Grieshammer et al.: Zukunftsmusik für Dozenten

Grieshammer, Ella; Liebetanz, Franziska; Peters, Nora und Jana Zegenhagen (2013): Zukunftsmodell Schreibberatung. Eine Anleitung zur Begleitung von Schreibenden im Studium. 2. Aufl., Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.

Preis: 19,80 Euro

 

Überblick über den Inhalt:

TEIL 1 – IN DIE BERATUNG EINSTEIGEN

1 Eine Schreibberatung – verschiedene Schreibberatende

2 Eine Selbstverständlichkeit, die keine ist ‒ Schreibkompetenz

3 Viele Einflüsse, viele Anforderungen ‒ Schreibprozesse

4 Jeder schreibt anders ‒ Schreibtypen und Schreibstrategien

5 Auch Lesen gehört dazu ‒ Lesekompetenz, Leseprozesse

6 Vielfältige Anforderungen meistern – wissenschaftliches Lesen und Schreiben

7 Herausforderungen erkennen – Schwierigkeiten des wissenschaftlichen Lesens und Schreibens

TEIL 2 – MIT STRATEGIE BERATEN

8 Was Schreibberatende leisten können – Aufgaben der Schreibberatung

9 Eckpfeiler der Schreibberatung ‒ hilfreiche Grundsätze

10 Eine Schreibberatung ‒ verschiedene Teilnehmende, verschiedene Settings

11 Vorher, mittendrin und danach – Schreibberatung gestalten

12 Professionell und persönlich ‒ Gesprächstechniken nutzen

13 Das Schreiben in die Beratung holen ‒ Schreibtechniken nutzen

14 Den Text in die Beratung holen ‒ Feedback geben

15 Probleme meistern – Umgang mit schwierigen Beratungssituationen

DAS SPRECHEN ÜBER DAS SCHREIBEN PROFESSIONALISIEREN

 Cover_Grieshammer

Grieshammer et al.: Zukunftsmusik für Dozenten

Ein großartiges Buch! Laut Klappentext handelt es sich um den ersten umfassenden Ratgeber für Schreibberater und Schreibberaterinnen. Das kann ich nicht beurteilen, denn ich bin keine ausgebildete Schreibberaterin, sondern lehre „einfach nur“ das Fach „Wissenschaftliches Arbeiten“ (erste Gedanken zum Unterschied zwischen Wissenschaftlichem Arbeiten und Wissenschaftlichem Schreiben habe ich in diesem Beitrag für Sie zusammengetragen, mehr über mich lesen Sie hier).

Mich hat das vorliegende Buch restlos überzeugt. Bisher habe ich die ratsuchenden Studierenden auf der Grundlage dessen beraten, was ich in meinem Studium und in diversen Weiterbildungen ganz allgemein über Beraten, Kommunizieren und verwandte Gebiete gelernt hatte. Im Laufe der Zeit habe ich natürlich auch einiges über Didaktik gelesen und außerdem vieles aus den ungezählten Ratgebern zum Wissenschaftlichen Arbeiten mitgenommen (wie Schreibtechniken, Lesetechniken, Zeitmanagement etc.).

Dann traten Ella Grieshammer, Franziska Liebetanz, Nora Peters und Janas Zegenhagen in Form ihres Ratgebers in mein Leben und gaben mir schön und klar aufbereitet all das an die Hand, was ich für eine (noch ;-)) professionellere Beratung benötige.

In Teil 1 geht es um den Einstieg in die Schreibberatung. Er bildet gewissermaßen die theoretische Basis für die Anwendung im zweiten Teil. Erst einmal werden die verschiedenen Schreibberatenden beschrieben, außerdem werden Schreibkompetenz und Schreibprozesse sowie Schreibtypen und -strategien thematisiert. Aber auch Lesekompetenz und Leseprozesse (oft vernachlässigt!) und die vielfältigen Anforderungen des wissenschaftlichen Lesens und Schreibens bekommen ihren Raum.

In Teil 2 finden die Leserinnen und Leser die Anwendung der bisherigen Inhalte in der Praxis. Neben den Aufgaben der Schreibberatung und deren Grundsätze werden verschiedene Teilnehmende und Settings besprochen. Ab Kapitel 11 wird es noch konkreter: Wie gestalte ich die Schreibberatung, welche Gesprächstechniken kann ich einsetzen, welche Schreibtechniken vermitteln? Auch Feedback geben und der Umgang mit schwierigen Beratungssituationen kommen nicht zu kurz.

Die vielen Beispiele aus der Beratungspraxis machen das Gesagte anschaulich. An der einen oder anderen Stelle erkennt man eventuell auch Gespräche wieder, die man selbst fast identisch oder zumindest recht ähnlich mit den eigenen Studierenden bereits geführt hat.

Das Buch regt zur Reflektion an, denn jedes Kapitel schließt mit einigen Fragen („Zum Weiterdenken“). Wer sich tiefergehend mit den einzelnen Inhalten befassen möchte, findet am Kapitelende auch eine übersichtliche Zusammenstellung der grundlegenden Literatur („Zum Weiterlesen“).

Wohltuender Perspektivwechsel

Im Vergleich zu meiner bisherigen Hauptlektüre (nämlich den Ratgebern zum Wissenschaftlichen Arbeiten) ist das ein wohltuender Perspektivwechsel. Endlich schreibt mal jemand, wie sich dieser ganze Themenkomplex „Wissenschaftliches Schreiben“ aus der Sicht der Beratenden darstellt.

Ich finde, man merkt dem Buch auf jeder einzelnen Seite an, dass die Schreibberatung und deren Professionalisierung den Autorinnen eine Herzensangelegenheit ist. Sie möchte ihr Wissen gern weitergeben und tun das auf eine sehr angenehme und ansprechende Art.

Welchen Studierenden kann man das Buch empfehlen?

Für Studierende ist das Buch nicht gedacht. Dieser Ratgeber wendet sich an alle, die sich in der Schreibberatung aus- und weiterbilden wollen. Auch wenn etwa die besprochenen Schreibtechniken für Studierende sicherlich gewinnbringend wären, verweist man diese besser auf die einschlägigen Ratgeber, die auf Studierende zugeschnitten sind.

Einzig für Studierende, die in das Peer Tutoring einsteigen wollen, ist das Buch geeignet. Wer sich also bereits während seines Studiums als Schreibberater betätigen möchte, tut gut daran, sich hier einzulesen.

Was bringt es für den Einsatz in der Lehre?

Für den direkten Einsatz in der Lehre ist das Buch ebenfalls nicht vorgesehen. Dennoch profitiert wahrscheinlich jeder Lehrende im Fach „Wissenschaftliches Arbeiten“, der nicht sowieso zufällig ausgebildeter Schreibberater ist. Der Nutzen liegt im oben angesprochenen Perspektivwechsel.

Dem „paradoxen Sonderfall der Schreibberatung“ (S. 6), nämlich uns beratenden Dozenten, haben die Autorinnen auch mehrere Abschnitte gewidmet. In diesem Setting ist der unauflösbare Rollenkonflikt zwischen Berater und Bewerter allgegenwärtig. Zum Glück gibt es andere Möglichkeiten, wie den Konflikt als solches zu akzeptieren oder Metakommunikation (S. 266 f.)

Anke Beyers Einschätzung in „Zeitschrift Schreiben“ kann ich nur zustimmen: „Die Lektüre lohnt sich vor allem für unerfahrene Beratende, für Beratende, die bisher rein intuitiv vorgegangen sind – also für alle, die keine schreibdidaktische Ausbildung haben, aber ihre (Neben-)Rolle als Begleitende studentischer Schreibprozesse ernst nehmen.“

Die Sprechstundengespräche oder auch die Ad hoc-Beratungen am Rand der Lehrveranstaltung dürfte um einiges an Qualität gewinnen, wenn die Lehrenden die Reflexionsfragen für sich nutzen und auf den geballten Erfahrungsschatz der Autorinnen zurückgreifen.

Es wäre schön, wenn die Inhalte auch für beratende Dozenten nicht Zukunftsmusik blieben, sondern tatsächlich zum Zukunftsmodell würden.


Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

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