Einfach auffächern und weiterschreiben

Scherübl, Ingrid und Katja Günther (2015): Der Schreibimpulsfächer. Inspirationen für das Selbstcoaching beim Schreiben. Barbara Budrich: Leverkusen.

12,99 Euro

 

Inhaltsverzeichnis

Das Wort „Inhaltsverzeichnis“ wirkt nicht ganz passend für den Schreibimpulsfächer, denn es handelt sich dabei nicht um ein Buch, sondern eben tatsächlich um einen Fächer. Dessen Karten im Format 5,4 x 20 cm sind nach den fünf Phasen einer optimalen Arbeitseinheit gegliedert:

Einstimmen – Loslegen – Durchsteigen – Dranbleiben –Abrunden.

Jede Phase trägt eine bestimmte Farbe auf der Rückseite und dem Register auf der Vorderseite. Das erleichtert den schnellen Zugriff.

 

Cover_Schreibimpulsfächer

Einfach auffächern und weiterschreiben

Der Schreibimpulsfächer ist für das Selbstcoaching gedacht. Seine 55 Schreibimpulse „inspirieren Deinen Schreibprozess genau da, wo Du gerade stehst.“ Demnach soll der Fächer auch nicht angewendet werden, wenn es gerade gut läuft, sondern nur wenn es stockt.

Die Tipps des Schreibimpulsfächers beflügeln und spenden Motivation. Sein Format zwingt zu kurzen, prägnanten Tipps. Für ellenlange Erklärungen ist kein Platz. Das wirkt.

Sowohl handfeste Tipps als auch eher emotionale Tipps sind vertreten. Die Impulse sprechen zudem Geist und Körper an. Das Konzept einer sinnvollen Balance von Konzentration und Erholung, das die Autorinnen verfolgen, ist hier sehr gut umgesetzt.

In die Hand nehmen und wieder ins Handeln kommen

Wer sich ein bisschen mit dem Thema Schreiben befasst hat, kennt viele Tipps aus den einschlägigen Ratgebern. Aber: Haben die Schreibenden diese Tipps dann auch tatsächlich parat, wenn es darauf ankommt? Den Fächer hingegen nimmt man bei Bedarf gern in die Hand, blättert ein bisschen darin und bringt sich dadurch wieder zum Handeln.

Offene Fragen

Zwei Fragen sind bei mir offen geblieben, und ich hoffe auf kundige Antworten von Ihnen.

Erstens: Woher können (gerade unerfahrene) Schreibende wissen, dass ein bestimmter Tipp gerade gut für sie ist? Das, was einen anspricht, kann ja genau in dem Moment ungünstig oder sogar kontraproduktiv sein. Ich denke da zum Beispiel an einen Impuls aus der Kategorie „Loslegen“, der einem empfiehlt, an einer ganz anderen Stelle im Text weiterzuarbeiten: „Folge der Anziehung“. Was, wenn man sowieso dazu neigt, sich zu verzetteln?

Zweitens: Mich würde interessieren, wie es um die Langzeitwirkung bestellt ist. Kann der Schreibimpulsfächer auf Dauer begeistern, oder verfliegt die Begeisterung im Laufe der Zeit?

Welchen Studierenden kann man den Schreibimpulsfächer empfehlen?

Alle, die etwas schreiben müssen oder wollen, können grundsätzlich vom Schreibimpulsfächer profitieren. Dabei ist es egal, wie weit das Studium fortgeschritten ist, oder um welche Fachrichtung es geht. Der Fächer dürfte auch für andere Textsorten als wissenschaftliche Arbeiten hilfreich sein, weil die meisten Impulse eher allgemein gehalten sind.

Vorteilhaft ist es wahrscheinlich, wenn die Schreibenden schon ein wenig Erfahrung mitbringen (vgl. die erste der beiden offenen Frage). Dann fällt es ihnen leichter zu beurteilen, ob ein bestimmter Impuls zu der Situation passt, in der sie sich gerade befinden.

Seine Grenzen hat der Fächer dort, wo es um das Produkt des Schreibens geht. Dabei hilft er nicht, dazu gibt er keine Erläuterungen. Der Fokus liegt auf dem Prozess. Das ist auch gut so. Auf so engem Raum sollte man nicht versuchen, „alles“ unterzubringen, um den Grundgedanken nicht zu verwässern.

Was bringt er für den Einsatz in der Lehre?

Einen direkten Nutzen für die Lehre sehe ich beim Schreibimpulsfächer nicht. Natürlich kann man in der Vorlesung oder in einem Workshop über die einzelnen Tipps sprechen. Der Hauptvorteil des Fächers liegt jedoch in seiner direkten Verfügbarkeit während des Schreibens.

Lehrende können den Schreibimpulsfächer ihren ratsuchenden Studierenden bedenkenlos weiterempfehlen. Ewige Dankbarkeit wird ihnen sicher sein.

 


Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

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