Tuhls: Wenn Word-Nutzer die Axt schleifen

Tuhls, G.O. (2016): Wissenschaftliche Arbeiten schreiben mit Microsoft Office Word 2016, 2013, 2010, 2007. Frechen: mitp.

Preis: 19,99 Euro

Überblick über den Inhalt:

Teil I: Gute Vorbereitung ist alles!

  • 1 Dokument vorbereiten und einrichten
  • 2 Dokument in Fließtext und Überschriften gliedern
  • 3 Kopf- und Fußzeilen
  • 4 Seiten nummerieren
  • 5 Verweise und Verzeichnisse
  • 6 Formatvorlagen professionell

Teil II Word ist keine Schreibmaschine

  • 7 Text eingeben und bearbeiten
  • 8 Navigieren und markieren
  • 9 Zeilen und Absätze
  • 10 Text importieren und anpassen
  • 11 Korrektur- und Eingabehilfen
  • 12 Text formatieren und hervorheben
  • 13 Text suchen, ersetzen und sortieren

Teil III Ergänzend zum Fließtext

  • 14 Aufzählungen und nummerierte Listen
  • 15 Tabellen
  • 16 Bilder, Grafik und andere Illustrationen
  • 17 Formeln
  • 18 Abbildungen, Tabellen und andere Objekte beschriften
  • 19 Fragebogen und Formulare
  • 20 Felder und Funktionen
  • 21 Zählen und rechnen

Teil IV Arbeit abschließen und publizieren

  • 22 Dokumente verwalten
  • 23 Überarbeiten und Workflow
  • 24 Exportieren und drucken
  • 25 Viel Erfolg!
  • A Word & Windows
  • B Die eigene Word-Oberfläche
  • C Don’t panic
  • D Grundlagen und Glossar
  • Stichwortverzeichnis

Auf der Verlagsseite finden Interessierte eine ausführliche Leseprobe inklusive Inhaltsverzeichnis. Da das Inhaltsverzeichnis eines fast 500 Seiten umfassenden Buches sehr umfangreich ist, musste für die obige Darstellung eine Ebene entfernt werden. Einen besseren Einblick erhalten Sie also auf jeden Fall, wenn Sie das komplette Inhaltsverzeichnis ansehen.

Cover_Tuhls

Tuhls: Wenn Word-Nutzer die Axt schleifen

 

„Wenn ich acht Stunden Zeit hätte, um einen Baum zu fällen, würde ich sechs Stunden die Axt schleifen.”

Getreu dem bekannten Zitat Abraham Lincolns sollten sich eigentlich alle, die mit Word arbeiten, viel intensiver mit dem Programm auseinandersetzen, als sie es bisher vermutlich getan haben.

Pareto, wieder einmal

80 Prozent der Word-Anwender nutzen nur 20 Prozent der Funktionen, wird gemeinhin vermutet (S. 19). Um sich selbst – und in der Folge Ihren Studierenden – ein paar Prozentpunkte mehr zu erschließen, sollten Sie dieses Buch von Tuhls verwenden. Es ist als Arbeitshilfe gedacht und daher wie Nachschlagewerk zu lesen. Redundanzen gehen somit in Ordnung, und auch das Behandeln von Basiswissen hat seinen Platz. Der Autor kann schließlich nicht ahnen, welche 20 Prozent ein Leser beherrscht.

Mit einem Sanduhrsymbol sind die „Quick and dirty“-Lösungen für Studierende kurz vor Abgabeschluss hervorgehoben. Auch Notfallhilfe wird hier also geboten. Wer es genauer wissen will, kann in die so genannte „Trickkiste“ greifen, die mehr als Standardlösungen anbietet.

Der Autor beschreibt die Materie mit der nötigen Distanz und verwendet ab und an gern auch humorvolle Formulierungen, wie etwa das Wort „Hoppelformatierung“ für – na ja, Sie wissen schon (Leerzeichen und Tab-Sprünge, wohin man blickt). Hier schreibt kein softwareverliebter Nerd, sondern einer, der weiß, welche Probleme den Nutzern das Leben schwer machen. Das macht die Lektüre angenehm, ebenso wie die Seitenhiebe auf die Word-Entwickler und -Übersetzer.

Bei mir hat sich nach der Lektüre das beruhigende Gefühl eingestellt, dass ich zwar schon viel wusste und viele Funktionen des Programms nutze. Aber angesichts der Möglichkeiten lohnt es sich auf jeden Fall, dranzubleiben und kontinuierlich das eigene Wissen auszubauen. Theoretisch könnte man sich das alles selbst im Internet zusammensuchen, aber dann wüsste man gar nicht, was einem entgeht (weil man gar nicht wüsste, wonach man suchen könnte).

Als kleine Schwachstelle empfinde ich das Kapitel über die Literaturverwaltung, das mit zehn Seiten eher kurz ausfällt, obwohl es ein zentrales Thema des wissenschaftlichen Arbeitens ist. Im Stichwortverzeichnis ist dieses Kapitel außerdem unter „Quellenverwaltung“ (bzw. behelfsmäßig unter „Literaturverzeichnis“ oder „Zitat“) und nicht unter „Literaturverwaltung“ zu finden – das stellt natürlich kein unüberwindbares Hindernis dar, ist aber unglücklich für den vermutlich noch unbedarften Nutzer, der von der Terminologie des Wissenschaftlichen Arbeitens her kommt und nicht von der Terminologie Words.

Welchen Studierenden kann man das Buch empfehlen?

Uneingeschränkt allen Word-Nutzern. Dabei ist es gleichgültig, ob es sich um Studienanfänger oder Studierende kurz vor der Abschlussarbeit handelt. Auch das Studienfach spielt keine Rolle, wenngleich Studierende mancher Fächer andere Programme wie LaTex bevorzugen.

Word ist jedoch und bleibt vermutlich das beliebteste Textverarbeitungsprogramm. Da sich fundierte Word-Kenntnisse für die meisten Absolventen auch im Berufsleben als nützlich erweisen werden, lohnt sich die Zeit für die gründliche Einarbeitung doppelt.

Was bringt es für den Einsatz in der Lehre?

Sie werden als Lehrende im Wissenschaftlichen Arbeiten zwar keine Word-Schulungen abhalten wollen. Aber wenn Fragen verzweifelter Studierender auftauchen, helfen doch die Meisten gern mit einem kleinen Hinweis. Mich zumindest freut es, wenn die Betreffenden nach der Lösung des Problems weiterarbeiten können und vielleicht in Zukunft sogar noch etwas effizienter werden.

Für eine solche Hilfestellung erweist es sich als sehr vorteilhaft, dass in dem Buch die neuesten vier Word-Versionen berücksichtigt sind. Tuhls schreibt: „Die Entwickler und Übersetzer von Microsoft machen sich offenbar eine Jux daraus, die Anwender bei jedem Versionswechsel durch neu platzierte und umbenannte Befehle zu verwirren.“ (S. 20). Bei jedem Thema sieht der Leser direkt, was in der jeweiligen Word-Version zu tun ist.

Darüber hinaus ziehen Sie aus dem Buch auch noch selbst einen Nutzen. Bei Ihren eigenen Dokumenten profitieren Sie von jedem weiteren Prozentpunkt, den Sie im Sinne der eingangs zitieren Pareto-Aussage zulegen.


Von dem gleichen Verlag stammt übrigens dieses lesenswerte Buch, in dem 23 Interviews mit Experten aus neuartigen Schreibberufen versammelt sind:

Diehm, Susanne/Firnkes, Michael (2015): Die Macht der Worte. Schreiben als Beruf, 2. Aufl. Frechen: mitp.

Inhaltsverzeichnis

  • Texten für Onlineshops (Sabrina Kirnapci)
  • Social-Media-Management (Annette Kaiser)
  • Suchmaschinenoptimiertes (Björn Tantau)
  • Unternehmenskommunikation (Su Franke)
  • Storytelling & Content-Marketing (Silvia Göttel)
  • Fundraising (Silvia Starz)
  • Buch-PR (Ulrike Plessow)
  • Blogging (Christina Fuchs)
  • Corporate Blogging (Tanja Wolf)
  • Online-Ratgeber (Heike Thormann)
  • (Online-)Texten im Kundenauftrag (Jutta Reinert)
  • Drehbücher (Andreas Hug)
  • Audioguides & Audiowalks (Dr. Matthias Morgenroth)
  • E-Books für Kindle & Co. (Marcella Montreux)
  • Ghostwriting (Nico Gourgé)
  • Kreative Leitung & Dozent (Claus Mischon)
  • Schreibpädagogik (Gitta Schierenbeck)
  • Schreibcoaching (Ulrike Scheuermann)
  • Schreibtherapie (Alexander Graeff)
  • Gesundheitsförderndes Kreatives Schreiben (GKS) (Jutta Michaud und Susanne Diehm)
  • Netzwerken & Projektmanagement (Karola Braun-Wanke)
  • Schreibzentrum (Universität) (Dr. Katrin Girgensohn)
  • Wissenschaftliche Schreibberatung und -training (Judith Theuerkauf)

 Cover_DiehmFirnkes

Auch für dieses Buch gibt es eine Leseprobe und Inhaltsverzeichnis zum Herunterladen. Bereits im Dezember habe ich es bei Amazon rezensiert. Hier ein Auszug daraus:

Auf dieses anregende Buch bin ich aufmerksam geworden, da ich mich beruflich damit beschäftige, wie man Studierenden das wissenschaftliche Schreiben näherbringen kann. […] Vor diesem Hintergrund waren vor allem drei Kapitel interessant, die drei unterschiedliche Aspekte betrachten:

1) Schreibcoaching (Ulrike Scheuermann, Kap. 18)

Hier geht es um den Schreibenden selbst: Wie läuft Schreiben individuell ab, und wie kann ein Schreibcoach diesen Prozess psychologisch unterstützen? In welchen Situationen hilft das so genannte Schreibdenken?

2) Schreibzentren an Universitäten (Katrin Girgensohn, Kap. 22)

In diesem Kapitel steht die institutionelle Verankerung des Schreibens im Fokus: Unter welchen Rahmenbedingungen arbeiten Schreibzentren an deutschen Universitäten bzw. was braucht es, um eines neu zu gründen? Was können wir von den angelsächsischen Ländern lernen?

3) Wissenschaftliche Schreibberatung und -training (Judith Theuerkauf, Kap. 23).

Eine Schreibberaterin und -trainerin berichtet über ihren Arbeitsalltag und die Inhalte ihrer Workshops, Kurse und Beratungen, darunter auch die „Zehn goldenen Regeln für einen besseren Schreibstil“.

Wer beruflich „etwas mit Schreiben machen möchte“, kann sich mithilfe dieses Buches sehr gut orientieren. Es ist so gut durchdacht und ansprechend gestaltet, dass ich auch die für mich nicht unmittelbar relevanten Kapitel mit Genuss gelesen habe!


Herzlichen Dank an den Verlag für die Rezensionsexemplare!

2 Kommentare zu “Tuhls: Wenn Word-Nutzer die Axt schleifen

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