Töpfer: Für die Forscher von morgen

Töpfer, Armin (2012): Erfolgreich Forschen. Ein Leitfaden für Bachelor-, Masterstudierende und Doktoranden. 3. Aufl., Wiesbaden: Springer Gabler.

Preis: 29,95 Euro

Überblick über den Inhalt:

Kapitel A: Was bietet mir dieser Forschungs-Leitfaden?

Kapitel B: Wie entwickle ich die Gesamtstruktur für meine wissenschaftliche Arbeit?

Kapitel C: Wie ist der Prozess des Gewinnens und Umsetzens wissenschaftlicher Erkenntnisse insgesamt strukturiert?

Kapitel D: Auf welcher wissenschaftstheoretischen Grundlage basiert der in diesem Forschungs-Leitfaden vorgestellte wissenschaftliche Erkenntnisprozess, und welche Alternativen gibt es hierzu?

Kapitel E: Was untersuche ich theoretisch, wofür will ich Erklärungen geben und Gestaltungen ermöglichen?

Kapitel F: Wie sind Ursachen-Wirkungs-Zusammenhänge/Hypothesen als Kernstücke erkenntniswissenschaftlicher Forschungen herauszuarbeiten?

Kapitel G: Wie erhebe ich empirische Daten, wie prüfe ich meine theoretischen Erkenntnisse mit quantitativen Untersuchungen?

Kapitel H: Wie kann ich Gestaltungsempfehlungen zur Lösung praktischer Probleme geben?

Kapitel I: Was sind Stolpersteine und Fußangeln beim Forschen und Anfertigen einer wissenschaftlichen Arbeit?

Kapitel J: Durchgängige Beispiele für die Konzeptualisierung und Operationalisierung in Forschungsarbeiten

Kapitel K: Wie kann ich mein wissenschaftliches Arbeiten erfolgreich organisieren?

Kapitel L: Wie präsentiere ich den Stand und die Fortschritte meiner wissenschaftlichen Forschungsarbeit erfolgreich?

 Cover Töpfer

Töpfer: Für die Forscher von morgen

Bei diesem Buch handelt es sich um einen echten Wälzer. Mit über 430 Seiten ist es deutlich ausführlicher als der Durchschnitt der anderen erhältlichen Ratgeber. Allein das Inhaltsverzeichnis umfasst acht Seiten!

Der Umfang allein sagt aber natürlich nichts über die besondere Qualität aus. Entscheidend ist für mich: Der Leitfaden kombiniert die Inhalte eines Ratgebers zum Wissenschaftlichen Arbeiten mit Grundwissen eines Statistiklehrbuchs. Gerade das macht ihn interessant. Damit hebt er sich von der Masse ab und wird seinem Titel „Erfolgreich Forschen“ gerecht.

Der Aufbau des Buches orientiert sich am wissenschaftlichen Prozess und wird mit dem „Haus der Wissenschaft“ visualisiert.  Am Ende jedes Kapitels finden Interessierte weiterführende Literaturhinweise.

Haus der Wissenschaft

Töpfer schreibt: „Das Ziel dieses Buches ist keine breite methodische Diskussion der Wissenschaftstheorie und der empirischen Forschung. Vielmehr soll gesichertes Basiswissen des Wissenschaftlichen Arbeitens und Forschens strukturiert und verständlich vermittelt werden. Dieser Forschungs-Leitfaden kann so unmittelbar als Basis für die Anfertigung einer eigenen wissenschaftlichen Arbeit verwendet werden.“ (Quelle: http://www.forschungs-leitfaden.de/presentation.php)

Echte Beispiele aus der Forschung

Töpfer leitet die Forschungsgruppe für Marktorientierte Unternehmensführung an der TU Dresden, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2010 Professor war. Aus seiner Tätigkeit bezieht er die Beispiele, wobei Bezüge zu anderen Disziplinen vorhanden sind und Töpfer seinen Ratgeber als disziplinenübergreifende Anleitung verstanden haben möchte (S. 16):

  • „Kundenbindungsmanagement und Sanierungserfolg – Explorative Analyse der Wirkungszusammenhänge“
  • „Beschwerdezufriedenheit und Kundenloyalität im Dienstleistungsbereich – Kausalanalysen unter Berücksichtigung moderierender Effekte“
  • „Anforderungen an die Unternehmenskultur bei der erfolgreichen Einführung von Lean Six Sigma“
  • „Erzeugen von innovativen und robusten Produkten im Produktentstehungsprozess (PEP)“
  • „Kundenorientierte Gestaltung von Internetportalen zur Steigerung des Kundenwertes in der Zielgruppe 50+“
  • „Risikomanagement und Lernen im Krankenhaus“

Die empirische Forschung kommt demnach nicht zu kurz. Ausführlich wird behandelt, welche Arten von Hypothesen es gib und worauf bei deren Formulierung zu achten ist. Die zur Auswahl stehenden Methoden werden übersichtlich den Arten möglicher Forschungsprobleme zugeordnet. So kann sich jeder relativ schnell orientieren.

Was fehlt diesem Buch?

Kurz gesagt, eigentlich nichts. Eigentlich.

Der Autor hält sich an seine Ankündigung, nur so viel Wissenschaftstheorie wie nötig zu behandeln. Die Inhalte reichen aus, um sein eigenes Vorgehen einzuordnen und gegebenenfalls hinterfragen zu können. Das muss an dieser Stelle genügen und stellt sicher keine Schwäche dar.

Kapitel K, das „Praktische Tipps zur Organisation des eigenen Wissenschaftlichen Arbeitens“ behandelt, wurde ziemlich kurz gehalten (30 der 437 Seiten). Damit geraten die praktischen Tipps im Vergleich zu anderen auf dem Markt erhältlichen Titeln eher oberflächlich. Dies darf man jedoch bei Master-Studierenden und Doktoranden sowieso als bekannt voraussetzen. Interessierten Anfängern sollten Lehrende sowieso andere Bücher empfehlen (siehe unten).

Aus meiner Sicht das einzige wirkliche Manko: Den qualitativen Ansätze der Forschung widmet Töpfer nur etwas über drei Seiten, also fast gar nichts angesichts des Gesamtumfangs. Wer hierzu eine zielführende Anleitung sucht, wird sie nicht im erhofften Ausmaß finden.

Welchen Studierenden kann man das Buch empfehlen?

In einer idealen Welt wären selbstverständlich alle (BWL-)Studierenden an der Lektüre dieses Buches interessiert. Sie wären auch gut damit bedient, weil es so umfassend und sehr gut nachvollziehbar geschrieben ist.

Allerdings würde ich das Buch definitiv nicht Erstsemestern empfehlen, es mag sogar für den durchschnittlichen Bachelor-Studierenden überfordernd und abschreckend sein. Master-Aspiranten und Doktoranden finden hier jedoch mit Sicherheit einen bereichernden Leitfaden.

Durch die BWL-lastigen Beispiele fällt der Gewinn für Studierende anderer Fachrichtungen tendenziell nicht so hoch aus. Einen guten Einstieg finden aber auch sie mithilfe von Töpfers Ratgeber.

Insgesamt eignet sich das Buch nicht für den flüchtigen Leser. Es erfordert eine ernsthafte Beschäftigung mit der Materie, um wirklich davon zu profitieren.

Was bringt es für den Einsatz in der Lehre?

Durch die BWL-nahen Beispiele ist die Richtung eindeutig vorgegeben, der Nutzen für Lehrende anderer Disziplinen hält sich in Grenzen. Gleichwohl wäre es wünschenswert, wenn in anderen Disziplinen ebenso ansprechende Ratgeber zu finden wären. (Damit habe ich mich noch nicht beschäftigt – Sie dürfen es mich gern in den Kommentaren wissen lassen.)

Zudem profitiert die eigene Lehre aus Gründen der Nachvollziehbarkeit vermutlich dann am meisten, wenn man ein Beispiel komplett von A bis Z behandelt und nicht nur Teile davon herausnimmt. Denn der Aha-Effekt tritt wohl vor allem ein, wenn man sich auf die detaillierte Behandlung einlässt. „Ganz oder gar nicht“ empfiehlt sich hier also als Devise.

Ein Vorschlag noch, der wahrscheinlich über die Intention des Autors herausgeht: Die Übersicht über die „25 Fallstricke“ in Kapitel I lässt sich gut als Checkliste bei der Korrektur studentischer Arbeiten nutzen.

Zum Erfahrungsaustausch wurde eine Internet-Plattform geschaffen. Leider wird dieses von der Zielgruppe nicht angenommen: 0 Mitglieder und folglich 0 Beiträge (Stand 01.11.2015). Dozierende können über die Website jedoch auch Unterrichtsmaterialien anfordern und die vielen hilfreichen Abbildungen in ihren Lehrveranstaltungen einsetzen.


Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.