefen der theoretischen Annahmen und liefern Begründungen für das Vorgehen.

Eine Besonderheit des Buches ist seine bildhafte Sprache, die die Inhalte mit Emotion auflädt. Da lesen wir so wunderbare Wörter wie Mut, Hingabe, Leidenschaft, Tatendrang und Abenteuerlust – wohlgemerkt im Zusammenhang mit dem wissenschaftlichen Schreiben. Allein deshalb lohnt sich die Lektüre. Wer von der Sprache verschreckt ist, hat den Hauptpunkt noch nicht verstanden.

Katja Reinicke holt mit „Fürchte dich nicht -schreibe!“ die emotionale Seite (zurück) in die Wissenschaft. Wenn Sie meinen Blog lesen, wissen Sie aus vielen Beiträgen, wie sehr sie mir mit ihrem Ansatz aus dem Herzen spricht.

Aber…

Für mich als Leserin waren die „Hintergrund“-Abschnitte besonders interessant. Hier konnte ich nachlesen, wie sich meine Kenntnisse und Erfahrungen in die Annahmen der Heldenmethode einpassen lassen. Ich denke allerdings, dass ratsuchende Studierende diese Hintergründe nicht in dem Umfang benötigen, wie sie hier gegeben werden. In diesem Sinn hat das Buch also eine doppelte Leserschaft – das halte ich nicht unbedingt für einen Vorteil, zumal die Passagen teilweise mit dem restlichen Schreibstil brechen und meines Erachtens nicht vollends stringent sind.

Ein weiteres Manko stellt für mich das Festhalten am Hemisphärenmodell des Gehirns dar (z.B. Seite 83), das mittlerweile als überholt gelten darf. Hier hätte ich mir gewünscht, dass die Autorin auf neuere Erkenntnisse zurückgreift oder aber zumindest die alten Aussagen relativiert. Denn immerhin soll es in dem Buch auch um hirngerechtes Anleiten des Schreibens gehen.

Das soll das Lob über und die große Dankbarkeit für das Erreichte nicht schmälern. Die konsequente Übertragung und Anpassung der Heldenreise an die Erfordernisse des wissenschaftlichen Kontexts ist das Verdienst von Katja Reinicke.

Welchen Studierenden kann man das Buch empfehlen?

Das Buch soll jenen Studierenden helfen, die gelähmt vor Angst ihre Aufgabe nicht angehen und aus lauter Ehrfurcht vor bereits vorhandenem Wissen nicht ins Schreiben ihres eigenen Texts kommen. Die Heldenmethode ist allgemeingültig und kann fachübergreifend eingesetzt werden. Mir scheint sie auch auf allen Levels sinnvoll anwendbar: von der ersten Hausarbeit über die Abschlussarbeit oder Promotion bis hin zu weiterführenden Veröffentlichungen. Denn die emotionale Seite des Schreibens verschwindet ja nicht, nur weil die Schreibenden an Erfahrung gewonnen haben.

Das Ergebnis der Heldenmethode ist die argumentative Grundstruktur der Arbeit, nicht mehr und nicht weniger. Für alles Weitere benötigt man dann entweder sein Vorwissen oder einen zusätzlichen Ratgeber.

Was bringt das Buch für den Einsatz in der Lehre?

Für die Lehre ist das Buch nicht direkt konzipiert. Allerdings enthält es mit seinen „Heldenaufgaben“ zielführende Übungen, die in der Lehre eingesetzt werden können. Wer mit den Standardübungen der Schreibberatung oder aber mit dem kreativen Schreiben vertraut ist, wird alte Bekannte wiedertreffen, aber auch einige neue Bekanntschaften schließen. Die Methode lässt sich als strukturgebender Rahmen sicher in ein Lehrformat übersetzen. Dies wird allerdings sicher nicht „Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens“ im Rahmen eines traditionellen Modulkatalogs sein. Eher würde man einen extracurricularen Kurs derart gestalten.

Hell: Soll ich? Soll ich nicht?

Hell: Soll ich? Soll ich nicht?

 

Hell, Silke (2017): Soll ich promovieren? Voraussetzungen, Chancen, Strategien. München: Vahlen.

24,90 Euro


Inhaltsübersicht

1 Soll ich promovieren?

2 Wer promoviert?

3 Wesen und Formen der Promotion

4 Promotion mit Kind(ern)

5 Die berufsbegleitende Promotion

6 Grundsätzliches zur Themenfindung

7 Grundsätzliches zur Wahl eines Betreuers

8 Kontaktaufnahme und Bewerbung

9 Finanzierung einer Promotion durch ein Individualstipendium

10 Karriere mit Doktortitel

11 Tipps und Tools

 

Hell: Soll ich? Soll ich nicht?

„Soll ich promovieren?“ Mit dieser Frage sehen sich doch einige Studierende konfrontiert, wenn sie ihren Abschluss in der Tasche habe. Da kann es nicht schaden, wenn wir Lehrenden eine einschlägige Buchempfehlung zur Hand haben. Bietet Silke Hells Ratgeber alles, was wir uns dafür wünschen?

Vor mir liegt ein 322 Seiten starkes Buch, das Cover klassisch gestaltet mit Säule, Bücherstapel und Doktorhut. Da kann die Antwort auf die eingangs gestellte Frage eigentlich nur noch Ja lauten, denke ich mir. Nach der Lektüre der elf Kapitel sehe ich das anders. Denn der Ratgeber hilft tatsächlich bei einer ergebnisoffenen Betrachtung.

Silke Hell ist zunächst einmal Psychologin, aber auch Karriereberaterin, Coach und Trainerin für NachwuchswissenschaftlerInnen, Studierende sowie Fach- und Führungskräfte. All das merkt man dem Buch an: Wir steigen ein mit dem Ergründen der individuellen Motivation für die Promotion und arbeiten uns vor bis zur Bewerbung. Hells Expertise und auch ihre Verbindung zu den Bewerbungsexperten Hesse und Schrade wird deutlich, wenn sie etwa über Auswahlgespräche schreibt.

Auch ein wenig Hintergrundwissen („Wer promoviert?“ in Kap. 2) darf in dem Buch nicht fehlen. Danach wird es wieder praxisorientierter. In Kapitel 3 („Wesen und Form der Promotion“) ist zu lesen, welche Varianten beim Promovieren denkbar sind und wie man sich selbst die passenden Rahmenbedingungen schafft. Besondere Lagen („Promotion mit Kind(ern)“ in Kap. 4 und „Die berufsbegleitende Promotion“ in Kap. 5) finden auch ihren Platz. Ab Kapitel 6 geht es dann an die Umsetzung in die Tat: Themenfindung, Betreuersuche, Bewerbung und Ausblick auf die Karriere danach (inklusive dem sehr interessanten Abschnitt zur Frage, ob einem die Promotion eigentlich auch schaden kann). Kapitel 11 rundet mit „Tipps und Tools“ das Buch ab.

Variatio delectat

(Ja, ich hatte mal Latein.) Abwechslung erfreut beim Lesen. Das gilt so ziemlich immer und scheint auch das Motto für den vorliegenden Ratgeber gewesen zu sein. Der Text ist gespickt mit den unterschiedlichsten Formaten der Informationsvermittlung: Checklisten, Übersichten in tabellarischer Form, Linklisten, kommentierte Stellenanzeigen, Interviews und Erfahrungsberichte, und wahrscheinlich habe ich bei dieser Aufzählung noch die Hälfte vergessen.

De gustibus non est disputandum

(Richtig, heute ist der Tag der lateinischen Zwischenüberschriften.) Zwei, drei Kleinigkeiten sind mir beim Lesen negativ aufgefallen, aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten.

Den Titel des Buches halte ich für etwas irreführend, denn das Buch leistet viel mehr als „nur“ die Hilfe bei der initialen Entscheidung. Allerdings – und das ist viel wichtiger – trifft der Titel dann doch wieder den Nagel auf den Kopf. Denn die so simple Frage „Soll ich promovieren?“ ist nun einmal der Ausgangspunkt aller Überlegungen und beinhaltet alle nachfolgend behandelten Aspekte.

Für überflüssig halte ich persönlich die eine oder andere der insgesamt 48 Abbildungen (z. B. weil sie sehr simple Sachverhalte visualisieren) sowie einzelne Ausführungen zum Aufbau des Fachvortrags in Kapitel 8. Es geht mir zu weit, hier auch noch die klassischen Argumentationsmuster und die Verständlichmacher von Schulz von Thun zu integrieren.

Summa summarum

Bei „Soll ich promovieren?“ handelt es sich nicht um eine Anleitung, wie man am besten eine Doktorarbeit schreibt, sondern eine für alle Schritte davor. In der Phase der Entscheidungsfindung und Bewerbung erhält man hier hilfreiche und praxisorientierte Tipps. Durch die verschiedenen Formen, in denen der Inhalt präsentiert wird, wird das Buch außerordentlich abwechslungsreich und angenehm zu lesen.

Welchen Studierenden kann man das Buch empfehlen?

Eine Zielgruppe liegt nahe: alle, die promovieren möchten, sich aber noch nicht endgültig entschlossen haben. Diese Personen lesen das Buch mit großem Gewinn, weil sie neben handfesten Informationen auch Reflexionsfragen für Ihre Entscheidung an die Hand bekommen. So ähnlich formuliert die Autorin den Anspruch auch selbst: „Dieser Ratgeber soll Sie einerseits ermutigen, aktiv zu werden, und andererseits Ihnen die Entscheidung erleichtern, ob und wie Sie promovieren wollen.“ (S. 12)

Eine zweite Zielgruppe sehe ich in jenen Studierenden, die aus den vermeintlich falschen Gründen promovieren wollen. Sie können ihre Idee mithilfe des Buches prüfen.

Was bringt das Buch für den Einsatz in der Lehre?

Für die Lehre ist das Buch nicht konzipiert. Sicher, als Lehrende können Sie mit den Checklisten beispielsweise in einem Workshop gut eine Reflexion anleiten. Vermutlich werden Sie das Buch allerdings den Betreffenden eher zur Lektüre empfehlen, als dass Sie direkt damit arbeiten.


Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

Wehr und Meier-Soriat: Doppelte Augenweide

Meier-Soriat, Diana (2018): Bullet Journal – Das Praxisbuch. Frechen: mitp.

19,99 Euro

Cover Meier-Soriat

 

 

 

 

 

 

Wehr, Tanja (2017): Die Sketchnote Starthilfe. Frechen: mitp.

21,99 Euro

Cover Wehr Starthilfe

 

 

 

 

 

 

 

Wehr, Tanja (2018): Die Sketchnote Starthilfe – Neue Bilderwelten. Frechen: mitp.

24,99 Euro

Cover Wehr Neue Bilderwelten

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Inhaltsübersichten der drei Bücher finden Sie am Ende des Artikels.

 

Wehr und Meier-Soriat: Doppelte Augenweide

Mit der Hand schreiben ist wieder in, malen ist wieder in. Da sind nicht nur Sketchnotes und Bullet Journals (BuJos), da sind auch Trends wie Handlettering, Zentangle und Ausmalbücher. Ich mag das, denn es bringt mich zwischendurch weg vom Monitor und hilft ungemein beim Denken. Dieser Zusammenhang ist zwar allgemein bekannt, nur an der Umsetzung hapert es ja zuweilen.

Sketchnotes (also „Skizzen-Notizen“) und Bullet Journals (also „Aufzählungsstrich-Tagebücher“) ergeben zusammen eine wunderbare Kombination und machen aus schnöden Notizen eine wahre Augenweide. Daher rezensiere ich heute gleich ein ganzes Buchpaket, bestehend aus drei sehr praxisorientierten Ratgebern. In Anlehnung an Schopenhauers „Es wäre gut Bücher kaufen, wenn man die Zeit, sie zu lesen, mitkaufen könnte“ möchte ich hier vorwegschicken, dass Sie die Zeit zum Üben sicher nicht mitkaufen müssen. Alle drei Bücher sind so motivierend geschrieben und so ansprechend gestaltet, dass Sie sicher wie ich gleich loslegen wollen und auch werden. Das lässt sich auch zwischendurch in geistigen Leerlaufphasen immer wieder einschieben.

Der Selbstvertrauens-Booster

Tanja Wehr kann ich nicht genug danken. Mit ihren beiden Sketchnote-Büchern hat sie mir das Selbstvertrauen in Sachen Malen zurückgegeben. Wenn ich es grob überschlage, komme ich auf 25 oder sogar 30 Jahre, in denen ich kaum etwas gemalt habe. An dieser Stelle gehen schöne Grüße an meine damalige Kunstlehrerin, die mir mehr als einmal deutlich gemacht hat, dass ich das üüü-ber-haupt gar nicht kann und auch eigentlich gar weiter nicht versuchen muss.

Wie hat Tanja Wehr es binnen Minuten geschafft, diese hartnäckige Überzeugung zu aufzuweichen? Zunächst einmal mit ihrer lockeren und witzigen Art und dem sympathischen Einstieg mit einem Bericht über ihre Erlebnisse im Lateinunterricht. Noch ein paar Seiten weiter, und dann konnte ich plötzlich ein Fahrrad malen. Ich! Ein Fahrrad! Ein Fahrrad, das man erkennen kann! Wow, nach diesem Erfolgserlebnis gab es kein Halten mehr. Eine Strich-für-Strich-Anleitung nach der anderen habe ich ausprobiert und direkt im Anschluss an Mann und Kind der Bewährungsprobe unterzogen. Die beiden sollten erraten, was ich da zu Papier gebracht habe. Und was soll ich sagen? In fast allen Fällen lagen sie richtig. Ich wusste nicht, wie mir geschah. Das war alles zu schön, um wahr zu sein. Ich dachte an meine ehemalige Kunstlehrerin. Es waren keine liebevollen Gedanken.

Natürlich gab es auch Rückschläge. Mein Oeuvre „Zwei Baguettes verschwinden in der Toilette“ sollte selbstredend etwas ganz anderes darstellen. Schreiben Sie mir gern in die Kommentare, was Sie darin erkennen.


 

 

 

 

 

 

 

Das jüngst erschienene zweite Buch von Tanja Wehr setzt noch konsequenter auf das Prinzip der Bilderwelten. Diese Sammlungen von Symbolen zu einem Thema halte ich für ziemlich nützlich, um das eigene Repertoire aufzubauen. Da lernen Sie, reale Objekte aufs Papier zu bringen (zum Beispiel im Bereich Bildung eben Bücher, Stifte, Notizblöcke). Ergänzend ist eine zweite Kategorie wichtig, nämlich die der abstrakten Begriffe. Denn auch eine Glühbirne, eine Schatztruhe oder eine Flasche Sekt mit zwei Gläsern haben ihre Berechtigung, wenn sie ein Aha-Erlebnis, eine bedeutsame und aufbewahrenswerte Erkenntnis oder eben einen gelungenen Abschluss symbolisieren sollen.

Mein Ziel ist es, im Lauf der kommenden Monate eine eigene Bildsprache zu entwickeln. Vielleicht komme ich ja auch tatsächlich irgendwann an den Punkt, an dem das Kopieren aufhört und ich ohne Vorlagen zurechtkomme. Die Reduktion auf das Wesentliche scheint mir mittlerweile erlernbar. Oft sind es auch nur ein oder zwei winzige Striche, die das Gesamtbild ändern. In den Büchern erfahren Sie, welche das sind. Die visuell gestalteten Verzeichnisse helfen beim schnellen Auffinden der gewünschten Bilder. Außerdem lernen Sie, wie wichtig ein grauer Marker ist. An dieser Stelle darf ich Ihnen mitteilen, dass der Heidelberger Einzelhandel schlecht aufgestellt ist. In keinem der zwei größten Geschäfte wurde ich fündig. Der Schritt zu meiner endgültigen Professionalisierung muss also noch warten 😉

Ein Traum: alle Notizen an einem Ort

Diana Meier-Soriat hat mit dem Praxisbuch einen wirklich überzeugenden Ratgeber vorgelegt, der bei mir die letzten Vorbehalte gegenüber Bullet Journals ausgeräumt hat. Neben dem Prinzip „Track the past“ gibt es nach dem Erfinder des Bullet Journals, Ryder Carroll, noch „Organize the present“ und „Plan the future“, die eigentlichen Hauptverwendungszwecke. All das sammelt sich in einem einzigen Notizbuch, in dem die Rubriken durch einen Index gut auffindbar sind und in dem man den Status seiner Aufgaben durch eigene Symbole auf einen Blick gut erfassen kann.

So lautet zumindest die Theorie. Mal schauen, wie das in der Praxis dann wird. In der einen oder anderen Form hatte ich das früher schon einmal ausprobiert, wenn auch nicht unter dem Namen. Ich war nie wirklich zufrieden mit dem Ergebnis. Perfektion ist aber überhaupt nicht nötig, auch wenn das Ergebnis von versierten Bullet-Journal-Schreibenden meist nahezu perfekt aussieht. Genauso wenig benötigen Sie eine einmal erdachte und dann immer gleichbleibende Organisation innerhalb des Journals. Oder wie die Autorin einem so schön mitgibt: „Du bist hier der Boss!“ und „Mach einfach mal!“. Diese Flexibilität kommt mir und meinem Lehrstil sehr entgegen. In dem Buch finden Sie jede Menge an Vorlagen und Inspiration zum individuellen Anpassen.

Für das wissenschaftliche Arbeiten und das Studium sind Habit Tracker ein guter Einstieg, also Übersichten über das Einhalten von Routinen und Vorsätzen. Daher nehme ich das nun auch für mich als Einstieg, bevor ich dann später vielleicht noch weitere Elemente integriere.

Hilfreich fand ich im Bullet Journal-Buch von Diana Meier-Soriat außer den konkreten Tipps zu geeignetem Material auch die vielen Beispiele zu den einzelnen Themen, darunter ein kurzer Abschnitt über das Planen im Studium. Anregungen aus anderen Bereichen lassen sich übertragen.

1, 2 oder 3?

Natürlich habe ich bei den Themen dieses Buchpakets anders als beim Thema „Wissenschaftliches Arbeiten“ keinen echten Vergleich mit anderen Ratgebern. Sicher gibt es da draußen noch viele andere tolle Bücher zum Sketchnoten und Schreiben von Bullet Journals. Auch im Netz finden Sie viele Informationen – wahrscheinlich eher zu viele…

Mit den besprochenen Büchern machen Sie auf jeden Fall alles richtig. Sie finden darin gebündelt alle nötigen Informationen, bei mir ist wirklich keine Frage offengeblieben. Sollten auch Sie sich in Sachen Sketchnotes und Bullet Journal noch völlig auf Neuland bewegen, empfehle ich Ihnen die folgende Lesereihenfolge: Am besten starten Sie mit der „Sketchbote Starthilfe“ und schließen daran mit der Lektüre von „Sketchnote Neue Bilderwelten“ an. Erst ganz am Ende würde ich mir das „Praxisbuch Bullet Journal“ vornehmen, dann sind Sie vorbereitet, wenn Sie dort zu dem Teil mit den Symbolen kommen.

Welchen Studierenden kann man die Bücher empfehlen?

Guten Gewissens kann ich alle drei Bücher allen interessierten Studierenden empfehlen. Ein bisschen drängt sich mir zwar der Eindruck auf, dass das „mehr so ein Mädchending“ ist. Aber vielleicht liege ich da auch komplett falsch, und selbst wenn, ist es sowieso egal. Vereinzelt habe ich übrigens schon Studierende in den Veranstaltungen gesehen, die ein Bullet Journal geführt haben und dabei auch die eine oder andere Visualisierung benutzt haben. Bei sehr abstrakten Inhalten wird es natürlich schwierig mit dem Sketchnoten. Tanja Wehrs Standardbeispiel ist hierfür das Bruttosozialprodukt Das lässt sich eben einfach schlecht verbildlichen.

Was bringen die Bücher für den Einsatz in der Lehre?

Spontan während der Lehrveranstaltung eine gekonnte Zeichnung auf das Flipchart zaubern, das wäre schon was? Oder eine Zeichnung, die man zumindest einmal erkennt, wir wollen die Latte ja nicht zu weit nach oben schieben. Die meisten Kollegen, die ich bisher auf das Thema angesprochen habe, sagten mir entweder, dass sie da großen Nachholbedarf hätten („Oh ja, da sagst Du was…“), oder dass da sowieso gar keine Hoffnung mehr bestünde. Ihnen kann geholfen werden, wie ich oben ausgeführt habe.

Das Bullet Journal halte ich für eine eher private Angelegenheit, so dass ich hier kaum Einsatzmöglichkeiten in der Lehre sehe. Sollten alle Studierenden mit der Methode vertraut sein, könnte ich mir vorstellen, dass in Formaten wie Workshops oder Projektseminaren die gemeinsamen To Dos auch in einer Bullet-Journal-ähnlichen Form für alle sichtbar am Whiteboard oder Flipchart festgehalten werden.

 


Herzlichen Dank an den Verlag für die Rezensionsexemplare!


Die Inhaltsverzeichnisse

Meier-Soriat, Diana (2018): Bullet Journal – Das Praxisbuch. Frechen: mitp.

Einleitung – Materialkunde – Organisationssystem – Inhaltlicher Aufbau eines Bullet Journals – Schmuckelemente, Icons, Schriften und Co. – Anwendungen und Vorlagen – Dein Bullet Journal als Tagebuch und Erinnerung – Travel Journal – Mit Farben arbeiten – Dekoelemente – Social Media und Bullet Journal Features

 

 Wehr, Tanja (2018): Die Sketchnote Starthilfe – Neue Bilderwelten. Frechen: mitp.

Einleitung – Hilfsmittel, Menschen und Mimik – Bilderwelten – Farbe und Schatten – Die eigene Bildsprache – Übungen

Wehr, Tanja (2017): Die Sketchnote Starthilfe. Frechen: mitp.

Einführung

Teil 1: Bildsprache

Bilderwelten – Menschen und Emotionen – Hilfsmittel

Teil 2: Schriftarten

Blockbuchstaben – Schreibschrift – Handlettering

Teil 3: Feinschliff

Schatten und Farbe – Aufbau einer Sketchnote

Teil 4: Los geht‘s

Live-Vorträge – Individualisierung, Tipps, Tricks, Übungen

 

 

Gerlach: Gnadenloser Pragmatismus

Silvio Gerlach (2017): In 200 Tagen zur Diss. Der Diss Guide. Berlin: Studeo Verlag.

Preis: 39,95 Euro

Inhaltsverzeichnis

Meilenstein 1: Ziel und Motiv sind klar!

Meilenstein2: Thema und Frage sind gefunden!

Meilenstein 3: Design und Exposé sind fertig!

Meilenstein 4: Kapitel Theorie, Forschungsstand und Modell sind fertig!

Meilenstein 5: Forschungsplan ist fertig!

Meilenstein 6: Daten sind gesammelt und analysiert!

Meilenstein 7: Kapitel Ergebnisse ist fertig!

Meilenstein 8: Dein Text ist fertig und gedruckt!

Meilenstein 9: Verteidigung ist geschafft!

Meilenstein 10: Publiziert! Du bist Frau Dr./Herr Dr.!

 

Gerlach: Gnadenloser Pragmatismus

Oha, Silvio Gerlachs Ratgeber will laut Klappentext „jedem Diss-Schreiber 1 Jahr sparen“.

Mit einer ordentlichen Portion Skepsis beginne ich die Lektüre. Was steckt hinter einem solchen Spruch? Will hier jemand einfach sein Buch gut verkaufen? Auch der Titel lenkt ja in eine ähnliche Richtung: „In 200 Tagen zur Diss“ – da beginne ich hochzurechnen… Ein Arbeitsjahr hat etwa 250 Arbeitstage, das wäre ja dann sehr schnell. Allerdings haben Doktoranden üblicherweise noch andere Verpflichtungen. Nehmen wir das mit ins Kalkül, bleibt die Berechnung dennoch weit, sehr weit unter der durchschnittlichen Bearbeitungszeit für eine Dissertation.

Techie

Der Autor treibt den Leitspruch „Schreiben ist Handwerk“ auf die Spitze: Mit der richtigen Technologie kommen alle ans Ziel. Seine baut auf Meilensteine und Sprints sowie die Mikrofragentechnik beim Schreiben auf. Die sehr stark vereinfachende Vorgehensweise vermittelt nun vielleicht den Eindruck, es gehe streng nach Schema F. Aber es wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Schleifen im Prozess durchaus möglich und manchmal sogar nötig sind.

Sprachlich kommt der Text locker, direkt und motivierend daher. Der verstärkte Einsatz von Ausrufungszeichen ist sicher nicht jedermanns Geschmack, und die doch überdurchschnittlich vielen Flüchtigkeitsfehler haben meine Lesefreude zudem sehr getrübt. Gerlach wechselt häufig zwischen kurzen Fließtextpassagen, Aufzählungen und Überblickstabellen, was das schnelle Erfassen des Inhalts fördert. Bei manchen dieser verknappt dargestellten Informationen fehlen jedoch zum besseren Nachvollziehen die Begründungen, was mit mehr Fließtext wahrscheinlich nicht passiert wäre.

Da der Ratgeber allgemeingültig sein soll, bleibt er in Bezug auf die Inhalte und Beispiele auf einer eher oberflächlichen und daher gut verständlichen Ebene. So können Promovierende die Übertragung auf ihre eigenen Inhalte individuell vornehmen. Hinsichtlich der Methoden (Fragebogen-Erstellung und Datenauswertung in Sprint 34 und 39) hätte ich mir dann mehr Tiefgang gewünscht, was wohl allerdings den Rahmen des Buches sprengen würde. In der derzeitigen Ausgestaltung erfüllt es jedoch keinen echten Zweck. Denn a) sollte vieles davon der Zielgruppe schon bekannt sein und b) sollte sie in ihren eigenen Arbeiten über dieses Niveau hinausgehen. Vermutlich erzeugt die Lektüre dieser Kapitel bei den Promovierenden ein gutes Gefühl von „Ich weiß das schon!“ bzw. „ich weiß das viel besser!“, womit ihnen ja auch geholfen wäre.

Ich könnte noch etliche Punkte ausführen, die mir nicht zu 100 Prozent zusagen. So finde ich beispielsweise einige der Schreibtipps fragwürdig, ebenso die Mustergliederung. Negativ fällt mir auch der bis auf eine Ausnahme fehlende Bezug auf Quellen und andere Ratgeber auf.

Aber stopp. Ich führe das eben nicht weiter aus. Denn jetzt kommt es: Meine große Skepsis vom Anfang ist mittlerweile einem Anflug von Begeisterung gewichen. Warum? Ich mag es, wenn jemand das Bewährte herausfordert und dabei mit Mythen und vermeintlichen Weisheiten aufräumt. Das tut Gerlach. Das Buch hat mir gedanklich einen großen, kräftigen Tritt in den Allerwertesten gegeben. Darüber freue ich mich sehr.

Welchen Studierenden kann man das Buch empfehlen?

Zwei Personengruppen kann ich mir als potentielle Leserschaft vorstellen: alle, die mit dem Gedanken an eine Promotion spielen, und alle, die am Anfang des Promotionsprozesses stehen.

Sicher gibt es bestimmte Schreibertypen, denen die von Gerlach vorgeschlagene Herangehensweise gut gefällt. Ich weiß nicht genau wieso, aber ich habe hier witzigerweise sehr selbstsichere Männer vom Typ „Macher“ vor dem inneren Auge. Jemand, der schnell Ergebnisse sehen will, und nicht lange alle möglichen Alternativen prüft und abwägt und noch einmal intensiv nachdenkt, bevor er eventuell…

Wahrscheinlich tut das Buch aber auch jenen gut, die zum Grübeln und Zaudern neigen. Sie erhalten eine klare Richtlinie. Von der weichen sie beim Anfertigen ihrer Dissertation eventuell etwas ab. Das halte ich immer noch für besser, als gar keine Orientierung zu haben. Gerade Doktoranden sehen ja oft den Wald vor lauter Bäumen nicht, weil sie sehr viel Detailwissen anhäufen und gleichzeitig den Anforderungen aus dem Umfeld gerecht werden wollen. Mit dem vorliegenden Buch nehmen sie das Heft selbst in die Hand.

Was bringt das Buch für den Einsatz in der Lehre?

Manche Lehrenden könnten sich davon inspirieren lassen und damit für ihre Doktoranden das Leben leichter machen, anstatt es zu verkomplizieren.

Vielleicht möchten Sie ja Ihre bisherige Herangehensweise in Frage stellen? Dann wäre dieses Buch eine hervorragende Einstiegslektüre.


Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!