Danner-Schröder/Müller-Seitz: Qualitativ hochwertig

Danner-Schröder, Anja und Gordon Müller-Seitz (2017): Qualitative Methoden in der Organisations- und Managementforschung. Ein anwendungsorientierter Leitfaden für Datensammlung und -analyse. München: Vahlen.

Preis: 14,90 Euro

 

Überblick über den Inhalt:

1. Möglichkeiten und Herausforderungen qualitativer Methoden der Organisations- und Managementforschung

1.1 Problemstellung – Herausforderungen qualitativer Methoden der Organisations- und Managementforschung und Konsequenzen für diesen Leitfaden

1.2 Wie der Leitfaden zu nutzen ist

2. Fallauswahl sowie Ein- und Abgrenzung

2.1 Überblick

2.2 Forschungslücken identifizieren und Forschungsfragen ableiten

2.3 Fallauswahlstrategien

2.4 Empirische Rahmenbedingungen

3. Datensammlung

3.1 Überblick

3.2 Vorbereitende Maßnahmen und Überlegungen

3.2.1 Ethische und politische Erwägungen

3.2.2 Feldzugang herstellen

3.2.3 Gütekriterien

3.3 Interviews führen

3.3.1 Formen von Interviews

3.3.2 Entwicklung eines Interviewleitfadens

3.3.3 Hinweise, was es zu berücksichtigen und zu vermeiden gilt

3.4 (Teilnehmend) beobachten

3.4.1 Formen der Beobachtung und verschiedene Beobachtungsdimensionen

3.4.2 Das Protokollieren der erfassten Daten

3.4.3 Hinweise, was es zu berücksichtigen und zu vermeiden gilt

3.5 Dokumente und Artefakte erfassen

4. Ausgewählte Datenanalyseformen

4.1 Überblick

4.2 Sichten und sortieren der Daten

4.3 Daten kodieren und kategorisieren

5. Daten für Ergebnisdarstellungen aufbereiten

5.1 Überblick

5.2 Auswertungsprozess darstellen

5.3 Ergebnisse durch Abbildungen unterstützen

6. Fazit

Danner-Schröder/Müller-Seitz: Qualitativ hochwertig

Vorab: Das Buch erfüllt seinen eigenen Anspruch aus dem Untertitel sehr gut, es ist tatsächlich eine „anwendungsorientierte, methodische Arbeitshilfe für Seminar- und Abschlussarbeiten“. Das unterscheidet es von den meisten (allen?) deutschsprachigen Werken zu Methodenfragen. Es ist das Buch, das im Regal mit der Methodenliteratur noch fehlte.

Auf 112 Seiten geht es von der Fallauswahl über die Datensammlung und die Datenaufbereitung bis hin zur Ergebnisdarstellung. Der Schwerpunkt des Buches liegt eindeutig bei der Datensammlung.

Zwei durchgängige Beispiele aus Danner-Schröders und Müller-Seitz‘ eigener Forschung veranschaulichen die theoretisch-methodischen Inhalte. Das ist zum einen ein Projekt der Autorin („Routinen im Katastrophenmanagement“), zum anderen ein Projekt des Autors („Umgang mit Unsicherheit“). Bei beiden Projekten handelt es sich um „echte Forschung“, nicht um Lehrprojekte.

Als Leserin erhalte ich einen detaillierten Einblick in den Ablauf von A bis Z, die Unwägbarkeiten und die zu treffenden Entscheidungen. Die Schilderungen sind dabei sehr offen, so dass noch unerfahrene Leser direkt sehen können, dass eben nicht immer alles nach Schema F wie aus dem Lehrbuch abläuft. Es werden auch Aspekte thematisiert, die sonst eher ausgeklammert werden, etwa so alltägliche (und gleichzeitig allesentscheidende!) Probleme wie der Zugang zum Feld (S. 36 f.). Weiterhin fand ich sehr wichtig, dass die ethische Dimension bei Befragungen und Beobachtungen angerissen wird (S. 26 ff.), und auch die Subjektivität qualitativer Methoden offengelegt wird. Letzteres wird zum Beispiel an der Frage deutlich, wie man denn ein Ende für seine Datenerhebung findet („Das Gefühl, dass Sie das alles schon einmal gesehen oder gehört haben, ist meist ein guter Indikator, dass Sie genügend Daten gesammelt haben“ (S. 69) – danke, dass es einfach mal jemand so offen schreibt!). Für hilfreich halte ich auch die Anregungen, wie man die Ergebnisse für die Darstellung aufbereitet (S. 98 ff.). Das kommt in vergleichbaren Werken oft zu kurz.

Zielgenau verfasst

Das Buch ist sehr gut lesbar, einfach und verständlich ausgedrückt, so dass nicht die Sprache unnötig den Zugang zu den Inhalten erschwert. Ich finde, man merkt dem Buch an, dass es „vom Leser her gedacht“ ist. Didaktisch sinnvoll der Aufbau: „Ausgewählte Lernziele“ stehen zu Beginn jedes Kapitels, es wurden viele Übungen und Beispiele integriert, und am Ende eines Kapitels finden sich oft so genannte „Anregungen aus der Literatur“. Dabei handelt es sich um Hinweise auf fremde Studien, die in Hinblick auf eine gute Nachvollziehbarkeit ausgewählt wurden. Zu guter Letzt erleichtert ein Glossar das Nachschlagen der Fachbegriffe.

Ausbaufähig an zwei Stellen

Aus meiner Sicht weist das Buch zwei kleinere Schwachstellen auf:

Erstens kommt die Transkription etwas kurz (S. 52 f.). Vor allem über den (oft unterschätzten!) Zeitaufwand finden die Leser keine Angaben und leider auch keine Hinweise auf weiterführende Literatur. Gerade bei zeitlich eng abgesteckten Arbeiten wie eben Seminar- oder Bachelorarbeiten sollten die Studierenden einen Anhaltspunkt dafür bekommen, was machbar ist, um sich notfalls auch gegen die Vorstellungen ihrer Betreuungsperson abgrenzen zu können.

Zweitens wären bei den Studierenden Lösungen oder zumindest Lösungsansätze für die vielen Übungsaufgaben und Reflexionen bestimmt gern gesehen. Hier tappen die Leser im Dunkeln, ob ihre Gedanken denn in eine sinnvolle Richtung gehen.

Welchen Studierenden kann man das Buch empfehlen?

Die Zielgruppe des Buches sind Studierende der Wirtschaftswissenschaften und anderer Fachbereiche, insbesondere der Sozialwissenschaften, die für Seminar- oder Abschlussarbeiten qualitative Methoden einsetzen. Das bedeutet, dass die Entscheidung für die qualitativen Methoden bereits gefallen ist. Denn über die Abwägung „quantitativ vs. qualitativ vs. kombinierter Einsatz“ findet man im Buch keine Informationen oder Entscheidungshilfen – was auch nicht nötig ist, dazu gibt es andere Ratgeber.

Was bringt es für den Einsatz in der Lehre?

In der Lehre sind die vielen Beispiele und Übungsaufgaben sicher hilfreich. Bei der nächsten passenden Gelegenheit werde ich es testen.

 

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

Verwandte Themen

„Empirisch forschen 101“

 

Schreiber: Das pralle Leben

Schreiber, Birgit (2017): Schreiben zur Selbsthilfe. Worte finden, Glück erleben, gesund sein. Berlin: Springer.

Preis: 19,99 Euro

 

Überblick über den Inhalt:

  • Einleitung
  • Schreiben hilft – Psychologische Grundlagen
  • Die Wirkstoffe im Heilmittel Schreiben
  • Vergangenheit anders erzählen
  • Der zerrissene Faden – nach einem Trauma anknüpfen
  • Die Gegenwart meistern
  • Wünsche verwirklichen und selbstbewusst in die Zukunft gehen
  • Ausblick: Nach dem Schreiben ist vor dem Schreiben

 

Schreiber: Das pralle Leben

Erster Eindruck: Ein kleines, feines Buch liegt vor mir. 150 Textseiten, luftig im Layout, angenehm und einladend.

Zweiter Eindruck: Dieses kleine, feine Buch hat es in sich. Es steckt voller Schreibübungen, die mich eine gute Weile beschäftigen werden.

„Ein Workshop in Buchform“

„Ein Workshop in Buchform“, so schreibt es Johanna Vedral im Geleitwort. Und es stimmt: Beim Lesen fühlte ich mich direkt angesprochen, als ob ich gerade an einem Workshop teilnehmen würde und erklärt bekäme, was als nächstes zu tun ist. Ich kann es kaum erwarten, die Übungen und das Online-Zusatzmaterial auszuprobieren.

Birgit Schreiber, Seminarleiterin, Journalistin, Schreibcoach und Biographieforscherin, kommt von der Schreib- bzw. Poesietherapie und legt mit „Schreiben zur Selbsthilfe“ einen Begleiter für all jene vor, die die Kraft des Schreibens gern im Alltag und in Lebenskrisen für sich nutzen möchten.

Wo sind da die Berührungspunkte mit dem wissenschaftlichen Schreiben? Dazu weiter unten mehr. Zunächst bleiben wir noch beim Grundsätzlichen.

Verführt zum Schreiben

In einem leichten und lebendigen Schreibstil wendet sich die Autorin an ihre Leserschaft. Alle Übungen sind als Einladung formuliert, individuelle Herangehensweisen und Lösungen sind ausdrücklich willkommen. Da will einem also niemand ein Patentrezept aufdrücken. Das macht die Lektüre sehr angenehm, Birgit Schreiber verführt im besten Sinne zum Schreiben. Denn auch ein grundsätzlich schreibwilliges Publikum benötigt wohl dann und wann gezielte Impulse. Solche findet es hier in hilfreicher Art und Weise.

Wissenschaftlich fundiert

Das Wissenschaftlerinnen-Herz schlägt höher, weil das Buch nicht, wie so viele andere, einfach nur eine Aneinanderreihung von Tipps und Übungen enthält, sondern auch gleich die theoretischen und empirischen Hintergründe dazu liefert. Alles ist fundiert und mit Quellen belegt. Dennoch ist das Buch auch für Fachfremde leicht zugänglich. Die vielen Zitate und beispielhaften Textauszüge, entweder aus der Literatur oder von Workshop-Teilnehmern, machen das Gesagte zudem lebendig und lebensnah.

Welchen Studierenden kann man das Buch empfehlen?

Was hat das alles nun mit unserem Thema, dem wissenschaftlichen Arbeiten, zu tun? Was sollen Studierende mit dem Buch anfangen?

Vorweg: Es ist sicherlich kein Buch für die breite Masse an Studierenden. Es eignet sich vor allem für jene, die offen sind für das Schreiben und auch die Bereitschaft mitbringen, eigenständig Schreibübungen durchzuführen. Einen Bedarf dafür kann ich mir gut vorstellen: Generell werden die Anforderungen und der Druck im Studium zunehmend als hoch empfunden, wie Befragungen immer wieder zeigen. Außerdem lassen sich besonders Umbrüche wie der Übergang von der Schule zum Studium oder die Endphase des Studiums mit ihren Unsicherheiten (Prüfungen, Karriereplanung) durch Schreiben gut begleiten und verlieren dadurch etwas von ihrem Schrecken.

Was bringt das Buch für den Einsatz in der Lehre?

Die angebotenen Übungen reichen weit über das hinaus, was in regulären Lehrveranstaltungen zum wissenschaftlichen Arbeiten thematisiert wird (und werden sollte) – das pralle Leben eben. Bestimmte Übungen helfen bei der Erkenntnis, wohin man will und was einem wirklich wichtig ist. (Studien-)Motivation und Ziele könnten so ergründet werden. Wir bewegen uns hier also in einem hochinteressanten Feld. Diese Themen können jedoch nicht einfach en passant bearbeitet werden, sondern bedürfen kompetenter Anleitung und einer sinnvollen Einbettung in das Curriculum.

 

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

 

Die Qual der Wahl bei Online-Umfragetools – was raten Sie Ihren Studierenden?

Kommt ein Studierender in die Sprechstunde: „Welches Online-Umfragetool können Sie mir denn für meine Abschlussarbeit empfehlen?“

Wohl denen, deren Hochschule Lizenzen für ein bestimmtes Tool zur Verfügung stellt! Denn dann ist die Empfehlung klar. Die Studierenden sollten in dem Fall natürlich mit genau dieser Software arbeiten. Sie erhalten bei Fragen leicht und unkompliziert Unterstützung aus dem direkten Umfeld. Sei es über Mitstudierende, die sich bereits auskennen, sei es über das Rechenzentrum. Vor allem wenn die Studierenden im Umgang mit größeren Datenmengen noch unerfahren sind, ist das Gold wert.

Was aber, wenn die Hochschule keine Lizenzen anbietet? Gerade an jüngeren oder kleineren Hochschulen oder an solchen, bei denen quantitative Methoden eher unüblich sind, stehen die Studierenden mit großen Fragezeichen in den Augen in Ihrer Sprechstunde.

Das Angebot an Online-Umfragetools ist zwar groß, aber dennoch gut zu überschauen. Dazu müssen Sie sich nur im Vorfeld die richtigen Fragen stellen. Zum einen gelten natürlich die generellen Kriterien für die Software-Auswahl (Download Checkliste), zum anderen kommen einige für Umfrage-Tools spezifische Aspekte hinzu.

Mein Fokus liegt in diesem Beitrag auf kostenlos verfügbaren Tools, um den studentischen Geldbeutel nicht zu belasten. Die genannten Tools können Sie also empfehlen, ohne dass Ihren Studierenden Kosten entstehen.

Hauptauswahlkriterium: Zahl der Befragten

Die Preismodelle der Online-Umfragetools sind anders gestaltet als die der sonstigen Freemium-Programme, die normalerweise in ihren kostenlosen Konten einfach weniger Funktionen freischalten als in der Premiumvariante. Bei den Freemium-Befragungstools richten sich die Bezahlgrenzen jedoch in den meisten Fällen nach der Anzahl der Befragten (»kostenlos bis 100 Befragte« oder auch »kostenlos bis 25 Befragte pro Monat«). Achtung: Manchmal ist die Anzahl der ausgefüllten Fragen maßgeblich (»kostenlos bis 4.000 Fragen«, also beispielsweise 400 Bögen mit 10 Fragen oder 100 Bögen mit 40 Fragen). Ihre Studierenden sollten also genau lesen, bevor sie sich für ein Programm entscheiden. Die uninformierte oder unbedachte Wahl eines Programms könnte den Fortschritt der studentischen Arbeit verzögern, verteuern oder im schlimmsten Fall sogar unmöglich machen.

Welche Kriterien sind noch wichtig bei der Auswahl von Online-Umfragetools?

Für Hinweise auf die folgenden Aspekte sind Ihre Studierenden wahrscheinlich dankbar:

  • Anonymität und Datensicherheit

Achten Sie darauf, über welche Server die Daten laufen. Gerade online eröffnen sich viele Möglichkeiten, die Antworten auf eine bestimmte Person zurückzuführen, was Befragte üblicherweise nicht sehr schätzen. Besondere Vorsicht ist dort geboten, wo IP-Adressen protokolliert oder Kontaktdaten abgefragt werden. Entsteht die Arbeit des Studierenden im Zusammenhang mit einem Unternehmen, ist hier erhöhte Aufmerksamkeit nötig.

  • Arbeit in der Gruppe

Erlaubt das Tool den Zugriff mehrerer Bearbeiter auf eine Umfrage, so dass Gruppen gemeinsam arbeiten können? Einige Tools haben diese Funktion bei den kostenlosen Konten eingeschränkt.

  • Methodische Gestaltungsoptionen

Hier geht es um die zur Verfügung stehenden Frage- und Antworttypen. Wie soll gefragt werden, welche Antworten und Skalen sollen zur Auswahl stehen, wie die Daten anschließend ausgewertet werden? Ist es erforderlich, dass Bilder, Videos oder Audiodateien in die Befragung integriert werden? Das erlauben nicht alle kostenfreien Versionen.

  • Schnittstellen beim Datenexport

Welche Dateiformate bietet das Tool? Wie können Ihre Studierenden mit den Daten weiterarbeiten? Der Export nach Excel oder SPSS ist in den meisten Programmen vorgesehen, aber eben nicht in allen.

Zwei Anbieter, die unterschiedlicher nicht sein könnten

Aus den vielen, vielen Anbietern habe ich in meinem Buch die neun geeignetsten für die Fact Sheets ausgewählt und drei davon im Text näher besprochen. Wiederum zwei davon möchte Ihnen hier kurz zeigen.

Das eine Ende der Skala: Google Forms

Eine der sehr leicht zugänglichen Optionen ist Google Forms (https://docs.google.com/forms/) mit derzeit neun Frage- und Antwort-Typen. Damit lassen sich schnell kleinere und unkomplizierte Befragungen aufsetzen. Beim Erstellen des Fragebogens können mehrere Personen gleichzeitig an einem Dokument arbeiten. Sobald der Link zur Umfrage verschickt ist und Antworten eintreffen, generiert Google automatisch erste Auswertungen und Grafiken.

Das mag alles schön und gut sein, für anspruchsvollere Befragungen eignen sich die Google Forms jedoch auf keinen Fall – von der Datensicherheit ganz zu schweigen. Meine Studierenden schlagen von sich aus gern Google Forms vor, weil sie mit Google vertraut sind. Ich rate meistens ab.

Das andere Ende der Skala: SoSci Survey

Bedeutend umfangreichere Funktionen als einfache Formulare bieten spezielle Online-Befragungs-Dienstleister. Hier kann man zwischen deutlich mehr Frage- und Antworttypen wählen und auch Filter setzen, also Sprünge zwischen Fragen einbauen, die von der Antwort auf die vorhergehende Frage abhängen.

SoSci Survey (https://www.soscisurvey.de/) ist für wissenschaftliche, nicht-kommerzielle Befragungen kostenlos und ohne jede Einschränkung zu nutzen. Bis zu 5.000 (!) ausgefüllte Fragebögen sind hier möglich. Seinen Ursprung hat SoSci Survey übrigens am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität München. Ein Pluspunkt ist unter Sicherheitsaspekten die Nutzung deutscher Server.

Die Oberfläche erscheint vielen Studierenden zunächst weniger handlich, das ist leider nicht wegzudiskutieren. Eine gewisse Einarbeitung in die vielen Möglichkeiten der Software ist nötig. Für Arbeiten mit Unternehmensbezug (wie etwa an Berufsakademien oder Fachhochschulen) erhebt SoSci Survey eine Gebühr zwischen 25 und 220 Euro, die sich nach dem Umfang der Befragung richtet.

Weitere Anbieter

Die restlichen sieben Anbieter aus meinen Fact Sheets habe ich Ihnen hier aufgelistet:

LamaPoll: https://www.lamapoll.de

LimeSurvey: https://www.limesurvey.org/de/

Onlineumfragen: http://onlineumfragen.com/

Q-Set: http://www.q-set.de/

SurveyMonkey: https://de.surveymonkey.com/

Umfrage Online: https://www.umfrageonline.com

UniPark: http://www.unipark.com/de/umfragesoftware/

In Hinblick auf die kostenlos verfügbare Anzahl an Befragten sind LamaPoll und Q-Set hervorzuheben. Studierende haben hier drei Monate bis 500 Befragte (LamaPoll) bzw. 4.000 beantwortete Fragen (Q-Set) frei (Stand Ende Februar 2017).

Was raten Sie Ihren Studierenden, wenn Sie nach Online-Umfragetools gefragt werden?

 

 

Mal ehrlich, war das wirklich nötig?

Das 501. Buch zum wissenschaftlichen Arbeiten kommt in den Handel. Mein Buch. Wieso um Himmels willen noch ein Ratgeber zum wissenschaftlichen Arbeiten?

Zwei Gründe waren für mich ausschlaggebend, als ich im Januar 2016 mit dem Schreiben begonnen habe.

Grund Nummer 1: Ermutigen und anleiten

Ausgehend von dem, was ich im Manifest niedergeschrieben habe, wollte ich einen Ratgeber verfassen, der sich nicht nur mit der Form der Arbeit und/oder mit dem Schreibprozess beschäftigt. Vielmehr sollten die Studierenden „vorbereitet“ und durch den Prozess geleitet werden. Daher beginnt das Buch mit dem persönlichen Nutzen, der Motivation und Zeitplanung. Nebenbei räume ich auch ein klein wenig mit den Mythen auf, die das wissenschaftliche Schreiben umranken. (Es war ganz wunderbar, dass Christian Wymanns hilfreiches Buch dann mitten im Schreibzeitraum erschien und meine Gedanken bestätigte.)

So weit, so gut. Solche Ratgeber existieren schon. Mir fehlte aber NOCH etwas Wichtiges. Nämlich:

Grund Nummer 2: die Software

Software ist heutzutage beim wissenschaftlichen Arbeiten nicht mehr wegzudenken. Manche Studierende motiviert das sehr. Andere schreckt Software ab, oder der Auswahlprozess überfordert sie, oder aber der Nutzen ist ihnen nicht vollumfänglich klar. (Mehr zu diesem Thema habe ich hier geschrieben.)

Die bisherigen Ratgeber streifen den Aspekt der Software nur am Rande, wenn überhaupt. Niemand hat sich bisher die Mühe gemacht, systematisch für Studierende die Software aufzubereiten, die für das wissenschaftliche Arbeiten hilfreich sein kann. Ich weiß mittlerweile auch, warum: Es war verdammt viel Arbeit. Für jedes Programm, das  im Buch aufgeführt ist, gibt es mindestens eines, das ich verworfen habe. Hier zeige ich Ihnen, wo ich recherchiert habe.

Meine besten Informationsquellen bei der Software-Recherche

https://101innovations.wordpress.com/ von der Universität Utrecht

https://blogs.fu-berlin.de/ideenbar/tools/ von der FU Berlin

https://edshelf.com (mit Einschränkungen, da hier auch viel für schulische Zwecke gelistet ist)

Alternative to: http://alternativeto.net/

DIRT (Digital Research Tools): http://dirtdirectory.org/

Ihnen als Lehrenden gibt Ihnen mein Buch einen guten Überblick, damit Sie Ihre Studierenden besser mit Tipps versorgen können, ohne sich selbst durch all diese Listen und Datenbanken zu wühlen.

Bitte anschnallen

Wenn Sie möchten, kommen Sie doch mit nach drüben auf www.effizient-schreiben.de. Dort erfahren Sie alles Weitere.

 

 

Arn: Bewegung tut not!

Arn, Christof (2016): Agile Hochschuldidaktik. Weinheim: Beltz Juventa.

Preis: 29,95 Euro

 

Überblick über den Inhalt:

1 Das Ungeplante zum Programm machen!

2 Didaktik, die aus Kommunikation entsteht: öfter als man denkt

3 Dieses Buch besteht aus …

I Grundlagen

1 Namen, Eigenschaften, Definitionen, Verhältnisse

2 Wie neu ist eine solche Didaktik?

3 Was meint die Lehr- und Lernforschung dazu?

4 Zur Haltung in der Kunst der Co-Didaktik

II Agile Didaktik lernen

1 Das Normalste der Welt neu lernen!

2 Sie können Agilität schon längst – Analogien geben Hinweise

3 Chancen wagen

4 Mit den Lernenden zusammen agile Didaktik lernen

5 Weiterlernen

III Bausteine

1 Vorbereitung ist mehr und anderes als Planung

2 Risiko und Chance – Angst und Energie

3 Ein Ziel, das zieht

4 Ein agiles Verhältnis von Theorie und Praxis

5 Zuverlässiger Wissensspeicher

6 Kann jemand dazu eine Frage stellen?

7 Methodenwahl

8 Lernwiderstand und Motivation, Disziplin und Strafe

9 Große Gruppen

10 Agile Prüfungen

11 Gute Lehre: kontinuierliches Feedback – Evaluation und Qualitätsmanagement gemeinsam

12 Wo zu viel erklärt wird, da staunt niemand mehr (Eugène Ionesco)

IV Stufen […]

Arn: Bewegung tut Not!

Mit seinem Buch „Agile Hochschuldidaktik“ setzt Prof. Dr. Christof Arn, Leiter des Zentrums Lernen und Lehren an der Hochschule Luzern, im Kopf einiges in Bewegung. Er stellt in Frage, was für uns in der Lehre selbstverständlich geworden ist.

Eine Annäherung über viele Bezeichnungen

„Agile Hochschuldidaktik“ – was soll das überhaupt sein? Zunächst einmal ist es nur ein Vorschlag für eine alternative Herangehensweise an die Lehre, die ein besseres Lernen ermöglichen soll. Weitere mögliche Begriffe, die diskutiert werden: Co-Didaktik, Mit-Didaktik, Kontaktdidaktik, Begegnungsdidaktik, Performance-Didaktik, Präsenzdidaktik, Jetzt-Didaktik, Situationsdidaktik, Systemische Didaktik. Sie haben alle gemeinsam, dass es um Interaktion und echte Begegnung mit den Studierenden geht.

Das Gegenteil der Agilen Didaktik ist die Plan-Didaktik. Eben jene Herangehensweise, die den gründlich vorbereiteten Plan über alles stellt. Sollte sich die Lehrveranstaltung dann anders entwickeln, stört das den Plan und stellt den Lernfortschritt in Frage, so die Annahme. Das ist die Art von Didaktik, die bisher wohl den meisten Lehrenden sehr stark nahegelegt bzw. „eingetrichtert“ wurde. Die agile Didaktik hingegen ist zugleich Tradition und Trend („vom Dozierenden zum Lern-Coach“). Sie setzt die passende Haltung voraus: Die Lehrenden dürfen nicht besserwissen wollen, sondern stellen sich mit ihrem Wissensvorsprung in den Dienst der Sache und sind gemeinsam unterwegs mit den Lernenden.

Agiles Lesen

Das Buch muss nicht von vorne nach hinten durchgearbeitet werden, man kann überall beginnen und findet dann entsprechende Querverweise. Dadurch ergeben sich natürlich Redundanzen, die aber nicht weiter stören.

Arn versteht es, dem Leser das zu geben, was er braucht, und ihm Stück für Stück seine Unsicherheit zu nehmen. Dabei ist zu bedenken, dass durch das Medium Buch wohl einiges verlorengeht, was in einem (agilen) Workshop transportiert werden könnte. Und trotzdem ist es ein so zugkräftiges Buch!

Kein erprobtes Konzept

Bei den vorgestellten Inhalten handelt es sich (zum Glück!) nicht um ein fertiges, erprobtes Konzept, sondern vielmehr um einen individuell auszugestaltenden Ansatz. Reflektiert und bisweilen auch selbstkritisch gibt er viele Beispiele aus seiner Praxis als Lehrender, die den Ansatz anschaulich machen. Mit seinen Ausführungen hilft er dabei, motivierende Ziele für die eigene Veranstaltung zu finden und die passende Methoden auszuwählen bzw. zu entwickeln. Arn schreibt herrlich undogmatisch und lässt viel Raum für die eigene Gestaltung.

Für mich persönlich war das Kapitel über große Gruppen hochinteressant. Auch dort kann agile Didaktik funktionieren, wenn es richtig angepackt wird.

Welchen Studierenden kann man das Buch empfehlen?

Vielleicht empfehle ich das Buch irgendwann einmal einem Studierenden, der mit großen Erwartungen sein Studium aufgenommen hat und im Lauf der Zeit frustriert und demotiviert wurde. Die Lektüre würde ihm zeigen, dass nicht alle Lehrenden gleich sein müssen und es durchaus noch andere gibt als, die er tagtäglich erlebt. Dass keinesfalls seit Bologna alles verloren sein muss.

Was bringt es für den Einsatz in der Lehre?

Sollten Sie von der Plan-Didaktik überzeugt sein, machen Sie sich besser darauf gefasst, dass das Buch die Basis Ihrer Lehre in Frage stellen wird und Sie sich eventuell komplett neu orientieren müssen (bzw. dann wohl eher „wollen“).

Vielleicht erkennen Sie aber auch Ihren Lehrstil in Ansätzen wieder und fühlen sich bestätigt. Das Buch ermutigt Sie in diesem Fall, aus bisher eher zaghaften Schritten forschere Schritte werden zu lassen.

 

Weitere Rezensionen, in denen Sie noch mehr über den Inhalt erfahren:

https://schulesocialmedia.com/2016/08/09/rezension-christof-arn-agile-hochschuldidaktik/ von Philipp Wampfler

https://www.linkedin.com/pulse/rezension-zu-christof-arn-agile-hochschuldidaktik-verlag-blum?trk=mp-reader-card von Dr. Andreas-Michael Blum

Link zur Verlagswebsite mit dem kompletten Inhaltsverzeichnis und einer Leseprobe:

https://www.beltz.de/fachmedien/paedagogik/buecher/produkt_produktdetails/31601-agile_hochschuldidaktik.html


Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Mein Blog langweilt Sie? Hier sind die Alternativen!

In diesem Artikel zeige ich Ihnen einschlägige Blogs, die Sie kennen sollten. Seien Sie nur bitte so gut und kommen wieder zu mir zurück, wenn Sie mit dem Lesen fertig sind.

In alphabetischer Reihenfolge:

Natascha Miljkovics Zitier-Weise-Blog: http://www.plagiatpruefung.at/zitier-weise-blog/

Der Zitierweise-Blog von Natascha Miljkovic richtet sich nicht nur an Lehrende, sondern auch an Studierende und eigentlich an alle, die im Wissenschaftssystem tätig sind. Natürlich dreht es sich darin überwiegend um Plagiatprävention, aber auch verwandte Themen werden angesprochen. Ab und an gibt es auch besondere Aktionen, wie etwa eine Buchverlosung oder eine Blogparade. Seit Herbst 2016 erscheint wieder regelmäßig jeden Mittwoch ein neuer Artikel.

Mit Natascha Miljkovic arbeite ich übrigens schon seit einiger Zeit zusammen, was sich bisher in folgenden Beiträgen niedergeschlagen hat:

Gastbeitrag „Unredlichkeiten und Plagiate aktiv angehen“

Interview „Plagiatprävention“

Mein Beitrag zur Blogparade 2016: Manifest für Lehrende

Nils Müller: http://nilsmueller.info/blog/

Auf seinem Blog veröffentlicht Nils Müller, Schreibberater an der FH Bielefeld, sporadisch Artikel zu seinen Erfahrungen in der Beratung der Studierenden und zu allgemeineren Aspekten des wissenschaftlichen Arbeitens, wie etwa zum Einsatz des Literaturverwaltungsprogramms Citavi. Die Inhalte der Tagung „Wissenschaftliche Textkompetenz fördern“ im Dezember 2016 in Bochum, an der ich ebenfalls teilgenommen habe, hat Nils Müller hier zusammengefasst und mir damit viele interessante Aspekte noch einmal vor Augen geführt.

Nils Müller hat übrigens auch an der oben erwähnten Blogparade 2016 teilgenommen: Wissenschaftliches Schreiben als Handwerk.

Schreibaschram: http://schreibaschram.de/de/category/allgemein/

Dieser Blog liefert kleine Einblicke in den Ablauf des Schreibaschrams, eines besonderen Trainings für konzentriertes Schreiben. Das Angebot richtet sich an fortgeschrittene Schreibende in der Wissenschaft. Nach welchen didaktischen Prinzipien Ingrid Scherübl und Katja Günther in ihrem Schreibaschram arbeiten, lesen Sie im Gastbeitrag „Writing by doing“. Zu meiner Rezension des sehr hilfreichen Schreibimpulsfächers der beiden Autorinnen geht es hier.

Natalie Struve: http://www.nataliestruve.de/blog/

Der Blog von Text-Coach Natalie Struve ist teilweise auf Deutsch, teilweise auf Englisch verfasst und richtet sich primär an potentielle Kunden. Dennoch sind einige Beiträge auch für Lehrende anregend, wie beispielweise dieser über Hindernisse im Schreibprozess. Im Herbst 2016 wurden mehrere Beiträge in Folge veröffentlicht. Derzeit ist es wieder etwas ruhiger.

Natalie Struve ist die Begründerin der Xing-Gruppe „Leichter, schneller, besser! Wissenschaft(lich) schreiben“  – sehr empfehlenswert für den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen.

Johanna Vedral: https://schreibstudioblog.wordpress.com/beitrage/

Johanna Vedral, Psychologin sowie Trainerin für wissenschaftliches und kreatives Schreiben, veröffentlicht auf ihrem Blog nicht nur Artikel zu ihren Erfahrungen als Lehrende, sondern auch zu Schreibthemen der kreativeren Art, wie beispielsweise zu Collage Dream Writing. Sie gibt offene Einblicke in ihr eigenes Schreiben. Das Blogarchiv ist prall gefüllt, in loser Folge erscheinen neue Beiträge.

Ein Interview mit mir aus dem Sommer 2016 ist in verschiedene Beiträge eingeflossen:

Einstieg in die Hochschuldidaktik

Studierende zum kritschen Denken anleiten

Wie wird man Lektorin für wissenschaftliches Schreiben

Christian Wymanns „Mind your writing“-Blog: http://www.myw.schreibcoach.ch/

Der Untertitel dieses Blog lautet treffenderweise „Exploring (academic) writing“. Auf Englisch veröffentlicht Christian Wymann Beiträge zu seinen Erfahrungen in Lehre und Beratung und betrachtet die unterschiedlichsten Aspekte des wissenschaftlichen Schreibens. In seinem jüngsten Artikel befasst er sich zum Beispiel mit dem Feedback-Geben.

Gerade kürzlich habe ich Christian Wymanns aktuelles Buch, „Schreibmythen“, rezensiert.

 

Diese Liste darf gern wachsen! Ich freue mich über Kommentare mit Ihren Empfehlungen.

 

Wymann: Got 99 problems, writing ain’t one

Wymann, Christian (2016): Schreibmythen entzaubern. Ungehindert schreiben in der Wissenschaft. Opladen und Toronto: Verlag Barbara Budrich (UTB).

Preis: 12,99 Euro

 

Überblick über den Inhalt:

Wenn Mythen uns im Weg stehen

I Mythen zu den Schreibenden

1 Ich kann einfach nicht schreiben

2 Ich muss inspiriert sein

3 Übers Schreiben spricht man nicht

II Mythen zum Schreibprozess

1 Ich muss zuerst alles lesen und wissen

2 Ich sollte wie die anderen arbeiten

3 Ich brauche viel Zeit am Stück

III Mythen zum Text

1 Mein Erstentwurf muss perfekt sein

2 Ich darf niemals das Wort „Ich“ verwenden

3 Ich muss kompliziert und umständlich schreiben

Schluss: Mythen durchschauen

Dr. Christian Wymann arbeitet als Schreibberater an der Universitätsbibliothek Bern und außerdem als Schreibcoach für Studierende und Forschende (http://www.myw.schreibcoach.ch/ueber-mich/).

 

Wymann: Got 99 problems, writing ain‘t one

Der Buchtitel klingt verheißungsvoll: „Schreibmythen entzaubern“. Und als ob das nicht genug wäre, wird im Untertitel zusätzlich noch eine sehr, sehr verlockende Vorstellung beschrieben: „Ungehindert schreiben“. Wer wünscht sich das nicht?

Eine große Versprechung wird hier also gemacht: Wenn Du das hier liest, lieber Leser, hast Du vielleicht immer noch 99 Probleme in Deinem Leben, aber das Schreiben wird keins davon sein. (Um es einmal mit Jay-Z zu sagen.)

Ein anderer Zugang

Kann das gelingen? Kann ein einzelnes Buch diesen Anspruch erfüllen? Wer als Problemlösung einen klassischen Ratgeber mit allerlei Tipps erwartet, liegt falsch. Wymann geht anders vor. Er beschreibt insgesamt neun so genannte „Schreibmythen“. Darunter ist eine falsche Vorstellung zu verstehen, die man sich vom Schreiben macht. Diese Mythen ergänzt der Verfasser durch Schilderungen prominenter Autoren und Autorinnen und schließt daran Hilfestellungen für Schreibende an („Was Sie tun können“). Wymann stellt in dem Buch Bekanntes zusammen und erhebt auch gar nicht den Anspruch, etwas komplett Neues zu bieten, wie er selbst auf S. 10 f. schreibt. Dennoch ist das Buch sehr hilfreich, eben weil es einen anderen Zugang als herkömmliche Ratgeber bietet.

Durch die Gliederung in 3×3 Mythen erschließt sich die Struktur des Inhalts schnell: Im ersten Teil geht es um den Schreiber selbst, im zweiten Teil um den Prozess des Schreibens und im dritten um das Produkt, den Text. Mit einem Umfang von 118 Seiten lädt das Buch auch diejenigen zum Lesen ein, die vielleicht eher schnelle Hilfe suchen. Zudem ist es durch die verständliche Sprache und die klaren Formulierungen gut lesbar. An den passenden Stellen veranschaulichen Beispiele aus Wymanns Coaching-Praxis und seine eigene Erfahrungen mit dem Schreiben das Gesagte.

Durch die Schreibhölle gehen?

Im Schlusskapitel schreibt Wymann “Schreibbeschwerden empfand ich nur unbewusst als Problem, aber nicht als etwas, was ich gezielt und mit externer Hilfe hätte angehen können. Das war einfach so; da musste ich durch, meinte ich. Womöglich dachte ich insgeheim, dass es eine Art Prüfung sei, wenn man durch die Schreibhölle geht und sie durchsteht. Dass Schreiben keineswegs gleich einer Hölle sein muss, sondern ein anstrengender, herausfordernder, aber auch befriedigender Hindernisparkour sein kann, kam mir nicht in den Sinn.“ (S. 111 f.)

So geht es wahrscheinlich vielen, und damit komme ich zur Ausgangsfrage zurück. Kann ein einzelnes Buch dazu führen, dass man fortan ungehindert schreiben wird? Ja, denn um am eigenen Schreiben zu arbeiten, braucht es genau diese Erkenntnis aus dem Zitat. Durch die Lektüre des Buches reift sie früher heran. Das ist der erste und wahrscheinlich wichtigste Schritt zur Entzauberung der Mythen und damit zum ungehinderten Schreiben.

Welchen Studierenden kann man das Buch empfehlen?

Das Buch kann allen Studierenden dabei helfen herauszufinden, ob sie falschen Vorstellungen über das Schreiben erlegen sind. Wer bereits weiß, dass er eines der neun Probleme hat, findet sich in den Beschreibungen der Schreibenden wieder und profitiert von den Denkanstößen.

Den größten Nutzen entfaltet das Buch vermutlich bei Anfängern oder, besser gesagt, bei Schreibenden, die sich noch nicht intensiv mit dem Schreiben auseinandergesetzt haben. Manche Mythen halten sich ja durchaus hartnäckig ein halbes Schreiberleben lang.

Was bringt es für den Einsatz in der Lehre?

Schreibberater finden vor allem in den Beispielen gute Ansatzpunkte, um ihre eigene Beratungspraxis bei Bedarf etwas anzureichern. Fachlehrende, die sich bisher nicht in der Literatur zur Schreibforschung und -didaktik informiert haben, erhalten eine gute Vorstellung davon, was in den Köpfe ihrer Studierenden beim Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten passieren mag. Auch ein eigener Nutzen durch die Lektüre ist nicht auszuschließen. Vielleicht sind Sie ja auch einem Schreibmythos erlegen?


Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Studierende, verzettelt Euch!

Wie viele Ihrer Studierenden lesen eigentlich so viel wissenschaftliche Literatur, dass sie Gefahr laufen, dabei den Überblick zu verlieren?

Sollten Sie angesichts dieser Frage gerade vor lauter Lachen vom Stuhl gefallen sein, tut es mir leid. Das wollte ich nicht!

Oder kennen Sie vielleicht doch eher Studierende, die gern etwas mehr Quellen verarbeiten dürften?

Ich schätze, dass die Antwort recht eindeutig ausfällt.

Einer (!) der Gründe für die „Leseunlust“ mag darin liegen, dass die Studierenden gar nicht wissen, wie sie ihr neu angelesenes Wissen organisieren sollten. Ein Gefühl der Überforderung macht sich breit, allein schon bei der Vorstellung von Bücherstapeln und riesigen Dateiordnern mit ungezählten PDFs. Exzerpieren ist ja schön und gut, aber wohin dann mit all den Exzerpten? Eine „Lösung“ sehen viele Studierende in der Reduktion der Quellenarbeit auf das Nötigste. Damit sind sie, was die Belastung und Arbeitstechniken angeht, auf der sicheren Seite, denn einige wenige Quellen lassen sich auch ohne besondere Hilfsmittel überschauen. Ein einfaches Durcharbeiten der Texte mit Markierungen und Randnotizen funktioniert noch gut, und das Problem der Exzerpte und deren Verwaltung taucht erst gar nicht auf.

Schade!

Mit einer solchen Vermeidungshaltung nehmen sich diese Studierenden viel. Zum Beispiel die Chance, neues Wissen aufzunehmen und sich fachlich weiterzuentwickeln. Was war noch gleich der Sinn eines Studiums?

Als Lehrende sollten wir aufzeigen, wie der Umgang mit Wissen gelingen kann, so dass es eben nicht so schnell zu überfordernden und abschreckenden Situationen kommen kann. Dazu bedarf es der richtigen Methoden und Techniken, und ja, auch der richtigen Tools. Diese müssen wir den Studierenden zugänglich machen.

Selbstverständlich lassen sich Exzerpte auch handschriftlich anfertigen und anschließend in Ordnern oder Karteikästen ablegen. Wer auf diese Weise gut zurecht kommt, muss sich nicht unbedingt umstellen. Ungezählte wissenschaftliche Publikationen sind auf der Basis solcher Vorarbeiten entstanden. Luhmanns Zettelkasten ist wohl das prominenteste Beispiel für einen nicht-digitalen Wissensspeicher.

Problematisch wird es bei der Arbeit ohne Software meist nicht beim Erstellen der Exzerpte, sondern beim Wiederfinden der Inhalte („Wo stand das noch mal? Ich habe das kürzlich doch irgendwo gelesen.“). Ohne ein ausgeklügeltes System und ein jederzeit zuverlässig funktionierendes Gedächtnis sieht man da manchmal alt aus.

Zettel, überall Zettel

Was ist die Lösung? Ein digitales Notizprogramm.

Das Angebot an Notizprogrammen wächst stetig. Allerdings ist die allgemeine Software wie OneNote, Evernote usw. für das wissenschaftliche Arbeiten nur mäßig geeignet, denn ihr fehlt eine Schnittstelle zur Literaturverwaltung.

Das Programm meiner Wahl ist daher der Zettelkasten ZKN von Daniel Lüdecke, die digitale Version des guten alten Zettelkastens. Den empfehle ich auch sehr gern meinen Studierenden weiter. Von Vorteil ist, dass er kostenlos erhältlich und plattformunabhängig zu nutzen ist. Einen Nachteil hat das Programm leider auch, nämlich dass es nicht ganz so modern daherkommt: Die Nutzeroberfläche wirkt ziemlich sachlich und nicht gerade einladend, es gibt keine ergänzende App, und die Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit anderen besteht auch nicht. (All diese Nachteile weist das herkömmliche Karteikartensystem, so nebenbei gesagt, übrigens auch auf.)

Der Zettelkasten kommt Luhmanns Arbeitsweise sehr nahe. Kurz gesagt: Mit dem Zettelkasten können Sie auf „Zetteln“ Informationen erfassen und sie mit Schlagworten sowie Verweisen und Literaturangaben versehen. Wenn Sie später mit den Zetteln weiterarbeiten wollen, lassen sich diese komfortabel suchen, nach Wunsch auf einem so genannten Schreibtisch anordnen und zu einem exportierbaren Rohtext zusammenstellen. Wer neugierig geworden ist, kann nähere Informationen auf Daniel Lüdeckes Blog und seinem YouTube-Kanal finden. (Update: Auch in meinem Buch erhalten Sie eine erste Einführung in die Nutzung des Zettelkastens. )

In einer Hinsicht ist bei der Arbeit mit dem Zettelkasten allerdings umdenken angesagt. Anstatt Ordner und Kategorien anzulegen und seine Zettel hinein zu sortieren, vergibt man für jeden Eintrag passende Schlagworte (tags). Diese Technik ist den meisten Studierenden wiederum gar nicht so fremd, weil sie sie von den sozialen Medien kennen (mehr dazu im Artikel #zitieren). Bei der Suche nach Inhalten helfen die Schlagworte und dabei ganz besonders eine bestimmte Funktion. Sie können Ihrem Zettelkasten nämlich beibringen, welche Schlagworte Sie als Synonyme verstanden haben wollen. So müssen Sie sich bei deren Vergabe nicht vorab festlegen oder gar erinnern, welche Schlagworte Sie bereits nutzen oder vor Jahren einmal verwendet haben.

Zettel zeigen

In der Vorlesung habe ich derzeit noch ein Problem. Ich will meine eigene Zettelkasten-Datenbank nicht zeigen. Das wäre mir dann doch zu persönlich, wenn alle sehen könnten, womit ich mich gerade beschäftige, wie ich formuliere und welche Schlagworte ich vergebe. Der nächste logische Schritt ist also das Anlegen einer aussagekräftigen Demo-Datenbank. Denn je weniger in so einem Zettelkasten erfasst ist, desto weniger spannend ist er leider auch. Je mehr Einträge vorhanden sind, desto besser entfaltet er seine Wirkung. Die Studierenden müssen derzeit also noch viel Vorstellungskraft mitbringen. Dennoch weiß ich von einigen, die in der Zeit zwischen zwei Vorlesungen zur Tat geschritten sind und den Zettelkasten einfach ausprobiert haben.

Wie halten Sie es mit den Zetteln? Was empfehlen Sie Ihren Studierenden?

Träger: Modernes Zitieren

Träger, Thomas (2016): Zitieren 2.0. Elektronische Quellen und Projektmaterialien richtig zitieren. München: Verlag Franz Vahlen.

Preis: 14,90 Euro

Überblick über den Inhalt:

A. Einführung

B. Grundlagen wissenschaftlicher Quellenarbeit

Sinn und Zweck von Quellenangaben und Zitaten/Wissens- und Datenquellen/Anforderungen an Quellen/Direktes, indirektes Zitat und Rezitat

C. Die korrekte Zitierweise wählen

Systematik und Priorisierung der Zitierweisen/Wahlentscheidungen beim Zitieren/Zitierstile/Überlegungen zum Zitierstil in diesem Buch

D. Zitieren aus dem Internet und von elektronischen Quellen

Besonderheiten digitaler Quellen/Qualitätskriterien und Zitierwürdigkeit elektronischer Quellen/Zitierfähigkeit der Quellen verbessern/Konkrete Zitiervorgaben nach Werks-/Medienart/Praktische Tipps für die Arbeit mit elektronischen Quellen

E. Zitieren von öffentlich zugänglichen Firmenquellen

Besonderheiten öffentlich zugänglicher Firmenquellen/Qualitätskriterien öffentlicher Firmenquellen/Zitierfähigkeit und Zitierwürdigkeit öffentlicher Firmenquellen verbessern/Konkrete Zitiervorgaben nach Werks-/Medienart

F. Zitieren von firmeninternen Quellen

Besonderheiten interner Quellen/Qualitätskriterien interner Quellen/Zitierfähigkeit und Zitierwürdigkeit interner Quellen verbessern/Konkrete Zitiervorgaben nach Werks-/Medienart/Praktische Tipps für die Arbeit mit internen Quellen

G. Fazit

Das komplette Inhaltsverzeichnis und eine Leseprobe finden Sie auf der Website des Verlags.

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Träger: Modernes Zitieren

Noch ein Buch über das Zitieren. Ist nicht schon alles gesagt, und zwar von allen? Ist so ein Buch denn tatsächlich nötig?

Thomas Träger, Professor an der Steinbeis-Hochschule Berlin, zieht die Motivation für das Buch aus seiner Tätigkeit als Betreuer wissenschaftlicher Arbeiten. Dabei fiel ihm auf, welche Schwierigkeiten das Zitieren vielen Studierenden bereitet, vor allem beim Wissenstransfer zwischen Theorie und Praxis.

Ja, ein weiteres Buch über das Zitieren ist also nötig, denn es fehlen noch Standards für Internet- und elektronische Quellen, außerdem für Publikationen von Unternehmen und für firmeninterne Dokumente.

Alles drin

Zunächst einmal werden Grundlagen geschaffen: Träger erklärt die beiden Begriffe „Zitierfähigkeit“ und -„Zitierwürdigkeit“ sowie die einzelnen Zitierweisen und Zitierstile. Darauf aufbauend kommt der Autor dann in den Kapiteln D, E und F zum eigentlichen Kern, dem Zitieren aus dem Internet, aus öffentlich zugänglichen Firmenquellen und aus firmeninternen Quellen.

Und hier wird es wirklich ausführlich. In die Rubik „Elektronische Quellen“ fallen Audio-Stream/Podcast, Blog, DVD/CD, e-Book, Enzyklopädie, Fachlexikon, Forum, Internetseite, Twitter, Video und You-Tube sowie Zeitschriftenartikel.

Bei den öffentlich zugänglichen Firmenquellen behandelt der Autor Broschüren, Firmenwebseiten, Geschäftsberichte, Jahres- und Konzernabschlüsse, Präsentationsfoliensätze, Prospekte, Datenblätter und Kataloge sowie Reden von Firmenvertretern.

Richtig spannend wird es bei den firmeninterne Quellen, die ja landläufig als kaum zitierfähig gelten, weil sie eben nicht öffentlich zugänglich und damit schlecht nachvollziehbar sind (Tipps zur Herstellung der Zitierfähigkeit durch eine dauerhafte Archivierung der Quellen werden natürlich gegeben). In diesem Kapitel thematisiert der Autor die folgenden Werks- und Medienarten: Arbeitsanweisung, Betriebsanweisung, Betriebsvereinbarung, Datenbankinhalte, E-Mail, Handbücher: Organisations-, Qualitätshandbuch, Interview, Intranet-Inhalte, Memos und Notizen, Organigramm, Präsentationsfoliensätze, Projektauftrag, Prozessdiagramm, Rundschreiben und Verfahrensanweisung.

Auf den Punkt gebracht

Überzeugend finde ich, dass das Buch sich voll und ganz dem Zitieren widmet und nicht alibimäßig ein kompletter Ratgeber zum wissenschaftlichen Arbeiten um die entsprechenden Kapitel herumgebastelt wurde.

Hilfreich für das Verständnis ist die Unterscheidung von Wissens- und Datenquellen (grob gesagt „Theoriequellen“ und Daten aus der realen Welt). Nach meiner Erfahrung ist das ein Bereich, der für viele Studierende schwer zu durchschauen ist. Mit diesem Begriffspaar lässt sich der Unterschied gut vermitteln, wenngleich die Begriffe nicht hundertprozentig trennscharf sind. Sie erfüllen ihren Zweck. Es wird klar, warum man mit der einen Quelle anders umgeht als mit der anderen.

Für eine eventuelle Neuauflage wäre ein Index/Sachregister wünschenswert, und wenn es nur der Vollständigkeit dient. Denn aufgrund des ausführlichen Inhaltsverzeichnisses kann sich der Leser auch jetzt schon gut zurechtfinden.

Welchen Studierenden kann man das Buch empfehlen?

Bei Trägers „Zitieren 2.0“ handelt es sich um ein Buch, das prinzipiell für alle Studierenden nützlich sein kann. Gemäß der fachlichen Herkunft des Autors ist es zwar etwas BWL-lastig, aber das stört ja nicht weiter.

Gerade jene Studierende, die viel aus „nicht-klassischer Literatur“ zitieren, profitieren davon. Vielerorts existieren natürlich Handreichungen. Es würde mich aber wundern, wenn in diesen bereits alle hier behandelten Fälle abgedeckt wären.

Für Studierende in dualen Studiengängen, in denen laut dem Autor „die spannendsten Abschlussarbeiten“ verfasst werden (S. 121), ist das Buch eine große Hilfe. Für Studierende, die ihre Abschlussarbeit in einem oder für ein Unternehmen schreiben, gilt dies natürlich gleichermaßen.

Was bringt es für den Einsatz in der Lehre?

Wenn Sie Beispiele für die Lehre suchen, werden Sie hier auf jeden Fall fündig. Auch für Nachfragen Ihrer Studierenden werden Sie nach der Lektüre gut gerüstet sein.

Ansonsten ist Ihnen die Lektüre vor allem anzuraten, wenn Sie für Ihren Fachbereich, Lehrstuhl etc. eine Handreichung für die Studierenden neu aufsetzen oder aktualisieren wollen. Mit „Zitieren 2.0“ haben Sie eine sehr gute Diskussionsgrundlage und können die Zitiervorschläge leicht an Ihre Bedürfnisse anpassen.


Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

 

Lahm: Schatzkiste

Lahm, Swantje (2016): Schreiben in der Lehre. Handwerkszeug für Lehrende. Opladen & Toronto: Verlag Barbara Budrich (UTB).

Preis: 16,99 Euro

Überblick über den Inhalt:

Spaß in der Lehre?

1 Fachlich lernen durch Schreiben
2 Schreibprozesse als Lernprozesse
2.1 Schreiben können – was heißt das genau?
2.2 Schreiben im Studium: Erfahrungen und Strategien von Studierenden
2.3 Spontan, elaboriert, komplex: Fähigkeiten, die das Schreiben fordert und fördert
3 Das Schreiben in der Lehre vorbereiten
3.1 Lehre, was Du tust: die eigene Schreibpraxis erkunden
3.2 Die Latte hochhängen: anspruchsvolle Schreib- und Arbeitsaufträge entwickeln
3.3 Den Rahmen abstecken: Lehrveranstaltungen vorausdenken
4 Vom Fragen und Zuhören
4.1 „Wer nicht fragt …“: wie Schreiben das Fragenlehren unterstützt
4.2 Lesen wie der Lauscher an der Wand: Lesen lehren durch Schreiben
5 Vom Denken und Sprechen
5.1 Informell und explorativ: Denken lehren durch das Schreiben in und zwischen den Sitzungen einer Veranstaltung
5.2 Gemeinsam Wissen schaffen durch Schreiben
6 Vom Forschen
6.1 Schritt für Schritt: Forschen lehren durch Schreiben
6.2 Anleitung zur Selbständigkeit: Studierende beim forschenden Schreiben begleiten
7 Von der Neugier und der Lust auf gute Texte
7.1 Ein guter Text ist kein One-Night-Stand: Überarbeitung ermöglichen
7.2 Benoten und dennoch neugierig bleiben
8 Zum Abschluss: eine Einladung zum Austausch

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Lahm: Schatzkiste

Wer über „Schreibintensive Lehre“ spricht, kommt in Deutschland an Bielefeld nicht vorbei. Hier finden richtungsweisende Aktivitäten statt, mit denen das fachliche Lernen der Studierenden durch Schreiben in der Lehre gefördert wird. Studentische Texte dienen nicht nur als Prüfungsleistungen, die nach dem Benoten in der Schublade verschwinden, sondern erleichtern ihren Verfassern den Einstieg in die jeweilige Disziplin mit ihren spezifischen Denkweisen.

Augenöffner

Das vorliegende Buch von Swantje Lahm hilft hoffentlich dabei, die lange vernachlässigte Kraft des Schreibens im Lernprozess zu verdeutlichen und den Ansatz des Schreibens in der Lehre im deutschsprachigen Raum zu verbreiten. Die Autorin stellt dafür ihr gesammeltes Wissen und ihre Erfahrung aus ihrer langjährigen Tätigkeit zur Verfügung (mehr zur Autorin und ihrem Hintergrund: Interview). Dabei gelingt es ihr en passant, Verständnis für die Studierenden zu schaffen. Sie kennt deren Nöten und Sorgen sowie deren Schwierigkeiten auf allen Ebenen, wenn sie Texte verfassen sollen. Gerade denjenigen Fachlehrenden, die sich nicht intensiv mit Schreiben und Schreibdidaktik auseinandergesetzt haben, öffnet das vermutlich das eine oder andere Mal die Augen.

Stöbern in der Schatzkiste

Die Abfolge der acht Kapitel wirkt gut durchdacht: Der Leser wird behutsam in die für ihn neue Denkweise eingeführt, seine möglichen Vorbehalte („Wer soll das alles lesen?“) werden entkräftet, und er wird Schritt für Schritt in die Lage versetzt, entsprechende Änderungen in seiner Lehre vorzunehmen. Die Sprache des Buches ist lebendig, oft wird der Leser auch direkt angesprochen. Konkrete Anregungen für die Umsetzung in der eigenen Lehre bieten die integrierten Übungen, bei denen es sich sowohl um Übersetzungen aus der englischen Literatur als auch um Übungen der Autorin handelt.

Der Begriff „Handwerkszeug“ im Untertitel kommt recht schnöde daher, so passend er auch sein mag. Für mich persönlich trifft es „Schatzkiste“ besser, denn ich habe so viel Wertvolles in Swantje Lahms Buch gefunden: die Bestätigung eigener Erfahrungen, etliche Quellen zum Weiterlesen, zahlreiche Übungen und Gedankenanstöße.

Welchen Studierenden kann man das Buch empfehlen?

Das Buch richtet sich nicht an Studierende. Übungen für Studierende sind zwar enthalten. Diese werden jedoch den Lehrenden vorgestellt und erläutert, damit sie sie gewinnbringend in der Lehre einsetzen können.

Was bringt es für den Einsatz in der Lehre?

Viel, sehr viel. Das Buch baut neben der Wissensvermittlung über den Ansatz des Schreibens in der Lehre vor allem auf erprobte und kommentierte Übungen. Dadurch wird zum einen sichergestellt, dass die Lehrenden nicht mit „Übungen vom Reißbrett“ arbeiten. Zum anderen lernen sie durch die Erläuterungen, wie (und dass!) sie die Übungen an ihre Veranstaltung und ihre Vorlieben anpassen sollten. Das Auflisten in zwei getrennten Verzeichnissen („Übungen für Lehrende“ und Übungen für Studierende“) erleichtert das Wiederfinden.


Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!