„Der Theisen“: Das Standardwerk

Theisen, Manuel R. (2013): Wissenschaftliches Arbeiten. Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit. 13. Aufl., München: Vahlen.

Preis: 14,90 Euro

Überblick über den Inhalt:

  • Gebrauchsanweisung
  • Planung
  • Vorarbeiten
  • Themenabgrenzung und Materialrecherche
  • Materialauswahl
  • Materialauswertung
  • Manuskript
  • Ergebnisgestaltung
  • Druck und Veröffentlichung
  • Präsentation und Beurteilung
  • Fälschung, Verfälschung, Plagiat und Betrug
  • Ratschläge für eine schlechten wissenschaftlichen Arbeiter

 „Der Theisen“: Das Standardwerk

Mittlerweile in der 16. Auflage erschienen – wow! Dieses Buch wird seit Jahren, ja eigentlich sogar seit Jahrzehnten, gern empfohlen, wenn jemand Literatur zum Wissenschaftlichen Arbeiten benötigt (erstmals ist es 1984 erschienen). Es deckt so gut wie jede Frage ab, die beim Erstellen einer schriftlichen Arbeit aufkommen kann. Seine Leserschaft in all den Jahren wird im Vorwort auf etwa 500.000 Personen geschätzt. Verkauft wurden wohl bis 2013 circa 150.000 Exemplare, aber die Bibliotheksnutzer müssen natürlich auch mitgezählt werden.

Die neue Auflage sieht etwas freundlicher aus als ihre Vorgängerversionen. Früher lud „der Theisen“ mit seiner eher angestaubten Art nicht gerade zum Lesen. Jetzt arbeitet er mit Icons am Seitenrand und Checklisten an den Kapitelenden. Die Abbildungen und Tabellen wurden farblich gestaltet, textlich, oder besser stilistisch, hat sich nicht allzu viel verändert.

Die kommentierte Auswahlbibliographie, die in früheren Auflagen enthalten war, gibt es in der 16. Auflage nicht mehr. Das ist für Dozierende schade, da sie einen ersten Anhaltspunkt zur Beurteilung der anderen auf dem Markt verfügbaren Ratgeber zum Wissenschaftlichen Arbeiten geboten hat.

Musterknabe

Die zentrale Idee hinter dem Buch ist folgende: Jede Seite dieses Buches ist beispielhaft und kann als Muster verwendet werden. Es scheint zunächst etwas zu dick aufgetragen, wenn Theisen schreibt „Alles in diesem Buch und an diesem Text ist mustergültig. Merke: Wer hier ‚abschreibt‘, dem ist der Erfolg sicher!“ (S. 24). Letztlich hat er aber wahrscheinlich sogar recht damit. Die Inhalte kommen solide und fundiert daher. Seine Expertise hat Theisen in seiner Promotions- und Habilitationszeit sowie vermutlich vor allem während der jahrelangen Beschäftigung mit dem Thema aufgebaut.

Negatives gibt es nicht viel zu sagen. Entsprechend seinem Ansatz, als Muster dienen zu wollen, verwendet Theisen oft absolute Formulierungen („ist … zu“, also „es ist zu beachten“ oder „es ist diese oder jene Vorschrift einzuhalten“). Vielleicht kommen solche Formulierungen auch gar nicht so häufig vor, für mich las es sich allerdings so. Ein „Sollte“ schien mir meist als „Muss“ gedacht zu sein. Ich kann leider noch nicht genau den Finger darauf legen und sagen, wieso mich das so irritiert.

Welchen Studierenden kann man das Buch empfehlen?

Das lässt sich leicht auf den Punkt bringen: Allen, wirklich allen, Studierenden ist mit „dem Theisen“ geholfen. Das Buch bietet Orientierung von Anfang bis Ende im wissenschaftlichen Prozess. Im Optimalfall soll es möglichst im Ganzen vor der Erstellung der eigenen Arbeit gelesen werden. Wenn die Zeit drängt, kann es auch punktuell, also kapitelweise je nach Arbeitsfortschritt, genutzt werden. Apropos „nutzen“: Im ersten Kapitel, der Gebrauchsanweisung, schreibt Theisen, dass er seinen Ausführungen nicht nur Leser, sondern vor allem Anwender und Benutzer wünscht. Dem kann ich nur zustimmen!

Durch das umfangreiche Register dient das Buch bei späteren Fragen auch sehr gut als Nachschlagewerk. Man kann es also getrost einem Erstsemester empfehlen und sicher sein, dass es drei Jahre später beim Anfertigen der Bachelorarbeit immer noch nützlich sein wird. Selbst wenn bis dahin eine weitere Neuauflage erscheinen sollte, ändert sich an diesem Umstand nichts, da es sich bei den Inhalten um die absoluten Basics handelt. Das bedeutet nun nicht, dass nur ein grober Überblick gegeben wird und die Feinheiten des wissenschaftlichen Arbeitens vernachlässigt werden, im Gegenteil. In dem Buch finden die Leser vielmehr die unabänderlichen Wahrheiten, wenn es so etwas gibt, oder zumindest die Beschreibung von sehr beständigen Konventionen.

Was bringt es für den Einsatz in der Lehre?

„Der Theisen“ war damals, als ich anfing, die Grundlage für mein Skript und hat mir dabei sehr gute Dienste geleistet. Dieses Skript nutze ich heute noch, auch wenn ich natürlich immer wieder Aktualisierungen und Ergänzungen darin vorgenommen habe. Ich habe durch Theisens Buch eine solide Basis für meine Unterlagen und den Unterricht gewonnen. Zusätzlich hatte ich lange Zeit das beruhigende Gefühl, damit alles richtig gemacht zu haben. Wer sich auf ein anerkanntes Standardwerk beruft, kann schließlich nicht falschliegen.

Jetzt kommt das große Aber: Theisen vernachlässigt ein wichtiges Gebiet, nämlich wie man vom Thema zur Fragestellung kommt. Folglich findet sich im Schlagwortregister auch kein Eintrag für „Forschungsfrage“ oder „Fragestellung“. Dem Aspekt „Themenabgrenzung“ ist auch nur etwas mehr als eine Seite des Buches gewidmet, das allerdings auf recht oberflächliche Art und Weise. Hier gibt andere (fachspezifische) Ratgeber, die ihren Fokus stärker auf dieses Problem legen. Wahrscheinlich wäre es aber für eine übergreifende Anleitung, wie das vorliegende Buch sie bieten will, ein schwieriges Unterfangen, hierzu gut nachvollziehbare, eingängige Beispiele zu liefern.

Zum Buch gibt es übrigens eine kostenlose App für Android und iOS. Mit „Plagiatfrei erfolgreich“ kann jeder in Form eines Quiz seinen Wissensstand überprüfen.

 

 

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